Was macht eigentlich…? – Jimmy Briand

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Der 30-jährige französische Stürmer Jimmy Briand verließ die Roten bekanntermaßen zum Ende der letzten Saison, nachdem sein Einjahresvertrag zum 30.06.2015 auslief. Briand wollte unbedingt wieder in seine französische Heimat zurückkehren, um wieder näher an seiner Familie zu sein. Deswegen wechselte der fünfmalige französische Nationalspieler von Hannover 96 in die Bretagne zum EA Guingamp, obwohl sich Ex-96-Sportdirektor Dirk Dufner intensiv mit einem Millionenvertrag um Briand bemühte.


Bei den Roten oft kritisiert und ausgepfiffen – In Frankreich ein Mann für Traumtore

Dass sich Briand gegen ein weiteres Engagement bei 96 entschied, war in den Augen mancher Fans nicht so tragisch, da die ehemalige Nummer 21 unter Zuschauern oft kritisch beäugt und teilweise sogar ausgepfiffen wurde. Dies lag insbesondere an seinen eher unglücklichen Auftritten unter Trainer Tayfun Korkut, welcher Briand regelmäßig auf der rechten Außenbahn einsetzte. Auf dieser Position konnte der damalige Neuzugang von Olimpique Lyon nie richtig glänzen und wurde eben für seine misslungenen Flanken und Torschüsse von den heimischen Zuschauern ausgepfiffen und für nicht bundesligatauglich befunden.

Erst unter Michael Frontzeck spielte Briand auf seiner gewohnten Position im Sturmzentrum, wo er einen deutlich engagierteren und effektiveren Eindruck hinterließ. Nicht nur das, Briand erwies sich zum Ende der letzten Saison als wichtige Stütze gegen den Abstieg. Er erzielte am 31. Spieltag den wichtigen 1:2 Anschlusstreffer beim späteren 2:2 in Wolfsburg und bereitete in den letzten drei entscheidenden Spielen alle vier Tore vor! Damit verließ der Franzose Hannover 96 mit einer Bilanz von 29 Spielen, drei Toren und acht Torvorlagen.

Bei seinem neuen Arbeitgeber EA Guingamp erweist sich der Mann aus Vitry-sur-Seine als absoluter Glücksgriff! Briand erzielte in elf Ligue 1 Partien bisher drei Tore und bereitete drei weitere vor. Und was für Treffer es waren!


Das erste Marke Klaus Fischer zum 2:1 gegen GFC Ajaccio und das zweite im Stile von Szabolcs Huszti – wie einst gegen Werder Bremen – per Seitfallzieher zum 1:0 gegen den FC Lorient.

Briand hat scheinbar sein Glück in seiner Heimat wiedergefunden. Ihm dafür weiterhin alles Gute. Traurigerweise hätte 96 einen solchen treffsicheren und engagierten Mittelstürmer aktuell gut gebrauchen können…

Danke, Jan Schlaudraff!

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18.08.2011 – Ein schöner, warmer Sommertag im August, 18-24 °c klar. Der DAX im Sturzflug. Papst Benedikt XVI spendet an diesem Tag seinen Segen in der spanischen Hauptstadt Madrid. Der ehemalige Bahnchef Hartmut Mehdorn übernimmt bei der kriselnden Fluggesellschaft Air Berlin das Zepter. Und Hannover 96 trifft am Abend in der noch damaligen AWD-Arena im Play-off Hinspiel der Uefa Europa League auf den Sieger dieses Wettbewerbs der Jahre 2006 und 2007, den hochfavorisierten Südspaniern vom FC Sevilla.

Das Stadion ist schon seit Wochen mit der Mindestkapazität von 44.000 Zuschauern für europäische Spiele restlos ausverkauft. Wenig verwunderlich, da Hannover 96 nach 19 Jahren wieder auf die internationale Bühne zurückkehrt. Es ist ein großer und unvergesslicher Abend für die Stadt Hannover, die Fans und die Mannschaft von Hannover 96. Aber es ist auch der große Abend von Jan Schlaudraff im Dress der Roten.

Der damals 28-jährige Schlaudraff drückt dieser unvergesslichen Partie ganz besonders seinen Stempel auf. Begleitet von einer euphorischen und nie mehr getoppten Stimmung im liebevoll genannten Niedersachsenstadion gelingt der Nummer 13 bereits in der sechsten Minute der Führungstreffer. Eingeleitet durch einen langen Ball von Sergio Pinto aus der eigenen Hälfte auf jenen Schlaudraff, wird das lange Anspiel vom späteren Leverkusener und heutigen Hamburger Emir Spahic nur unzureichend geklärt. Der mitgelaufende Mohammed Abdellaoue kommt an den Ball, reagiert schnell und leitet das Spielgerät sofort in den Lauf des in den Strafraum stürmenden Schlaudraff weiter, der freistehend und unglaublich abgezockt per linken Außenrist in die kurze Ecke zum 1:0 verwandelt. Das Stadion gleicht einem Tollhaus und ist kurz vorm Abheben in eine neue Hemisphäre!

Nach dem zwischenzeitlichen 1:1 in der 37. Minute durch Frédéric Kanouté, folgte kurz vor dem Pausentee der zweite Geniestreich von „Schlauffi“. Wieder ist es der unermüdliche Pinto, der mit einem kurzen Pass den energischen Antritt von Jan Schlaudraff an der linken Außenbahn einleitet. Im Duo mit Manuel Schmiedebach spielen diese im Hauch weniger Sekunden Katz & Maus mit der Defensive der Südspanier. Schlaudraff auf Schmiedebach, der in gekonnter Doppelpassmanier gleich weiter gesteckt auf den in den Strafraum eindringenden Initiator, welcher erneut gekonnt den Ball direkt Volley mit dem rechten Außenrist ins lange Eck bugsiert. Ein Wahnsinnstreffer! Unglaublich und enorm wichtig zur 2:1 Führung zur Pause und dem schließlichen Endergebnis im Hinspiel.

