Start bei den Roten Teufeln – 96 eröffnet die Zweitligasaison auswärts

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Der neue Spielplan für die Bundesliga und Zweite Bundesliga wurde veröffentlicht. Von großem Interesse ist natürlich der Start der Roten im ungewohnten Unterhaus der Bundesliga. Hannover 96 bekommt es zum Start der Zweiten Bundesliga auswärts mit dem 1.FC Kaiserslautern zu tun. Die Begegnung auf dem Betzenberg und das Wiedersehen mit Ex-96 Coach Tayfun Korkut bildet zugleich die Eröffnungspartie der Zweitligasaison 2016/17 am 05.08.2016 um 20:30.

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Danke, Jan Schlaudraff!

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18.08.2011 – Ein schöner, warmer Sommertag im August, 18-24 °c klar. Der DAX im Sturzflug. Papst Benedikt XVI spendet an diesem Tag seinen Segen in der spanischen Hauptstadt Madrid. Der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn übernimmt bei der kriselnden Fluggesellschaft Air Berlin das Zepter. Und Hannover 96 trifft am Abend in der noch damaligen AWD-Arena im Play-off Hinspiel der Uefa Europa League auf den Sieger dieses Wettbewerbs der Jahre 2006 und 2007, den hochfavorisierten Südspaniern vom FC Sevilla.

Das Stadion ist schon seit Wochen mit der Mindestkapazität von 44.000 Zuschauern für europäische Spiele restlos ausverkauft. Wenig verwunderlich, da Hannover 96 nach 19 Jahren wieder auf die internationale Bühne zurückkehrt. Es ist ein großer und unvergesslicher Abend für die Stadt Hannover, die Fans und die Mannschaft von Hannover 96. Aber es ist auch der große Abend von Jan Schlaudraff im Dress der Roten.

Der damals 28-jährige Schlaudraff drückt dieser unvergesslichen Partie ganz besonders seinen Stempel auf. Begleitet von einer euphorischen und nie mehr getoppten Stimmung im liebevoll genannten Niedersachsenstadion gelingt der Nummer 13 bereits in der sechsten Minute der Führungstreffer. Eingeleitet durch einen langen Ball von Sergio Pinto aus der eigenen Hälfte auf jenen Schlaudraff, wird das lange Anspiel vom späteren Leverkusener und heutigen Hamburger Emir Spahic nur unzureichend geklärt. Der mitgelaufende Mohammed Abdellaoue kommt an den Ball, reagiert schnell und leitet das Spielgerät sofort in den Lauf des in den Strafraum stürmenden Schlaudraff weiter, der freistehend und unglaublich abgezockt per linken Außenrist in die kurze Ecke zum 1:0 verwandelt. Das Stadion gleicht einem Tollhaus und ist kurz vorm Abheben in eine neue Hemisphäre!

Nach dem zwischenzeitlichen 1:1 in der 37. Minute durch Frédéric Kanouté, folgte kurz vor dem Pausentee der zweite Geniestreich von „Schlauffi“. Wieder ist es der unermüdliche Pinto, der mit einem kurzen Pass den energischen Antritt von Jan Schlaudraff an der linken Außenbahn einleitet. Im Duo mit Manuel Schmiedebach spielen diese im Hauch weniger Sekunden Katz & Maus mit der Defensive der Südspanier. Schlaudraff auf Schmiedebach, der in gekonnter Doppelpassmanier gleich weiter gesteckt auf den in den Strafraum eindringenden Initiator, welcher erneut gekonnt den Ball direkt Volley mit dem rechten Außenrist ins lange Eck bugsiert. Ein Wahnsinnstreffer! Unglaublich und enorm wichtig zur 2:1 Führung zur Pause und dem schließlichen Endergebnis im Hinspiel.

Ein großer Europapokal Abend in Hannover findet einen traumhaften Abschluss und der Meilenstein für eine sensationelle Saison in der Europa League war gelegt. Vor allem eben durch den Zeremonienmeister dieses Abends: Jan Schlaudraff oder wie ZDF-Kommentator Thomas Wark an diesem Abend treffend nach seinem zweiten Führungstor titelte: „Nie war Schlaudraff so wertvoll“


