Rauswurf ohne erkennbare Gründe? – Wird Dirk Dufner von den Medien aus seinem Amt als Sportdirektor geschrieben?

Bereits seit mehreren Wochen wird in vielen regionalen und überregionalen Medien über ein ausscheiden Dirk Dufners aus seinem Amt als Sportdirektor von Hannover 96 spekuliert. Der 47-jährige Fußball-Funktionär muss laut übereinstimmenden Medienberichten seinen Posten zum Abschluss der Saison räumen, da ihm eine schwache Transferpolitik vorgeworfen wird. Trotz der Rekordinvestitionen von elf Millionen Euro konnte das zusammengestellte Team nicht ansatzweise die gewünschten sportlichen Ziele erreichen und geriet gar zuletzt in arge Abstiegsnöte. Erst am letzten Spieltag konnten sich die Roten mit einem zitterigen 2:1 Erfolg gegen Dufners Ex-Team SC Freiburg durchsetzen und so den Super-Gau Abstieg in die zweite Bundesliga verhindern.

Über mögliche Nachfolger wird auch schon eifrig diskutiert, so werden die Namen Andreas Rettig, Martin Bader und Oliver Kreuzer genannt. Dabei besitzt Dirk Dufner noch einen Vertrag bis zum 30.06.2016 und weder er selbst noch andere 96-Verantwortliche senden klare Signale für eine bevorstehende Trennung aus.

Keine Anzeichen für eine Entlassung, aber die Medien berichten von einem bevorstehenden Rauswurf – Wird Dirk Dufner von den Medien aus seinem Amt als Sportdirektor geschrieben? 

Obwohl es somit bisher keine Eindeutigen Indizien oder Gründe für eine Amtsenthebung Dufners gibt, schreibt Sport1 von einem bevorstehenden Rauswurf Dufners. Der Artikel auf Sport1.de bezieht sich dabei auf Aussagen Martin Kinds im NDR Sportclub zur letztjährigen Transferpolitik des Clubs. Wörtlich sagte Kind im NDR zur letzten Transferperiode: „Da ist vieles aufzuarbeiten. Dies war ein Jahr der Stagnation, und Stagnation bedeutet Rückschritt“. Gut, Kind äußert sich nachdenklich zu den letzten vorgenommen Transferaktivitäten von Hannover 96. Doch wo lässt sich in diesem Zitat ein Hinweis auf eine Kritik zu Dirk Dufner ableiten oder wo deutet sich in diesem Zitat ein möglicher Rauswurf von ihm an? Richtig, nirgendwo lässt sich hier ein Indiz zur Absetzung des aktuellen 96-Sportdirektors finden. Dennoch werden diese Äußerungen des 96-Präsidenten aus dem Kontext gerissen und dafür genutzt, um eine Beurlaubung des gelernten Juristen in der 96-Chefetage anzudeuten.

Dabei wirkt es mehr als ob Sport1 oder auch andere Medien mit ihrer negativ konnotierten Berichterstattung bezüglich der Personalie Dufner an einer durch medialen Druck aufgebauschten, tatsächlichen Entlassung Dufners arbeiten, als konkrete Fakten oder deutlichere Hinweise für eine tatsächliche Absetzung Dufners vorzubringen. Wenn die BILD in der heutigen Ausgabe von einer „öffentlichen Kampagne“ gegen Dufner schreibt, dann liegt sie mit dieser Sichtweise wohl nicht so verkehrt. Denn auch wenn Dirk Dufner bei den eigenen Fans nicht mehr sonderlich beliebt sein dürfte („Dufner raus“ – Rufe im Stadion beim Spiel gegen den SC Freiburg), seine personalpolitischen Entscheidungen durchaus kritisch zu beäugen sind und auch sein Verhältnis zu den Medien und Medienvertretern angespannt sein könnte, so ist es dennoch angebracht fair mit dem aktuellen Sportdirektor von Hannover 96 umzugehen und nicht für grundlose und vor allem fehlerhaft interpretierbare, negative Stimmung zu sorgen, um eine Entlassung durch äußeren Druck von Fans und Medien herbeizuführen. Bei aller Kritik, die man letztlich an der Arbeit Dirk Dufners äußern mag, aber einen solchen unrühmlichen und vor allem unfairen Abgang hat er nicht verdient.