Ein großer Europapokal Abend in Hannover findet einen traumhaften Abschluss und der Meilenstein für eine sensationelle Saison in der Europa League war gelegt. Vor allem eben durch den Zeremonienmeister dieses Abends: Jan Schlaudraff oder wie ZDF-Kommentator Thomas Wark an diesem Abend treffend nach seinem zweiten Führungstor titelte: „Nie war Schlaudraff so wertvoll“


Der Wechsel zu Hannover 96 und seine Spielstationen davor

Zum 01.07.2008 unterschrieb Jan Schlaudraff einen Dreijahresvertrag bei Hannover 96. Er wechselte für eine kolportierte Ablösesumme von 2,00 Mio. € vom FC Bayern München zu den Roten. Beim Rekordmeister durchlebte er zuvor ein schwieriges Jahr, welches durch Verletzungen und sehr starker Konkurrenz im Kader gekennzeichnet gewesen ist. Aufgrund der desaströsen Saison der Münchener und dem vierten Platz in der Liga, wurde der Kader mit millionenschweren Zukäufen wie Luca Toni, Miroslav Klose und Franck Ribery verstärkt. Dabei konnte der frisch gebackene Nationalspieler bei seinem Wechsel zu den Münchnern noch nicht mit dieser fast schon unüberwindbaren Konkurrenzsituation rechnen, da diese Spieler zum Stichtag seiner Vertragsunterschrift noch nicht an den FC Bayern gebunden waren. Er wiederum entschied sich seinerseits schon im Januar 2007 zu einem Wechsel zum Rekordmeister aus der bayerischen Landeshauptstadt.

Dies brachte ihm zeitgleich großen Ärger bei seinem damaligen Arbeitgeber Alemannia Aachen ein, wo Schlaudraff danach zunehmend nicht mehr von Coach Michael Frontzeck berücksichtigt wurde und schlußendlich gar mit seinem Mannschaftskollegen Sascha Dum für die verbleibenden drei Bundesligapartien der Aachener mangels sportlicher Einstellung suspendiert wurde. Ein unrühmlicher Abgang für das aufstrebende Fußballtalent, welches zeitgleich im Abstieg der Aachener mündete. Dabei machte der gebürtige Jungprofi aus Waldbröl ganz besonders in Aachen auf sich aufmerksam. Hier gelang ihm der sportliche Durchbruch und führte erst zum Interesse der Bayern, welche er am 20.12.2006 kurz vor Weihnachten höchst persönlich aus dem DFB-Pokal beförderte. Neben einer grandiosen Leistung im Match gegen die Bayern, setzte er in der 90. Minute den Schlussakkord der Pokalsensation auf dem Tivoli und markierte nach einem Traumsolo das 4:2 Endergebnis.


Schon bereits in ähnlicher Manier ärgerte er am 18.11.2006 die Hintermannschaft des SV Werder Bremen. Mit einem schnellen und entschlossenen Dribbling tanzte er die Defensivreihen der Bremer wie Slalomstangen aus, um dann Keeper Tim Wiese mit einem gefühlvollen Lupfer zu überwinden! Ein Tor so schön, dass es selbst den spanischen TV-Kommentator von GolTV aus den sitzen reißt und der ARD Sportschau eine Auszeichnung zum Tor des Monats November 2006 Wert war.

Sein allererstes Bundesligator erzielte Schlaudraff aber ausgerechnet gegen seinen späteren langjährigen Arbeitgeber Hannover 96. Beim schmerzhaften 0:3 der Roten am 3. Spieltag gegen Alemania Aachen markierte „Schlauffi“ das 0:1 Führungstor in der 15. Minute. Die dritte Niederlage der 96iger in Folge bedeutete zeitgleich das Aus für Trainer Peter Neururer, welcher paradoxerweise nur wenige Tage später durch den Aachener Coach Dieter Hecking ersetzt wurde.

Wo Schlaudraff in Aachen in der Saison 2006/2007 noch auf eine gute Bilanz von 28 Spielen und acht Toren sowie drei A-Länderspielen zurückblicken kann, reichte es bei den Münchern lediglich zu acht Ligaeinsätzen und keinem Treffer. Doch auch wenn ihm im Rückblick sein kurzzeitiger, sportlicher Aufenthalt in München nicht so gut Erinnerung bleiben dürfte, so kann Schlaudraff dennoch sehr stolz darauf zurückblicken es überhaupt zum Rekordmeister geschafft zu haben. Eine Ehre, welche ja nicht jedem Fußballprofi zu Teil wird und darüber hinaus auch zu nachweisbaren sportlichen Erfolgen führte. So kann sich Jan immerhin Deutscher Meister und Ligapokalsieger nennen.


2008 – 2010 – Antritt bei 96 und das schier unüberwindbare Verletzungspech

Am 30.06.2008 bat Hannover 96 zum Trainingsbeginn für die anstehende Spielzeit 2008/2009. Dies war zugleich auch der erste Arbeitstag für Jan Schlaudraff bei den Roten. Mit weiteren Verpflichtungen von Mario Eggimann, Mikael Forssell, Florian Fromlowitz und dem bereits im Winter eingekauften Leon Andreasen wurden zusammen mit Schlaudraff hohe Erwartungen an die neu zusammengestellte Mannschaft gestellt. Ziel sollten die oberen Tabellenplätze der Bundesliga und möglichst eine Platzierung für einen internationalen Wettbewerb sein. Die neu entfachte Euphorie bei den 96-Fans äußerte sich gleich beim Trainingsstart, welcher von 400 Zuschauern besucht wurde. Star des Tages und von allen Fans umrankt war natürlich der spektakuläre Neuzugang vom FC Bayern.

Dieser sah seinen Wechsel von der Isar an die Leine übrigens nicht als sportlichen Rückschritt oder Karriere-Knick:

„Für mich ist es sportlich ein Schritt nach vorne!“ „Hier kann ich viel spielen. Ich hoffe, dass ich gesund bleibe. Logisch hat Hannover nicht den Stellenwert wie Bayern. Aber Bayern ist vorbei, jetzt beginnt eine neue Zeit. Ich will die bestmögliche Leistung zeigen, dann werden wir sehen, was am Ende dabei rauskommt.“

Auch meine Person äußerte sich gegenüber Heiko Niederer und der Bildzeitung sehr euphorisch über die Verpflichtung von Schlaudraff: „Ich freue mich am meisten auf Jan Schlaudraff. Er ist technisch sehr versiert, hat gute Chancen, mehr als 10 Tore zu schießen.“ Naja ok, diese Einschätzung war letztlich dann doch etwas arg übertrieben.

Auf seinen ersten Geniestreich im Dress der Roten mussten wir dann aber doch bis zum 5. Spieltag warten. Zuerst markierte Schlaudraff das 2.0 gegen die Gladbacher Borussia, bevor dann seine einzigartige Klasse in der 67. Minute aufblitzen ließ. Mit einem phänomenalen Sololauf erzielte er denn sehenswerten 4:1 Treffer beim 5:1 Heimsieg von Hannover 96.