Der Wechsel zu Hannover 96 und seine Spielstationen davor

Zum 01.07.2008 unterschrieb Jan Schlaudraff einen Dreijahresvertrag bei Hannover 96. Er wechselte für eine kolportierte Ablösesumme von 2,00 Mio. € vom FC Bayern München zu den Roten. Beim Rekordmeister durchlebte er zuvor ein schwieriges Jahr, welches durch Verletzungen und sehr starker Konkurrenz im Kader gekennzeichnet gewesen ist. Aufgrund der desaströsen Saison der Münchener und dem vierten Platz in der Liga, wurde der Kader mit millionenschweren Zukäufen wie Luca Toni, Miroslav Klose und Franck Ribery verstärkt. Dabei konnte der frisch gebackene Nationalspieler bei seinem Wechsel zu den Münchnern noch nicht mit dieser fast schon unüberwindbaren Konkurrenzsituation rechnen, da diese Spieler zum Stichtag seiner Vertragsunterschrift noch nicht an den FC Bayern gebunden waren. Er wiederum entschied sich seinerseits schon im Januar 2007 zu einem Wechsel zum Rekordmeister aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Dies brachte ihm zeitgleich großen Ärger bei seinem damaligen Arbeitgeber Alemannia Aachen ein, wo Schlaudraff danach zunehmend nicht mehr von Coach Michael Frontzeck berücksichtigt wurde und schlußendlich gar mit seinem Mannschaftskollegen Sascha Dum für die verbleibenden drei Bundesligapartien der Aachener mangels sportlicher Einstellung suspendiert wurde. Ein unrühmlicher Abgang für das aufstrebende Fußballtalent, welches zeitgleich im Abstieg der Aachener mündete. Dabei machte der gebürtige Jungprofi aus Waldbröl ganz besonders in Aachen auf sich aufmerksam. Hier gelang ihm der sportliche Durchbruch und führte erst zum Interesse der Bayern, welche er am 20.12.2006 kurz vor Weihnachten höchst persönlich aus dem DFB-Pokal beförderte. Neben einer grandiosen Leistung im Match gegen die Bayern, setzte er in der 90. Minute den Schlussakkord der Pokalsensation auf dem Tivoli und markierte nach einem Traumsolo das 4:2 Endergebnis.


Schon bereits in ähnlicher Manier ärgerte er am 18.11.2006 die Hintermannschaft des SV Werder Bremen. Mit einem schnellen und entschlossenen Dribbling tanzte er die Defensivreihen der Bremer wie Slalomstangen aus, um dann Keeper Tim Wiese mit einem gefühlvollen Lupfer zu überwinden! Ein Tor so schön, dass es selbst den spanischen TV-Kommentator von GolTV aus den sitzen reißt und der ARD Sportschau eine Auszeichnung zum Tor des Monats November 2006 Wert war.

Sein allererstes Bundesligator erzielte Schlaudraff aber ausgerechnet gegen seinen späteren langjährigen Arbeitgeber Hannover 96. Beim schmerzhaften 0:3 der Roten am 3. Spieltag gegen Alemania Aachen markierte „Schlauffi“ das 0:1 Führungstor in der 15. Minute. Die dritte Niederlage der 96iger in Folge bedeutete zeitgleich das Aus für Trainer Peter Neururer, welcher paradoxerweise nur wenige Tage später durch den Aachener Coach Dieter Hecking ersetzt wurde.

Wo Schlaudraff in Aachen in der Saison 2006/2007 noch auf eine gute Bilanz von 28 Spielen und acht Toren sowie drei A-Länderspielen zurückblicken kann, reichte es bei den Münchern lediglich zu acht Ligaeinsätzen und keinem Treffer. Doch auch wenn ihm im Rückblick sein kurzzeitiger, sportlicher Aufenthalt in München nicht so gut Erinnerung bleiben dürfte, so kann Schlaudraff dennoch sehr stolz darauf zurückblicken es überhaupt zum Rekordmeister geschafft zu haben. Eine Ehre, welche ja nicht jedem Fußballprofi zu Teil wird und darüber hinaus auch zu nachweisbaren sportlichen Erfolgen führte. So kann sich Jan immerhin Deutscher Meister und Ligapokalsieger nennen.


2008 – 2010 – Antritt bei 96 und das schier unüberwindbare Verletzungspech

Am 30.06.2008 bat Hannover 96 zum Trainingsbeginn für die anstehende Spielzeit 2008/2009. Dies war zugleich auch der erste Arbeitstag für Jan Schlaudraff bei den Roten. Mit weiteren Verpflichtungen von Mario Eggimann, Mikael Forssell, Florian Fromlowitz und dem bereits im Winter eingekauften Leon Andreasen wurden zusammen mit Schlaudraff hohe Erwartungen an die neu zusammengestellte Mannschaft gestellt. Ziel sollten die oberen Tabellenplätze der Bundesliga und möglichst eine Platzierung für einen internationalen Wettbewerb sein. Die neu entfachte Euphorie bei den 96-Fans äußerte sich gleich beim Trainingsstart, welcher von 400 Zuschauern besucht wurde. Star des Tages und von allen Fans umrankt war natürlich der spektakuläre Neuzugang vom FC Bayern.