Julian Baumgartlinger gibt Hannover 96 einen Korb – Wie sich eine harmlose Absage auf das kommende Transferfenster auswirken kann

Wie die BILD in der heutigen Ausgabe vermeldet hat sich der von Mainz 05 umworbene defensive Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger gegen ein Engagement bei Hannover 96 in der kommenden Saison entschieden. Der 36-fache österreichische Nationalspieler wäre ab Sommer ablösefrei zu haben, da sein aktueller Kontrakt bei den 05ern am 30.06.2015 endet. Baumgartlinger ist aktuelle Stammkraft und Leistungsträger bei Mainz 05, sodass seine ungeklärte sportliche Zukunft Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz weckt. Neben 96 sind auch nach Angaben diverser Medien Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, Besiktas Istanbul und West Ham United am 27-jährigen Österreicher interessiert. Möglicherweise werden es sogar noch viele weitere Klubs sein, welche sich mit dem Potential und der Erfahrung des aktuellen Mainzers verstärken möchten.

Dass Hannover 96 bei dieser großen Konkurrenz um Baumgartlinger das Nachsehen hat, ist absolut nachvollziehbar. Der Spieler hat zugegebenerweise bessere sportliche und womöglich finanziellere Optionen zur Auswahl, wenn man lediglich nur die oben aufgeführten Clubs mit 96 vergleicht. Baumgartlinger kann nächste Saison international spielen und bei einem Team mitwirken, welches langfristig um die oberen Plätze oder gar um Meisterschaften und weitere Titel mitspielen kann. Diese sportliche Perspektive können ihm die Roten aktuell keineswegs bieten. Immer noch stecken sie tief im Abstiegskampf, die Ligenzugehörigkeit ist noch nicht final geklärt und auch der Trainerposten der kommenden Saison ist noch unbesetzt. Zudem wird gemunkelt, dass auch Sportdirektor Dirk Dufner zum Ende der Saison ausscheiden könnte. Viele Verträge im aktuellen Team laufen aus und neue Akteure sind noch nicht verpflichtet worden. Dass sich Baumgartlinger unter dem Gesichtspunkt dieser Umstände gegen 96 entscheidet, ist somit nicht weiter verwunderlich. Im Gegenteil mag man ihm angesichts aktueller Umstände fast schon beglückwünschen, dass er sich gegen Hannover 96 entschieden hat. Welche Gründe speziell nun dazu führten, dass sich Julian Baumgartlinger gegen die Roten entschieden hat sind allerdings vollkommen uninteressant und lediglich seine persönliche Angelegenheit.

Problematisch an der ganzen „Causa Baumgartlinger und Hannover 96“ sind neben der offensichtlichen schlechten sportlichen Perspektive für potentielle Neuzugänge bei den Roten, auch die Äußerungen Dirk Dufners zum Verhandlungsstatus mit dem umworbenen Österreicher. So sagte Dufner der BILD: „Ja, es stimmt. Baumgartlinger hat uns abgesagt.“ Die öffentliche Bekanntmachung des Verhandlungsstatuses mit dem Wunschspieler in der Presse ist ein äußerst kritischer Punkt und wirkt sogar leicht unseriös. Möchte ein Spieler mit einem Verein verhandeln, welcher öffentlich den positiven oder negativen Verhandlungsstatus verbreitet? Wahrscheinlich eher nicht, da jeder Profi nun selbst die Befürchtung haben könnte, dass die sportliche Führung ähnliche Meldungen zu eigenen Verhandlungen durchsickern lassen könnte. Darüber hinaus macht 96 auch hier keine gute Figur und Werbung für die Verpflichtung von weiteren Akteuren. Es macht einen halt nicht besonders attraktiv, wenn man öffentlich verlautbart, vom Wunschkicker einen Korb für eine Verpflichtung bekommen zu haben. Warum Sportdirektor Dufner diesen Satz in der Öffentlichkeit fallen lässt, ist mir somit schleierhaft, da er dem eigenen Verein und seinen Interessen sowie den Vorstellungen des potentiellen Neuzugangs zuwider laufen. Ferner nötigte die Aussage Dufners zum Verhandlungsstatus mit Julian Baumgartlinger, dass die Pressevertreter beim Österreicher nachfragten, warum ein Wechsel zu 96 kein Thema sei und er diesbezüglich Hannover 96 sprichwörtlich einen Korb gegeben hat.  „Ich habe vorher nichts zu Hannover gesagt und sage auch jetzt nichts“, entgegnete der Mainzer. Der Satz Dufners zum Verhandlungsstatus mit Baumgartlinger ist also auch an dieser Stelle ein wunder Punkt, da der Österreicher dank des Kommentars vom 96-Sportdirektor zu den BILD-Redakteuren sich nun öffentlich rechtfertigen muss, mit welchem Verein er über ein Arbeitspapier verhandelt oder warum er sich für oder gegen einen Verein entscheidet. Dies erzeugt einen unseriösen Eindruck des Vereins und seiner Verantwortlichen auf den Profi selbst, welcher ja auch bei seinen Verhandlungen eine gewisse Diskretion und das Vertrauen der Verantwortlichen erwartet. Wer möchte nun mit dem Sportdirektor von Hannover 96 verhandeln, wenn er sich ausgerechnet nach einer Absage beim Verein nun vor laufenden Pressekameras oder Diktiergeräten dafür rechtfertigen muss? Auf keinen Verhandlungspartner wirken solche öffentlichen Statements vertraulich. Im Gegenteil, wird dieser Spieler oder ein Kollege eher davon absehen, eine Verhandlung mit 96 einzugehen. Negative Erfahrungen sprechen sich ja bekanntlich schnell herum, was ja auch Unternehmen im Zusammenhang mit schlechtem Service oder Fehlleistungen ihrer Produkte aktuell im Zeitalter des Internets leidvoll erfahren müssen.