Das technisch einmalig umgesetzte Tor und die starke Leistung von Schlaudraff an diesem Sonntagnachmittag machte Appetit auf mehr. In den darauffolgenden neun Partien erzielte er drei weitere Tore und legte eines vor, bevor ihn Ende November 2008 Probleme an der Leiste vor weiteren Einsätzen im 96-Dress stoppten. Diese begleiteten ihn fortan die gesamte erste Saison bei Hannover 96, wodurch er nur noch zu sieben Kurzeinsätzen und zwei mal vollen 90. Minuten auflaufen konnte.

Unglücklicherweise setzte sich das Verletzungspech in der zweiten Saison bei 96 nahtlos fort. Erst am 05.12.2009 konnte er in der 77. Minute nach Einwechslung für Jiri Stajner sein Saisondebüt in der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen geben.

Beim spiel- und temperaturtechnischen Horrorkick gegen den VFL Bochum am 17. Spieltag erzielte er im Doppelpack seine einzigen zwei Saisontreffer. Dennoch reichte die durch Schlaudraff hergestellte 2:0 Führung nach 34. Minuten nicht aus, um das Spiel für sich zu entscheiden. Mit 2:3 drehten die Bochumer das Match in der zweiten Halbzeit.

Die von Andreas Bergmann trainierte und durch den Freitod von Robert Enke gezeichnete Mannschaft geriet tief in den Abstiegskampf hinein. Letztlich gelang ihr bekannterweise unter Mirko Slomka den Abstieg am 34. Spieltag zu verhindern. Mit einem euphorischen 3:0 in Bochum, begleitet von 11.000 Fans, schaffte die Mannschaft im letzten Moment noch die sportliche Wende, nach einer in jeder Beziehung ganz schlimmen Spielzeit. Schlaudraff wirkte bei diesen entscheidenden Partien am Schluss der Saison nicht mit.


2010/2011 – Ausmusterung durch Martin Kind und die sportliche Wiederauferstehung gegen den SC Freiburg 

„Die Entscheidung steht, Schlaudraff spielt nie mehr für uns. Er hatte seine Chance, es hat keinen Sinn“, sagte Hannovers Boss Martin Kind gegenüber der Bild-Zeitung.

Jan Schlaudraff sollte sich einen neuen Verein suchen oder notfalls seinen Vertrag in Hannover aussitzen. Er wurde zum Sündenbock für seine zuletzt schlechten Leistungen und vor allem dem desaströsen Auftreten der gesamten Mannschaft beim peinlichen Pokalaus in Elversberg degradiert.

http://video.sport1.de/video/schlaudraff-auf-abstellgleis__0_4mcjyain

Trotz öffentlicher Ausmusterung durch den Präsidenten berücksichtigte Trainer Mirko Slomka ihn dennoch, so kam die Nummer 13 immerhin per Einwechslung gegen die Bayern am achten Spieltag zu seinem ersten Einsatz in der Saison 2010/11. Ändern sollte dieser kleine Hoffnungsschimmer allerdings zunächst wenig. Gegen Hoffenheim, Köln und Dortmund folgten keine weiteren Einsätze. Gegen den BVB war Jan nicht mal mehr im Kader. Umso erstaunter blickten viele drein, als Schlaudraff überaschenderweise am zwölfen Spieltag beim Topspiel gegen den FSV Mainz 05 in der Startelf steht. Fortan war Schlaudraff wieder ein festes Mitglied der ersten Elf und sollte alsbald aus dieser nicht mehr weg zu denken sein.

Wie Phoenix aus der Asche – Die sportliche Wiedergeburt gegen den SC Freiburg

Nachdem er in Mainz und beim Heimspiel gegen den Hamburger SV wieder in der ersten Elf stand und beide Male eine durchaus ordentliche Partie lieferte, gelang ihm aber die sprichwörtlich sportliche Wiedergeburt bei Hannover 96 am 14. Spieltag beim Heimspiel gegen den SC Freiburg. Hier erzielte er nicht nur den wichtigen Führungstreffer und sein erster Tor nach fast einem Jahr, sondern leitete auch geschickt und in technisch hochwertiger Manier das 2:0 durch Didier Ya Konan ein.

Eine Eins mit Sternchen verdiente sich Jan beim Heimspiel gegen den 1.FC Kaiserslautern am 23. Spieltag. Bei dieser Partie steuerte er selbst zwei Treffer beim souveränen 3:0 Erfolg gegen die Roten Teufel bei. Vor allem sein Schlenzer zum 3:0 Endstand war wieder mal ein äußerst sehenswerter Treffer Marke Schlaudraff.


Das Tor nach Europa! – Jan Schlaudraff und Hannover 96 machen die Qualifikation zur Euro League perfekt!

Der Name Jan Schlaudraff wird im Zusammenhang mit Hannover 96 natürlich immer mit der sensationellen Europapokalnacht gegen den FC Sevilla in Erinnerung bleiben. Doch das es überhaupt hierzu kommen konnte und Schlaudraff sich in dieser Partie nahezu unvergesslich machen konnte, liegt ebenfalls an seiner und der mannschaftlichen Glanzleistung bei der Auswärtspartie am 31. Spieltag in Freiburg.

Am Gründonnerstag machte Hannover 96 sich selbst ein vorzeitiges Ostergescheck und qualifizierte sich mit dem 3:1 Sieg für die Uefa Europa League. Dabei war erneut Schlaudraff der Mann für die entscheidenden Aktionen auf dem Platz. Zuerst schickte er in der 24. Minute Mohammed Abdellaoue mit einem starken Pass in den Lauf zur 0:1 Führung bei den Breisgauern, bevor er selbst in der 31. Minute durch ausgerechnet Altin Lala erfolgreich in Szene gesetzt wurde. Schlaufi umkurvte Torhüter Oliver Baumann und erzielte das vorentscheidende 0:2. Europa wir kommen! Und wie!


2011/2012 – Die Saison seines Lebens und Niedersachsens Fußballer des Jahres 2012!