Dieser sah seinen Wechsel von der Isar an die Leine übrigens nicht als sportlichen Rückschritt oder Karriere-Knick:

„Für mich ist es sportlich ein Schritt nach vorne!“ „Hier kann ich viel spielen. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe. Logisch hat Hannover nicht den Stellenwert wie Bayern. Aber Bayern ist vorbei, jetzt beginnt eine neue Zeit. Ich will die bestmögliche Leistung zeigen, dann werden wir sehen, was am Ende dabei rauskommt.“

Auch meine Person äußerte sich gegenüber Heiko Niederer und der Bildzeitung sehr euphorisch über die Verpflichtung von Schlaudraff: „Ich freue mich am meisten auf Jan Schlaudraff. Er ist technisch sehr versiert, hat gute Chancen, mehr als 10 Tore zu schießen.“ Naja ok, diese Einschätzung war letztlich dann doch etwas arg übertrieben.

Auf seinen ersten Geniestreich im Dress der Roten mussten wir dann aber doch bis zum 5. Spieltag warten. Zuerst markierte Schlaudraff das 2.0 gegen die Gladbacher Borussia, bevor dann seine einzigartige Klasse in der 67. Minute aufblitzen ließ. Mit einem phänomenalen Sololauf erzielte er denn sehenswerten 4:1 Treffer beim 5:1 Heimsieg von Hannover 96.

Das technisch einmalig umgesetzte Tor und die starke Leistung von Schlaudraff an diesem Sonntagnachmittag machte Appetit auf mehr. In den darauffolgenden neun Partien erzielte er drei weitere Tore und legte eines vor, bevor ihn Ende November 2008 Probleme an der Leiste vor weiteren Einsätzen im 96-Dress stoppten. Diese begleiteten ihn fortan die gesamte erste Saison bei Hannover 96, wodurch er nur noch zu sieben Kurzeinsätzen und zwei mal vollen 90. Minuten auflaufen konnte.

Unglücklicherweise setzte sich das Verletzungspech in der zweiten Saison bei 96 nahtlos fort. Erst am 05.12.2009 konnte er in der 77. Minute nach Einwechslung für Jiri Stajner sein Saisondebüt in der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen geben.

Beim spiel- und temperaturtechnischen Horrorkick gegen den VFL Bochum am 17. Spieltag erzielte er im Doppelpack seine einzigen zwei Saisontreffer. Dennoch reichte die durch Schlaudraff hergestellte 2:0 Führung nach 34. Minuten nicht aus, um das Spiel für sich zu entscheiden. Mit 2:3 drehten die Bochumer das Match in der zweiten Halbzeit.

Die von Andreas Bergmann trainierte und durch den Freitod von Robert Enke gezeichnete Mannschaft geriet tief in den Abstiegskampf hinein. Letztlich gelang ihr bekannterweise unter Mirko Slomka den Abstieg am 34. Spieltag zu verhindern. Mit einem euphorischen 3:0 in Bochum, begleitet von 11.000 Fans, schaffte die Mannschaft im letzten Moment noch die sportliche Wende, nach einer in jeder Beziehung ganz schlimmen Spielzeit. Schlaudraff wirkte bei diesen entscheidenden Partien am Schluss der Saison nicht mit.


2010/2011 – Ausmusterung durch Martin Kind und die sportliche Wiederauferstehung gegen den SC Freiburg 

„Die Entscheidung steht, Schlaudraff spielt nie mehr für uns. Er hatte seine Chance, es hat keinen Sinn“, sagte Hannovers Boss Martin Kind gegenüber der Bild-Zeitung.

Jan Schlaudraff sollte sich einen neuen Verein suchen oder notfalls seinen Vertrag in Hannover aussitzen. Er wurde zum Sündenbock für seine zuletzt schlechten Leistungen und vor allem dem desaströsen Auftreten der gesamten Mannschaft beim peinlichen Pokalaus in Elversberg degradiert.

http://video.sport1.de/video/schlaudraff-auf-abstellgleis__0_4mcjyain

Trotz öffentlicher Ausmusterung durch den Präsidenten berücksichtigte Trainer Mirko Slomka ihn dennoch, so kam die Nummer 13 immerhin per Einwechslung gegen die Bayern am achten Spieltag zu seinem ersten Einsatz in der Saison 2010/11. Ändern sollte dieser kleine Hoffnungsschimmer allerdings zunächst wenig. Gegen Hoffenheim, Köln und Dortmund folgten keine weiteren Einsätze. Gegen den BVB war Jan nicht mal mehr im Kader. Umso erstaunter blickten viele drein, als Schlaudraff überaschenderweise am zwölfen Spieltag beim Topspiel gegen den FSV Mainz 05 in der Startelf steht. Fortan war Schlaudraff wieder ein festes Mitglied der ersten Elf und sollte alsbald aus dieser nicht mehr weg zu denken sein.