Somit laufen den Roten die Spieler bei Verhandlungen nicht nur aufgrund der schwierigen sportlichen und ungeklärten personellen Situation vom Verhandlungstisch, sondern möglicherweise auch aufgrund von solchen öffentlich gemachten Ergebnissen von Vertragsverhandlungen. Eine schwierige Situation, da dieses Negativbeispiel dafür sorgen könnte, dass einige potentielle Neuzugänge keine Lust oder kein Vertrauen mehr haben mit 96 um Verträge zu verhandeln.

Kann er, darf er oder muss er sogar spielen? – Das Mysterium um den italienischen Pass bei Felipe

Das Mysterium um den italienischen Pass – hat er ihn oder hat er ihn nicht? Das ist seit Montag die Frage, als Trainer Tayfun Korkut sich entschloß Felipe bis auf weiteres zum Trainingsbetrieb der zweiten Mannschaft zu schicken.

Das Dokument ist entscheidend dafür, ob Felipe auch Pflichtspiele für die U23 der Roten bestreiten kann. Nur EU-Bürger dürfen laut DFB-Satzung in der Regionalliga eingesetzt werden. Der mögliche Besitz des italienischen Passes wird also zum wichtigen Kriterium für weitere Spielpraxis und darüber hinaus auch für die Möglichkeit sich für 96 oder andere Vereine langfristig zu empfehlen.

Im Transfermarkt.de Profil von Felipe wird unter dem Punkt Nationalität die brasilianische und die italienische Staatsbürgerschaft aufgeführt. Bei Hannover 96 weiss man allerdings nichts von einem italienischen Pass. Dieser liegt der Vereinsführung angeblich nicht vor, wodurch eine Anmeldung für den Spielbetrieb beim Niedersächsischen Fußballverband nicht möglich ist. Auf Anfrage von NP Redakteur Andreas Willeke in der gestrigen Pressekonferenz antwortete Sportdirektor Dirk Dufner: „“Wir haben den Pass nicht vorliegen“. „Wir können ihn nicht spielberechtigt machen “ (Zitat Dufner ab Minute 14:58).

In der BILD Ausgabe von Gestern kommt Felipes Berater Thomas Solomon zu Wort, welcher nochmal bekräftigt das der brasilianische Profi auch einen italienischen Pass besitzt. Dabei wundert er sich, das Hannover 96 selbst keine Kenntnis davon hat, obwohl Sie ihn ja verpflichtet haben. Generell gibt Solomon der BILD zu verstehen, dass er nächste Woche nach Hannover kommen will, um den Vorfall mit seinem Klienten Felipe zu besprechen. Selbst eine Klage gegen die Versetzung in die U23 sei demnach nicht mehr auszuschließen.

In der heutigen BILD Ausgabe bemühen sich die BILD Redakteure Lars Beinke und Tobias Manzke Licht in das Mysterium um den italienischen Pass von Felipe zu bringen. Nach ihrer Recherche besitzt Felipe zwar einen italienischen Pass, dieser sei aber abgelaufen und damit ungültig. Dies sei auch der Grund, warum 96 ein Visum für den Verteidiger für das Wintertrainingslager in der Türkei beantragen musste.

Eine Anmeldung beim NFV ist erst durch einen erneuerten italienischen Pass möglich. Diesen muss Felipe oder sein Berater zunächst beantragen. Bis dahin wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen, sodass nicht mehr mit vielen Einsätzen bei Hannover II zu rechnen ist.

Ja, er dürfte also auch generell in der zweiten Mannschaft auflaufen. Kann dies momentan aufgrund der Passproblematik aber nicht tun. Und ob er überhaupt spielen soll oder vielleicht sogar muss, bleibt wiederum eine andere ungeklärte Frage.