Das Jahr 2011 geht angesichts der sportlichen Erfolge mit Sicherheit in die Historie von Hannover 96 ein. Aber nicht nur die Alte Liebe erlebte eine einzigartige und unvergessliche Spielzeit, sondern auch die Nummer 13 spielte in dieser Runde eine überragende, wenn nicht seine beste Saison überhaupt. Bereits zehn Tage vor seinem großen Abend gegen den FC Sevilla, erwies sich Schlaudraff als Schlaufuchs und vollendete erneut genial zum Verdutzen aller Hoffenheimer einen direkten Freistoß beim 2:1 Sieg der Roten gegen die TSG Hoffenheim am ersten Spieltag.


Von wegen Auswärts in Kopenhagen! – Heimspiel im Telia Parken!

Mit 12.000 Zuschauern in Kopenhagen im Nacken glich die Partie gegen den dänischen Meister in der Europa League eher einem Heim- als einem Auswärtsspiel. Unter dieser phänomenalen Kulisse im Telia Parken wurden die Roten trotz souveräner Spielweise in der 67. Minute kalt erwischt. Dame N’Doye verwertete eine zu kurz abgewehrte Ecke von links und sorgte damit für die Führung der Gastgeber. Doch exakt in dieser Situation wurde einmal mehr der hohe Stellenwert und die Genialität eines Jan Schlaudraff bewusst. Nur vier Minuten später erzielte Schlauffi per Linksschuss den ganz wichtigen Ausgleich und legte damit den ersten Schritt für die unvergessliche Europapokalnacht in der dänischen Hauptstadt. Allseits bekannt und der Vollständigkeit halber, brachte Lars Stindl mit einem absoluten Traumtor per Weitschuss in der 74. Minute das Telefon in Europa zum schellen.

http://www.myvideo.de/watch/8329297/Kopenhagen_Hannover_1_1_Schlaudraff


Mit der Auszeichnung zum Tor des Monats durfte sich Jan Schlaudraff nach seinem traumhaften Solo gegen Werder Bremen im November 2006 bereits einmal schmücken. Doch scheinbar hat es ihm der November als Monat zu erzielen von traumhaften Toren irgendwie angetan. Am 14. Spieltag beim Sky-Topspiel des Tages gegen den Hamburger SV erzielte er den 1:1 Ausgleich in der 79. Minute. Sergio Pinto flankte die herausgespielte Ecke direkt auf den knapp vor dem Sechszehnmeterraum frei stehenden Schlaudraff, welcher den Ball direkt Volley verwertete! Ein absolutes Traumtor! Hier passte alles! Optimales Timing bei der Verwertung des Balles, passende Schussstärke und technisch absolut sauber ausgeführt! Keine Chance für Jaroslav Drobny diesen Ball zu entschärfen. Zurecht das Tor des Monats im November 2011. Unbedingt anschauen! Wieder und immer wieder!


Legendär und unvergessen – wie nahezu alle Europapokalnächte – ist natürlich auch der rotzfreche Schipelfmeter zum 2:1 gegen den FC Brügge. Frei nach dem Namensgeber Panenka setzte Schlaudraff mit viel Risiko, aber auch der nötigen Übersicht den Ball per Lupfer in die Mitte des Tores. Absolut cool vollendet vom Kapitän, welcher an diesem Tag übrigens sein erstes Spiel als Mannschaftskapitän von Hannover 96 bestritt.


Kurz vor der Sommerpause und dem Abschluss einer phänomenalen Saison wurde Jan verdienterweise zu Niedersachsens Fußballer des Jahres 2012 gekürt. Ein Preis, welcher die einmalige Saison von Schlaudraff würdigt und seinen hohen Stellenwert bei Hannover 96 in der Saison 2011/2012 unterstreicht.


2012/13 – Schlaudraff stürmt zum zweiten Mal in Folge mit 96 Richtung Europa League

Als Stammspieler absolviert Jan Schlaudraff in der Saison 2012/13 30 von 34 möglichen Partien in der Bundesliga und hilft dabei den Erfolg der Roten mit dem erneuten Einzug in die Europa League zu bestätigen. Platz sieben in der Bundesliga reicht am Ende aus, um sich für die Qualifikationsrunde der Europa League zu qualifizieren.

Die herausragende Partie von Schlauffi war dabei der 2:4 Auswärtssieg am 11. Spieltag in Stuttgart, wo der nach der Pause eingewechselte Schlaudraff die Wende im Spiel der 96iger einbrachte. Mit neuem Schwung dank der Nummer 13 erzielten die Roten vier Treffer im zweiten Durchgang und drehten somit ein 0:2 zur Pause in einen Auswärtserfolg um. Schlaudraff selbst erzielte den Ausgleichstreffer per Handelfmeter in der 65. Minute.


2013/2014 – Vermehrte Kurzeinsätze und sein letztes Pflichspieltor für Hannover 96

Durch die Verpflichtungen von Edgar Prib und Leonardo Bittencourt zur Saison 2013/2014 wurde die Konkurrenz auf den Außenbahnpositionen und in der Offensive mit neueren und jüngeren Akteuren erhöht. Dementsprechend wurde es auch für Jan Schlaudraff schwieriger seinen Stammplatz in der ersten Elf zu verteidigen. Folglich musste Jan zunehmend einen Platz auf der Reservebank einnehmen und wurde größtenteils nur noch in den Schlussminuten der Bundesligapartien eingesetzt.

Dadurch gelang ihm in seinen 21 Partien nur noch ein Treffer, welcher auch der letzte für Hannover 96 sein sollte. Beim 0:3 Auswärtssieg bei der Hertha aus Berlin markierte Schlauffi das 0:2 in der 57. Minute. Wieder einmal ein typisches Schlaudraff-Tor, da er hier seine ganze Abgezocktheit vor der Kiste demonstrierte und nach einem eingeleiteten Konter und gut getimeten Anspiel von Leonardo Bittencourt die Ruhe bewahrte, Thomas Kraft vor dem Tor umkurvte und locker per linksschuß zum vorentscheidenden Treffer einnetzte.


2014/15 – Schlaudraff spielt keine Rolle mehr in der Planung von Trainer Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner

In seiner letzten Saison für die Roten hat die Nummer 13 leider keine große Rolle mehr unter Trainer Tayfun Korkut gespielt. Schlaudraff kam nur noch zu 62 Spielminuten innerhalb von fünf Kurzeinsätzen in der Bundesliga und zwei weiteren Auftritten im DFB-Pokal.