Wie Phoenix aus der Asche – Die sportliche Wiedergeburt gegen den SC Freiburg

Nachdem er in Mainz und beim Heimspiel gegen den Hamburger SV wieder in der ersten Elf stand und beide Male eine durchaus ordentliche Partie lieferte, gelang ihm aber die sprichwörtlich sportliche Wiedergeburt bei Hannover 96 am 14. Spieltag beim Heimspiel gegen den SC Freiburg. Hier erzielte er nicht nur den wichtigen Führungstreffer und sein erster Tor nach fast einem Jahr, sondern leitete auch geschickt und in technisch hochwertiger Manier das 2:0 durch Didier Ya Konan ein.

Eine Eins mit Sternchen verdiente sich Jan beim Heimspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern am 23. Spieltag. Bei dieser Partie steuerte er selbst zwei Treffer beim souveränen 3:0 Erfolg gegen die Roten Teufel bei. Vor allem sein Schlenzer zum 3:0 Endstand war wieder mal ein äußerst sehenswerter Treffer Marke Schlaudraff.


Das Tor nach Europa! – Jan Schlaudraff und Hannover 96 machen die Qualifikation zur Euro League perfekt!

Der Name Jan Schlaudraff wird im Zusammenhang mit Hannover 96 natürlich immer mit der sensationellen Europapokalnacht gegen den FC Sevilla in Erinnerung bleiben. Doch das es überhaupt hierzu kommen konnte und Schlaudraff sich in dieser Partie nahezu unvergesslich machen konnte, liegt ebenfalls an seiner und der mannschaftlichen Glanzleistung bei der Auswärtspartie am 31. Spieltag in Freiburg.

Am Gründonnerstag machte Hannover 96 sich selbst ein vorzeitiges Ostergescheck und qualifizierte sich mit dem 3:1 Sieg für die Uefa Europa League. Dabei war erneut Schlaudraff der Mann für die entscheidenden Aktionen auf dem Platz. Zuerst schickte er in der 24. Minute Mohammed Abdellaoue mit einem starken Pass in den Lauf zur 0:1 Führung bei den Breisgauern, bevor er selbst in der 31. Minute durch ausgerechnet Altin Lala erfolgreich in Szene gesetzt wurde. Schlaufi umkurvte Torhüter Oliver Baumann und erzielte das vorentscheidende 0:2. Europa wir kommen! Und wie!


2011/2012 – Die Saison seines Lebens und Niedersachsens Fußballer des Jahres 2012!

Das Jahr 2011 geht angesichts der sportlichen Erfolge mit Sicherheit in die Historie von Hannover 96 ein. Aber nicht nur die Alte Liebe erlebte eine einzigartige und unvergessliche Spielzeit, sondern auch die Nummer 13 spielte in dieser Runde eine überragende, wenn nicht seine beste Saison überhaupt. Bereits zehn Tage vor seinem großen Abend gegen den FC Sevilla, erwies sich Schlaudraff als Schlaufuchs und vollendete erneut genial zum Verdutzen aller Hoffenheimer einen direkten Freistoß beim 2:1 Sieg der Roten gegen die TSG Hoffenheim am ersten Spieltag.


Von wegen Auswärts in Kopenhagen! – Heimspiel im Telia Parken!

Mit 12.000 Zuschauern in Kopenhagen im Nacken glich die Partie gegen den dänischen Meister in der Europa League eher einem Heim- als einem Auswärtsspiel. Unter dieser phänomenalen Kulisse im Telia Parken wurden die Roten trotz souveräner Spielweise in der 67. Minute kalt erwischt. Dame N’Doye verwertete eine zu kurz abgewehrte Ecke von links und sorgte damit für die Führung der Gastgeber. Doch exakt in dieser Situation wurde einmal mehr der hohe Stellenwert und die Genialität eines Jan Schlaudraff bewusst. Nur vier Minuten später erzielte Schlauffi per Linksschuss den ganz wichtigen Ausgleich und legte damit den ersten Schritt für die unvergessliche Europapokalnacht in der dänischen Hauptstadt. Allseits bekannt und der Vollständigkeit halber, brachte Lars Stindl mit einem absoluten Traumtor per Weitschuss in der 74. Minute das Telefon in Europa zum schellen.

http://www.myvideo.de/watch/8329297/Kopenhagen_Hannover_1_1_Schlaudraff


Mit der Auszeichnung zum Tor des Monats durfte sich Jan Schlaudraff nach seinem traumhaften Solo gegen Werder Bremen im November 2006 bereits einmal schmücken. Doch scheinbar hat es ihm der November als Monat zu erzielen von traumhaften Toren irgendwie angetan. Am 14. Spieltag beim Sky-Topspiel des Tages gegen den Hamburger SV erzielte er den 1:1 Ausgleich in der 79. Minute. Sergio Pinto flankte die herausgespielte Ecke direkt auf den knapp vor dem Sechszehnmeterraum frei stehenden Schlaudraff, welcher den Ball direkt Volley verwertete! Ein absolutes Traumtor! Hier passte alles! Optimales Timing bei der Verwertung des Balles, passende Schussstärke und technisch absolut sauber ausgeführt! Keine Chance für Jaroslav Drobny diesen Ball zu entschärfen. Zurecht das Tor des Monats im November 2011. Unbedingt anschauen! Wieder und immer wieder!


Legendär und unvergessen – wie nahezu alle Europapokalnächte – ist natürlich auch der rotzfreche Schipelfmeter zum 2:1 gegen den FC Brügge. Frei nach dem Namensgeber Panenka setzte Schlaudraff mit viel Risiko, aber auch der nötigen Übersicht den Ball per Lupfer in die Mitte des Tores. Absolut cool vollendet vom Kapitän, welcher an diesem Tag übrigens sein erstes Spiel als Mannschaftskapitän von Hannover 96 bestritt.


Kurz vor der Sommerpause und dem Abschluss einer phänomenalen Saison wurde Jan verdienterweise zu Niedersachsens Fußballer des Jahres 2012 gekürt. Ein Preis, welcher die einmalige Saison von Schlaudraff würdigt und seinen hohen Stellenwert bei Hannover 96 in der Saison 2011/2012 unterstreicht.


2012/13 – Schlaudraff stürmt zum zweiten Mal in Folge mit 96 Richtung Europa League

Als Stammspieler absolviert Jan Schlaudraff in der Saison 2012/13 30 von 34 möglichen Partien in der Bundesliga und hilft dabei den Erfolg der Roten mit dem erneuten Einzug in die Europa League zu bestätigen. Platz sieben in der Bundesliga reicht am Ende aus, um sich für die Qualifikationsrunde der Europa League zu qualifizieren.

Die herausragende Partie von Schlauffi war dabei der 2:4 Auswärtssieg am 11. Spieltag in Stuttgart, wo der nach der Pause eingewechselte Schlaudraff die Wende im Spiel der 96iger einbrachte. Mit neuem Schwung dank der Nummer 13 erzielten die Roten vier Treffer im zweiten Durchgang und drehten somit ein 0:2 zur Pause in einen Auswärtserfolg um. Schlaudraff selbst erzielte den Ausgleichstreffer per Handelfmeter in der 65. Minute.


2013/2014 – Vermehrte Kurzeinsätze und sein letztes Pflichspieltor für Hannover 96

Durch die Verpflichtungen von Edgar Prib und Leonardo Bittencourt zur Saison 2013/2014 wurde die Konkurrenz auf den Außenbahnpositionen und in der Offensive mit neueren und jüngeren Akteuren erhöht. Dementsprechend wurde es auch für Jan Schlaudraff schwieriger seinen Stammplatz in der ersten Elf zu verteidigen. Folglich musste Jan zunehmend einen Platz auf der Reservebank einnehmen und wurde größtenteils nur noch in den Schlussminuten der Bundesligapartien eingesetzt.

Dadurch gelang ihm in seinen 21 Partien nur noch ein Treffer, welcher auch der letzte für Hannover 96 sein sollte. Beim 0:3 Auswärtssieg bei der Hertha aus Berlin markierte Schlauffi das 0:2 in der 57. Minute. Wieder einmal ein typisches Schlaudraff-Tor, da er hier seine ganze Abgezocktheit vor der Kiste demonstrierte und nach einem eingeleiteten Konter und gut getimeten Anspiel von Leonardo Bittencourt die Ruhe bewahrte, Thomas Kraft vor dem Tor umkurvte und locker per linksschuß zum vorentscheidenden Treffer einnetzte.