Trotz dieser eher unbefriedigenden Bilanz im letzten Jahr bei 96 war Jan dennoch nicht verbittert oder frustiert über seine Situation bei den Roten. So erzählte er im Sport Bild Interview, dass ihm Tayfun Korkut und Sportdirektor Dirk Dufner bereits vor Beginn der Saison in einem Gespräch signalisiert haben, dass er unter den aktuellen Voraussetzungen des Kaders nicht mehr viele Partien für 96 spielen wird. Schlaudraff entschied sich dennoch bei 96 zu bleiben und sich so oft wie möglich dem Trainer für weitere Einsätze zu empfehlen. Ein Vereinswechsel stand eher nicht zur Debate, da sich Jan bereits mit dem Bau eines Hauses ein Standbein in der schönsten Stadt der Welt geschaffen hat.

In der Winterpause tauchten dennoch Gerüchte in der Presselanschaft auf, dass ein Vereinswechsel aufgrund der zuletzt nicht vorhandenen sportlichen Perspektive erfolgen könnte. Immer wieder wurde dabei auch der 1.FC Köln als potentieller neuer Arbeitgeber genannt, bei dem Ex-96 Sportdirektor Jörg Schmadtke die sportlichen Fäden zieht und dem eine gute Beziehung zu Jan nachgesagt wird. Doch diese und andere Vermutungen in den Medien erwiesen sich als klassische Enten, sodass Jan auch in der Rückrunde die Schuhe für Hannover 96 schnürte. Allerdings signalisierte die Vereinsführung der Nummer 13 früh, dass sein zum 30.06.2015 auslaufender Kontrakt nicht verlängert wird. Schlaudraff müsse sich somit spätestens zum 01.07.2015 um einen neuen Arbeitgeber kümmern.

Mögliche Optionen für seine Zeit nach dem Engagement bei Hannover 96 nannte Jan häufig in Interviews mit verschiedenen Presseerzeugnissen. So könne er sich eine Zukunft bei einem Verein in der zweiten Liga, im Ausland oder aber als Trainer oder Manager vorstellen. Insbesondere die Türkei schien als Auslandsoption durchaus interessant für den 31-jährigen zu sein, sodass er seinen Berater dazu veranlasste mögliche Perspektiven in der Super Lig auszuloten. Doch mit der Schwangerschaft seiner Freundin Ricarda hat sich ein Abenteuer im Fußballausland wohl zunächst einmal erledigt. Sowieso plante Schlaudraff nur eine Station ein, wo er sich der englischen Sprache bedienen könnte. Nach China würde er wie seinerseits Szabolcs Huszti aufgrund der Sprachbarriere eher nicht wechseln wollen.

Verbleibt die Zweite Liga als denkbar interessante Alternative. Etwa einen Monat vor Ablauf des Vertrags bei den Roten wurde beim VFL Bochum gemunkelt, dass Schlaudraff eine gute Alternative zum Ex-96er Mikael Forrsell wäre, welcher bis heute trotz Wunsch des VFL seinen Vertrag noch nicht verlängert hat. Hierbei wurde auch Ex-96 Sportdirektor Christian Hochstätter als mögliche Verknüpfung für einen Transfer genannt. Bis heute ist es allerdings beim bloßen Namedropping von Schlaudraff in Bochum geblieben. Auch Sensationsaufsteiger SV Darmstadt wurde über die Bildzeitung in Verbindung mit ihm gebracht. Darmstadts Trainer Dirk Schuster dementierte das angebliche Interesse aber nur einen Tag später: „Den haben wir nicht auf unserem Zettel.“ 

Dabei setzt sich Jan auch nicht besonders unter Druck und erklärt, dass es eben doch unbedingt passen müsse und nicht jeder Verein in Frage kommt. Somit ist auch ein Karriereende mit erst 31 Jahren durchaus möglich. Er möchte allerdings dem Fußball verbunden bleiben in Position als zukünftiger Trainer oder Manager. Entsprechenden Rat für diese Karrierepfade holt er sich von Ex-96 Manager Jörg Schmadtke und Ex-96 Trainer Dieter Hecking ein. Auch eine Zukunft bei Hannover 96 im Management oder Trainerbereich ist somit durchaus denkbar. Und Martin Kind betonte auch stets in Interviews, dass eine solche Einbindung von Jan in den Verein überlegt werde.


Auf und neben dem Platz ein absolutes Vorbild! – Jan Schlaudraff engagiert sich für die MHH – Kids Arena

Doch nicht nur auf dem Platz war Jan Schlaudraff ein absolutes Vorbild und ein herausragender Sportsmann, sondern auch neben dem grünen Geläuf engagiert sich der Fußballprofi für diverse soziale Projekte. Zuletzt besuchte Schlaudraff die MHH-Kids Arena in Hannover-Bucholz und schrieb dort fleissig Autogramme, beantwortete in aller Ausführlichkeit die Fragen der Kids und lieferte sich zudem auch spannende Kickerpartien mit den Kleinen.

Bereits im Septmeber 2012 engagierte sich auch Schlaudraff mit Lars Stindl bei der Aktion „Vereint für Hannover“ für die Bothfelder Schule, indem beide Spieler den neu errichteten Bolzplatz der Schule einweihten. Natürlich ließen sich beide Profis diese Gelegenheit nicht nehmen, um ein Match mit den Schülern auf dem neuen Court durchzuführen.


Danke Jan Schlaudraff und weiterhin alles Gute auf deinem weiteren Lebensweg!

Seit 01.07.2015 ist unsere ehemalige Nummer 13 jetzt Vereinslos und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Zum Abschied dankte er in einem selbst verfassten Brief den Fans von Hannover 96 für die sieben aufregenden und niemals langweiligen Jahre.

Und auch wir möchten uns abschließend bei Jan Schlaudraff recht herzlich bedanken für sein Engagement bei Hannover 96, sowohl auf und neben dem Platz:

  • Danke, Jan Schlaudraff für die tolle Europapokalnacht gegen den FC Sevilla und alle weiteren Europokalabenteuer mit dir und der Mannschaft!
  • Danke, Jan Schlaudraff für die vielen sehenswerten und größtenteils sehr wichtigen Treffer gegen Gladbach, Freiburg, Hoffenheim und den Hamburger SV.
  • Danke, Jan Schlaudraff für dein soziales Engagement bei der MHH Kids Arena an der Medizinischen Hochschule Hannover und bei der gemeinsamen Einweihung des wieder hergerichteten Bolzplatzes der Bothfelder Schule mit Lars Stindl.
  • Und danke Jan Schlaudraff, dass du ein Teil unserer Mannschaft warst und deine Zeit mit uns in Hannover verbracht  hast.