2014/15 – Schlaudraff spielt keine Rolle mehr in der Planung von Trainer Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner

In seiner letzten Saison für die Roten hat die Nummer 13 leider keine große Rolle mehr unter Trainer Tayfun Korkut gespielt. Schlaudraff kam nur noch zu 62 Spielminuten innerhalb von fünf Kurzeinsätzen in der Bundesliga und zwei weiteren Auftritten im DFB-Pokal.

Trotz dieser eher unbefriedigenden Bilanz im letzten Jahr bei 96 war Jan dennoch nicht verbittert oder frustiert über seine Situation bei den Roten. So erzählte er im Sport Bild Interview, dass ihm Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner bereits vor Beginn der Saison in einem Gespräch signalisiert haben, dass er unter den aktuellen Voraussetzungen des Kaders nicht mehr viele Partien für 96 spielen wird. Schlaudraff entschied sich dennoch bei 96 zu bleiben und sich so oft wie möglich dem Trainer für weitere Einsätze zu empfehlen. Ein Vereinswechsel stand eher nicht zur Debate, da sich Jan bereits mit dem Bau eines Hauses ein Standbein in der schönsten Stadt der Welt geschaffen hat.

In der Winterpause tauchten dennoch Gerüchte in der Presselanschaft auf, dass ein Vereinswechsel aufgrund der zuletzt nicht vorhandenen sportlichen Perspektive erfolgen könnte. Immer wieder wurde dabei auch der 1.FC Köln als potentieller neuer Arbeitgeber genannt, bei dem Ex-96 Sportdirektor Jörg Schmadtke die sportlichen Fäden zieht und dem eine gute Beziehung zu Jan nachgesagt wird. Doch diese und andere Vermutungen in den Medien erwiesen sich als klassische Enten, sodass Jan auch in der Rückrunde die Schuhe für Hannover 96 schnürte. Allerdings signalisierte die Vereinsführung der Nummer 13 früh, dass sein zum 30.06.2015 auslaufender Kontrakt nicht verlängert wird. Schlaudraff müsse sich somit spätestens zum 01.07.2015 um einen neuen Arbeitgeber kümmern.

Mögliche Optionen für seine Zeit nach dem Engagement bei Hannover 96 nannte Jan häufig in Interviews mit verschiedenen Presseerzeugnissen. So könne er sich eine Zukunft bei einem Verein in der zweiten Liga, im Ausland oder aber als Trainer oder Manager vorstellen. Insbesondere die Türkei schien als Auslandsoption durchaus interessant für den 31-jährigen zu sein, sodass er seinen Berater dazu veranlasste mögliche Perspektiven in der Super Lig auszuloten. Doch mit der Schwangerschaft seiner Freundin Ricarda hat sich ein Abenteuer im Fußballausland wohl zunächst einmal erledigt. Sowieso plante Schlaudraff nur eine Station ein, wo er sich der englischen Sprache bedienen könnte. Nach China würde er wie seinerseits Szabolcs Huszti aufgrund der Sprachbarriere eher nicht wechseln wollen.

Verbleibt die Zweite Liga als denkbar interessante Alternative. Etwa einen Monat vor Ablauf des Vertrags bei den Roten wurde beim VFL Bochum gemunkelt, dass Schlaudraff eine gute Alternative zum Ex-96er Mikael Forrsell wäre, welcher bis heute trotz Wunsch des VFL seinen Vertrag noch nicht verlängert hat. Hierbei wurde auch Ex-96 Sportdirektor Christian Hochstätter als mögliche Verknüpfung für einen Transfer genannt. Bis heute ist es allerdings beim bloßen Namedropping von Schlaudraff in Bochum geblieben. Auch Sensationsaufsteiger SV Darmstadt wurde über die Bildzeitung in Verbindung mit ihm gebracht. Darmstadts Trainer Dirk Schuster dementierte das angebliche Interesse aber nur einen Tag später: „Den haben wir nicht auf unserem Zettel.“ 

Dabei setzt sich Jan auch nicht besonders unter Druck und erklärt, dass es eben doch unbedingt passen müsse und nicht jeder Verein in Frage kommt. Somit ist auch ein Karriereende mit erst 31 Jahren durchaus möglich. Er möchte allerdings dem Fußball verbunden bleiben in Position als zukünftiger Trainer oder Manager. Entsprechenden Rat für diese Karrierepfade holt er sich von Ex-96 Manager Jörg Schmadtke und Ex-96 Trainer Dieter Hecking ein. Auch eine Zukunft bei Hannover 96 im Management oder Trainerbereich ist somit durchaus denkbar. Und Martin Kind betonte auch stets in Interviews, dass eine solche Einbindung von Jan in den Verein überlegt werde.