Hierfür möchten wir dir danken und wünschen dir weiterhin alles Gute für deinen weiteren sportlichen und privaten Lebensweg, egal ob als Profifußballer oder Offizieller außerhalb des Platzes.

Und wer weiss, vielleicht kreuzen sich die Wege von dir und 96 erneut, wenn du in einer Trainer- oder Managementposition bei den Roten landen solltest. Wir würden uns definitiv jederzeit über ein weiteres Engagement von dir bei Hannover 96 freuen.

Rauswurf ohne erkennbare Gründe? – Wird Dirk Dufner von den Medien aus seinem Amt als Sportdirektor geschrieben?

Bereits seit mehreren Wochen wird in vielen regionalen und überregionalen Medien über ein ausscheiden Dirk Dufners aus seinem Amt als Sportdirektor von Hannover 96 spekuliert. Der 47-jährige Fußball-Funktionär muss laut übereinstimmenden Medienberichten seinen Posten zum Abschluss der Saison räumen, da ihm eine schwache Transferpolitik vorgeworfen wird. Trotz der Rekordinvestitionen von elf Millionen Euro konnte das zusammengestellte Team nicht ansatzweise die gewünschten sportlichen Ziele erreichen und geriet gar zuletzt in arge Abstiegsnöte. Erst am letzten Spieltag konnten sich die Roten mit einem zitterigen 2:1 Erfolg gegen Dufners Ex-Team SC Freiburg durchsetzen und so den Super-Gau Abstieg in die zweite Bundesliga verhindern.

Über mögliche Nachfolger wird auch schon eifrig diskutiert, so werden die Namen Andreas Rettig, Martin Bader und Oliver Kreuzer genannt. Dabei besitzt Dirk Dufner noch einen Vertrag bis zum 30.06.2016 und weder er selbst noch andere 96-Verantwortliche senden klare Signale für eine bevorstehende Trennung aus.

Keine Anzeichen für eine Entlassung, aber die Medien berichten von einem bevorstehenden Rauswurf – Wird Dirk Dufner von den Medien aus seinem Amt als Sportdirektor geschrieben? 

Obwohl es somit bisher keine Eindeutigen Indizien oder Gründe für eine Amtsenthebung Dufners gibt, schreibt Sport1 von einem bevorstehenden Rauswurf Dufners. Der Artikel auf Sport1.de bezieht sich dabei auf Aussagen Martin Kinds im NDR Sportclub zur letztjährigen Transferpolitik des Clubs. Wörtlich sagte Kind im NDR zur letzten Transferperiode: „Da ist vieles aufzuarbeiten. Dies war ein Jahr der Stagnation, und Stagnation bedeutet Rückschritt“. Gut, Kind äußert sich nachdenklich zu den letzten vorgenommen Transferaktivitäten von Hannover 96. Doch wo lässt sich in diesem Zitat ein Hinweis auf eine Kritik zu Dirk Dufner ableiten oder wo deutet sich in diesem Zitat ein möglicher Rauswurf von ihm an? Richtig, nirgendwo lässt sich hier ein Indiz zur Absetzung des aktuellen 96-Sportdirektors finden. Dennoch werden diese Äußerungen des 96-Präsidenten aus dem Kontext gerissen und dafür genutzt, um eine Beurlaubung des gelernten Juristen in der 96-Chefetage anzudeuten.

Dabei wirkt es mehr als ob Sport1 oder auch andere Medien mit ihrer negativ konnotierten Berichterstattung bezüglich der Personalie Dufner an einer durch medialen Druck aufgebauschten, tatsächlichen Entlassung Dufners arbeiten, als konkrete Fakten oder deutlichere Hinweise für eine tatsächliche Absetzung Dufners vorzubringen. Wenn die BILD in der heutigen Ausgabe von einer „öffentlichen Kampagne“ gegen Dufner schreibt, dann liegt sie mit dieser Sichtweise wohl nicht so verkehrt. Denn auch wenn Dirk Dufner bei den eigenen Fans nicht mehr sonderlich beliebt sein dürfte („Dufner raus“ – Rufe im Stadion beim Spiel gegen den SC Freiburg), seine personalpolitischen Entscheidungen durchaus kritisch zu beäugen sind und auch sein Verhältnis zu den Medien und Medienvertretern angespannt sein könnte, so ist es dennoch angebracht fair mit dem aktuellen Sportdirektor von Hannover 96 umzugehen und nicht für grundlose und vor allem fehlerhaft interpretierbare, negative Stimmung zu sorgen, um eine Entlassung durch äußeren Druck von Fans und Medien herbeizuführen. Bei aller Kritik, die man letztlich an der Arbeit Dirk Dufners äußern mag, aber einen solchen unrühmlichen und vor allem unfairen Abgang hat er nicht verdient.

Julian Baumgartlinger gibt Hannover 96 einen Korb – Wie sich eine harmlose Absage auf das kommende Transferfenster auswirken kann

Wie die BILD in der heutigen Ausgabe vermeldet hat sich der von Mainz 05 umworbene defensive Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger gegen ein Engagement bei Hannover 96 in der kommenden Saison entschieden. Der 36-fache österreichische Nationalspieler wäre ab Sommer ablösefrei zu haben, da sein aktueller Kontrakt bei den 05ern am 30.06.2015 endet. Baumgartlinger ist aktuelle Stammkraft und Leistungsträger bei Mainz 05, sodass seine ungeklärte sportliche Zukunft Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz weckt. Neben 96 sind auch nach Angaben diverser Medien Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, Besiktas Istanbul und West Ham United am 27-jährigen Österreicher interessiert. Möglicherweise werden es sogar noch viele weitere Klubs sein, welche sich mit dem Potential und der Erfahrung des aktuellen Mainzers verstärken möchten.