Auf und neben dem Platz ein absolutes Vorbild! – Jan Schlaudraff engagiert sich für die MHH – Kids Arena

Doch nicht nur auf dem Platz war Jan Schlaudraff ein absolutes Vorbild und ein herausragender Sportsmann, sondern auch neben dem grünen Geläuf engagiert sich der Fußballprofi für diverse soziale Projekte. Zuletzt besuchte Schlaudraff die MHH-Kids Arena in Hannover-Bucholz und schrieb dort fleissig Autogramme, beantwortete in aller Ausführlichkeit die Fragen der Kids und lieferte sich zudem auch spannende Kickerpartien mit den Kleinen.

Bereits im Septmeber 2012 engagierte sich auch Schlaudraff mit Lars Stindl bei der Aktion „Vereint für Hannover“ für die Bothfelder Schule, indem beide Spieler den neu errichteten Bolzplatz der Schule einweihten. Natürlich ließen sich beide Profis diese Gelegenheit nicht nehmen, um ein Match mit den Schülern auf dem neuen Court durchzuführen.


Danke Jan Schlaudraff und weiterhin alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg!

Seit 01.07.2015 ist unsere ehemalige Nummer 13 jetzt Vereinslos und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Zum Abschied dankte er in einem selbst verfassten Brief den Fans von Hannover 96 für die sieben aufregenden und niemals langweiligen Jahre.

Und auch wir möchten uns abschließend bei Jan Schlaudraff recht herzlich bedanken für sein Engagement bei Hannover 96, sowohl auf und neben dem Platz:

  • Danke, Jan Schlaudraff für die tolle Europapokalnacht gegen den FC Sevilla und alle weiteren Europokalabenteuer mit dir und der Mannschaft!
  • Danke, Jan Schlaudraff für die vielen sehenswerten und größtenteils sehr wichtigen Treffer gegen Gladbach, Freiburg, Hoffenheim und den Hamburger SV.
  • Danke, Jan Schlaudraff für dein soziales Engagement bei der MHH Kids Arena an der Medizinischen Hochschule Hannover und bei der gemeinsamen Einweihung des wieder hergerichteten Bolzplatzes der Bothfelder Schule mit Lars Stindl.
  • Und danke Jan Schlaudraff, dass du ein Teil unserer Mannschaft warst und deine Zeit mit uns in Hannover verbracht  hast.

Hierfür möchten wir dir danken und wünschen dir weiterhin alles Gute für deinen weiteren sportlichen und privaten Lebensweg, egal ob als Profifußballer oder Offizieller außerhalb des Platzes.

Und wer weiss, vielleicht kreuzen sich die Wege von dir und 96 erneut, wenn du in einer Trainer- oder Managementposition bei den Roten landen solltest. Wir würden uns definitiv jederzeit über ein weiteres Engagement von dir bei Hannover 96 freuen.

Julian Baumgartlinger gibt Hannover 96 einen Korb – Wie sich eine harmlose Absage auf das kommende Transferfenster auswirken kann

Wie die BILD in der heutigen Ausgabe vermeldet hat sich der von Mainz 05 umworbene defensive Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger gegen ein Engagement bei Hannover 96 in der kommenden Saison entschieden. Der 36-fache österreichische Nationalspieler wäre ab Sommer ablösefrei zu haben, da sein aktueller Kontrakt bei den 05ern am 30.06.2015 endet. Baumgartlinger ist aktuelle Stammkraft und Leistungsträger bei Mainz 05, sodass seine ungeklärte sportliche Zukunft Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz weckt. Neben 96 sind auch nach Angaben diverser Medien Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, Besiktas Istanbul und West Ham United am 27-jährigen Österreicher interessiert. Möglicherweise werden es sogar noch viele weitere Klubs sein, welche sich mit dem Potential und der Erfahrung des aktuellen Mainzers verstärken möchten.

Dass Hannover 96 bei dieser großen Konkurrenz um Baumgartlinger das Nachsehen hat, ist absolut nachvollziehbar. Der Spieler hat zugegebenerweise bessere sportliche und womöglich finanziellere Optionen zur Auswahl, wenn man lediglich nur die oben aufgeführten Clubs mit 96 vergleicht. Baumgartlinger kann nächste Saison international spielen und bei einem Team mitwirken, welches langfristig um die oberen Plätze oder gar um Meisterschaften und weitere Titel mitspielen kann. Diese sportliche Perspektive können ihm die Roten aktuell keineswegs bieten. Immer noch stecken sie tief im Abstiegskampf, die Ligenzugehörigkeit ist noch nicht final geklärt und auch der Trainerposten der kommenden Saison ist noch unbesetzt. Zudem wird gemunkelt, dass auch Sportdirektor Dirk Dufner zum Ende der Saison ausscheiden könnte. Viele Verträge im aktuellen Team laufen aus und neue Akteure sind noch nicht verpflichtet worden. Dass sich Baumgartlinger unter dem Gesichtspunkt dieser Umstände gegen 96 entscheidet, ist somit nicht weiter verwunderlich. Im Gegenteil mag man ihm angesichts aktueller Umstände fast schon beglückwünschen, dass er sich gegen Hannover 96 entschieden hat. Welche Gründe speziell nun dazu führten, dass sich Julian Baumgartlinger gegen die Roten entschieden hat sind allerdings vollkommen uninteressant und lediglich seine persönliche Angelegenheit.