Dass Hannover 96 bei dieser großen Konkurrenz um Baumgartlinger das Nachsehen hat, ist absolut nachvollziehbar. Der Spieler hat zugegebenerweise bessere sportliche und womöglich finanziellere Optionen zur Auswahl, wenn man lediglich nur die oben aufgeführten Clubs mit 96 vergleicht. Baumgartlinger kann nächste Saison international spielen und bei einem Team mitwirken, welches langfristig um die oberen Plätze oder gar um Meisterschaften und weitere Titel mitspielen kann. Diese sportliche Perspektive können ihm die Roten aktuell keineswegs bieten. Immer noch stecken sie tief im Abstiegskampf, die Ligenzugehörigkeit ist noch nicht final geklärt und auch der Trainerposten der kommenden Saison ist noch unbesetzt. Zudem wird gemunkelt, dass auch Sportdirektor Dirk Dufner zum Ende der Saison ausscheiden könnte. Viele Verträge im aktuellen Team laufen aus und neue Akteure sind noch nicht verpflichtet worden. Dass sich Baumgartlinger unter dem Gesichtspunkt dieser Umstände gegen 96 entscheidet, ist somit nicht weiter verwunderlich. Im Gegenteil mag man ihm angesichts aktueller Umstände fast schon beglückwünschen, dass er sich gegen Hannover 96 entschieden hat. Welche Gründe speziell nun dazu führten, dass sich Julian Baumgartlinger gegen die Roten entschieden hat sind allerdings vollkommen uninteressant und lediglich seine persönliche Angelegenheit.

Problematisch an der ganzen „Causa Baumgartlinger und Hannover 96“ sind neben der offensichtlichen schlechten sportlichen Perspektive für potentielle Neuzugänge bei den Roten, auch die Äußerungen Dirk Dufners zum Verhandlungsstatus mit dem umworbenen Österreicher. So sagte Dufner der BILD: „Ja, es stimmt. Baumgartlinger hat uns abgesagt.“ Die öffentliche Bekanntmachung des Verhandlungsstatuses mit dem Wunschspieler in der Presse ist ein äußerst kritischer Punkt und wirkt sogar leicht unseriös. Möchte ein Spieler mit einem Verein verhandeln, welcher öffentlich den positiven oder negativen Verhandlungsstatus verbreitet? Wahrscheinlich eher nicht, da jeder Profi nun selbst die Befürchtung haben könnte, dass die sportliche Führung ähnliche Meldungen zu eigenen Verhandlungen durchsickern lassen könnte. Darüber hinaus macht 96 auch hier keine gute Figur und Werbung für die Verpflichtung von weiteren Akteuren. Es macht einen halt nicht besonders attraktiv, wenn man öffentlich verlautbart, vom Wunschkicker einen Korb für eine Verpflichtung bekommen zu haben. Warum Sportdirektor Dufner diesen Satz in der Öffentlichkeit fallen lässt, ist mir somit schleierhaft, da er dem eigenen Verein und seinen Interessen sowie den Vorstellungen des potentiellen Neuzugangs zuwider laufen. Ferner nötigte die Aussage Dufners zum Verhandlungsstatus mit Julian Baumgartlinger, dass die Pressevertreter beim Österreicher nachfragten, warum ein Wechsel zu 96 kein Thema sei und er diesbezüglich Hannover 96 sprichwörtlich einen Korb gegeben hat.  „Ich habe vorher nichts zu Hannover gesagt und sage auch jetzt nichts“, entgegnete der Mainzer. Der Satz Dufners zum Verhandlungsstatus mit Baumgartlinger ist also auch an dieser Stelle ein wunder Punkt, da der Österreicher dank des Kommentars vom 96-Sportdirektor zu den BILD-Redakteuren sich nun öffentlich rechtfertigen muss, mit welchem Verein er über ein Arbeitspapier verhandelt oder warum er sich für oder gegen einen Verein entscheidet. Dies erzeugt einen unseriösen Eindruck des Vereins und seiner Verantwortlichen auf den Profi selbst, welcher ja auch bei seinen Verhandlungen eine gewisse Diskretion und das Vertrauen der Verantwortlichen erwartet. Wer möchte nun mit dem Sportdirektor von Hannover 96 verhandeln, wenn er sich ausgerechnet nach einer Absage beim Verein nun vor laufenden Pressekameras oder Diktiergeräten dafür rechtfertigen muss? Auf keinen Verhandlungspartner wirken solche öffentlichen Statements vertraulich. Im Gegenteil, wird dieser Spieler oder ein Kollege eher davon absehen, eine Verhandlung mit 96 einzugehen. Negative Erfahrungen sprechen sich ja bekanntlich schnell herum, was ja auch Unternehmen im Zusammenhang mit schlechtem Service oder Fehlleistungen ihrer Produkte aktuell im Zeitalter des Internets leidvoll erfahren müssen.

Somit laufen den Roten die Spieler bei Verhandlungen nicht nur aufgrund der schwierigen sportlichen und ungeklärten personellen Situation vom Verhandlungstisch, sondern möglicherweise auch aufgrund von solchen öffentlich gemachten Ergebnissen von Vertragsverhandlungen. Eine schwierige Situation, da dieses Negativbeispiel dafür sorgen könnte, dass einige potentielle Neuzugänge keine Lust oder kein Vertrauen mehr haben mit 96 um Verträge zu verhandeln.

Tayfun wirbelt weiter – Warum auf der Bank von Hannover 96 kein neuer Wind wehen sollte

Zehn Spiele ohne Sieg und nur drei Punkte in der Rückrunde durch drei magere Unentschieden erreicht. Eine negative Tordifferenz von -8 (8:16) und damit zugleich auch der letzte Platz in der Rückrundentabelle. Schwache Auftritte Auswärts in Köln und Gladbach und noch viel schlimmer die Heimpartien gegen Stuttgart und insbesondere Paderborn, also den direkten Konkurrenten im Tabellenkeller. Ja, alle statistischen und auch subjektiven Eindrücke sprechen sich wohl mittlerweile deutlich für eine Entlassung von Trainer Tayfun Korkut aus. Doch 96-Präsident Martin Kind und Sportdirektor Dirk Dufner sprechen dem jungen Trainerneuling trotz dieser Negativserie weiterhin das Vertrauen aus und glauben daran, dass der 41-jährige Coach mit dem Team die sportliche Wende schafft. Und hierfür gibt es trotz vieler Zweifler auch durchaus einige Argumente, warum eine Entlassung des Trainers aktuell kein Thema sein sollte.