Problematisch an der ganzen „Causa Baumgartlinger und Hannover 96“ sind neben der offensichtlichen schlechten sportlichen Perspektive für potentielle Neuzugänge bei den Roten, auch die Äußerungen Dirk Dufners zum Verhandlungsstatus mit dem umworbenen Österreicher. So sagte Dufner der BILD: „Ja, es stimmt. Baumgartlinger hat uns abgesagt.“ Die öffentliche Bekanntmachung des Verhandlungsstatuses mit dem Wunschspieler in der Presse ist ein äußerst kritischer Punkt und wirkt sogar leicht unseriös. Möchte ein Spieler mit einem Verein verhandeln, welcher öffentlich den positiven oder negativen Verhandlungsstatus verbreitet? Wahrscheinlich eher nicht, da jeder Profi nun selbst die Befürchtung haben könnte, dass die sportliche Führung ähnliche Meldungen zu eigenen Verhandlungen durchsickern lassen könnte. Darüber hinaus macht 96 auch hier keine gute Figur und Werbung für die Verpflichtung von weiteren Akteuren. Es macht einen halt nicht besonders attraktiv, wenn man öffentlich verlautbart, vom Wunschkicker einen Korb für eine Verpflichtung bekommen zu haben. Warum Sportdirektor Dufner diesen Satz in der Öffentlichkeit fallen lässt, ist mir somit schleierhaft, da er dem eigenen Verein und seinen Interessen sowie den Vorstellungen des potentiellen Neuzugangs zuwider laufen. Ferner nötigte die Aussage Dufners zum Verhandlungsstatus mit Julian Baumgartlinger, dass die Pressevertreter beim Österreicher nachfragten, warum ein Wechsel zu 96 kein Thema sei und er diesbezüglich Hannover 96 sprichwörtlich einen Korb gegeben hat.  „Ich habe vorher nichts zu Hannover gesagt und sage auch jetzt nichts“, entgegnete der Mainzer. Der Satz Dufners zum Verhandlungsstatus mit Baumgartlinger ist also auch an dieser Stelle ein wunder Punkt, da der Österreicher dank des Kommentars vom 96-Sportdirektor zu den BILD-Redakteuren sich nun öffentlich rechtfertigen muss, mit welchem Verein er über ein Arbeitspapier verhandelt oder warum er sich für oder gegen einen Verein entscheidet. Dies erzeugt einen unseriösen Eindruck des Vereins und seiner Verantwortlichen auf den Profi selbst, welcher ja auch bei seinen Verhandlungen eine gewisse Diskretion und das Vertrauen der Verantwortlichen erwartet. Wer möchte nun mit dem Sportdirektor von Hannover 96 verhandeln, wenn er sich ausgerechnet nach einer Absage beim Verein nun vor laufenden Pressekameras oder Diktiergeräten dafür rechtfertigen muss? Auf keinen Verhandlungspartner wirken solche öffentlichen Statements vertraulich. Im Gegenteil, wird dieser Spieler oder ein Kollege eher davon absehen, eine Verhandlung mit 96 einzugehen. Negative Erfahrungen sprechen sich ja bekanntlich schnell herum, was ja auch Unternehmen im Zusammenhang mit schlechtem Service oder Fehlleistungen ihrer Produkte aktuell im Zeitalter des Internets leidvoll erfahren müssen.

Somit laufen den Roten die Spieler bei Verhandlungen nicht nur aufgrund der schwierigen sportlichen und ungeklärten personellen Situation vom Verhandlungstisch, sondern möglicherweise auch aufgrund von solchen öffentlich gemachten Ergebnissen von Vertragsverhandlungen. Eine schwierige Situation, da dieses Negativbeispiel dafür sorgen könnte, dass einige potentielle Neuzugänge keine Lust oder kein Vertrauen mehr haben mit 96 um Verträge zu verhandeln.