1. Der Trainereffekt, mehr Mythos als Realität

Die Hoffnung mit einem neuen Übungsleiter den sportlichen Erfolg sofort wieder herzustellen ist statistisch gesehen nicht nachweisbar. Wissenschaftliche Studien von Beck und Meyer, sowie Juan de Dios Tena und David Forrest haben den Trainereffekt vor Jahren schon genauer untersucht. Beck (Uni Erfurt) und Meyer (Uni Gießen) konnten keine nachhaltige sportliche Verbesserung von Teams beobachten, welche ihren Coach innerhalb der Saison austauschten. Erhebungszeitraum waren dabei die Jahre von 1992 bis 2004. Auf ein ähnliches Ergebnis kamen auch Juan de Dios Tena und Davis Forrest bei ihrer Untersuchung in der spanischen Primera Division. Sie entdeckten lediglich, dass die Stimmung bei den Fans durch einen Austausch des Trainers verbessert werden kann. Dadurch seien prinzipiell bessere Ergebnisse in Heimspielen zu beobachten, auf Auswärtsspiele und die langfristige sportliche Entwicklung der Mannschaft habe dies jedoch keinen langfristigen Einfluss.

Psychologisch kann sich ein Trainerwechsel positiv auf einzelne Spieler auswirken. Unzufriedene oder vom vorherigen Coach ausgemusterte Profis bekommen dank des neuen sportlichen Chefs eine zweite Chance. Dies wirkt sich auf den Konkurrenzkampf in der Mannschaft aus. Die Leistung steigert sich, da jeder sich dem neuen Übungsleiter empfehlen möchte. Doch im Gesamtbild hat dieser Effekt wohl nur Einfluss auf einzelne Profis und nicht der Mannschaft im kollektiven Verbund. Denn denkbar ist durchaus auch das blanke Gegenteil dieser Intention. Der neu entfachte Konkurrenzkampf sorgt für schlechte Stimmung und zusätzlichen Leistungsdruck im Team. Es kommt hier also tatsächlich auf den Trainer und seine Führungs- und Menschenkompetenz an, denn die falschen Ansätze zum falschen Zeitpunkt können die sportliche Misere nachhaltig sogar noch verschlimmern.

Der Austausch des Fußballlehrers wird subjektiv von Fans immer als Handlung in eine positive Richtung gedeutet, da die erfolgreichen Trainerwechsel hier immer als Beispiel angeführt werden. Klar, erfolgreiche „Feuerwehrmänner“ wie Hans Meyer, Huub Stevens oder ja auch Mirko Slomka sind einem aufgrund ihrer erfolgreichen „Rettungstaten“ immer im Gedächtnis. Aber es gibt auch viele Gegenbeispiele wie zuletzt Christoph Daum bei der Eintracht aus Frankfurt, Otto Rehagel in Berlin oder Jörg Berger einst am letzten Spieltag in Bielefeld geholt, welche den sportlichen Absturz in die Zweitklassigkeit nicht mehr verhindern konnten. Dank der Medien und ihrer Glorifizierung von „Rettern“ sind uns aber nur diese ständig im Gedächtnis verblieben.

2. Ist der Trainer wirklich Schuld an der sportlichen Misere oder wird er nur als öffentlicher Sündenbock benutzt?

Verknüpft mit dem Trainereffekt ist immer die Ansicht von Fans, dass der entlassene Trainer wirklich Schuld an der sportlichen Talfahrt hat. Aber ist dies wirklich so? Kann man in diesem Fall Tayfun Korkut  die Schuld am aktuellen Misserfolg geben oder wird er hier lediglich als öffentlicher Sündenbock für die negative sportliche Entwicklung von Hannover 96 benutzt? Dieser Frage wäre interessanter Weise einmal nachzugehen. Ob man hier jedoch zu einer subjektiven und fundierten Analyse kommen könnte, ist mehr als fraglich, da man die vielen Gründe für oder gegen einen sportlichen Übungsleiter nur schwer aufwiegen kann. Vor allem uns Fans und Beobachtern fehlt hier der Einblick in die internen Abläufe des Vereins, wodurch sicherlich eine bessere Bewertung des Trainers und seines gemachten Jobs geäußert werden kann.

Pro Argumente für das Bild des Coaches als Sündenbock wird seitens vieler Fans immer genannt, dass der Trainer ja schließlich für die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft verantwortlich ist. Er stellt die Elf jede Woche auf und trainiert sie ja täglich. Wer, wenn nicht er hat Schuld daran, dass die balltretenden Akteure nicht die gewünschten Ergebnisse liefern? In gewisser Weise kann man sich die Welt des runden Leders so ganz einfach erklären, doch wie wäre es einmal die Rolle des Managers bzw. Sportdirektors zu hinterfragen. Welche Rolle spielt dieser im Zusammenhang für den drohenden Abstieg? Hat er die richtigen Spieler verpflichtet? Wurden die falschen Kicker verkauft? Welche Entscheidungen trägt er gemeinsam mit dem Trainer und ist somit gewissermassen gleich schuldig für die laufende Misere? Doch nicht nur die Verantwortlichen an der Seitenlinie und Tribüne sind in diesem Zusammenhang kritisch zu betrachten, sondern vor allem auch die Akteure auf dem Rasen.

Der Chefcoach kann einen noch so hervorragenden Job machen und alle ihm dargebotenen Möglichkeiten voll ausschöpfen, doch wenn seine Spieler dies nicht umsetzen können oder gar wollen, sind ihm sprichwörtlich die Hände gebunden. Er verliert seinen Job und wird zum Sündenbock degradiert, obwohl es sich hier anbieten würde, die Rolle der Spieler und ihrer Handlungen am Misserfolg genauer zu untersuchen. Doch spätestens an diesem Punkt sind wir wieder da angelangt, nur schwer eine fundierte Analyse und Bewertung der Situation durchführen zu können. Wie sich also offensichtlich darstellt ist es äußerst schwer jemanden die Schuld für aufkommenden sportlichen Misserfolg zu geben. Somit kann hier weder der Trainer, der Manager, noch die Spieler als Schuldige für irgendetwas herangeführt werden. Fußball ist ein Mannschaftssport (3€ ins Phrasenschwein) und dementsprechend gibt es keinen einzelnen Sündenbock, sondern wenn überhaupt ist die Verantwortung bei allen beteiligten Personen zu suchen. Das Kollektiv steht und fällt gemeinsam. Trotzdem machen es sich es die Medien und Fans immer einfach einen Schuldigen für den Abwärtstrend zu ersuchen und das ist in den meisten Fällen immer der Trainer. Zu Unrecht, wie die Betrachtung an dieser Stelle hoffentlich verdeutlichen konnte.

3. Neuer Trainer? – Doch wer soll und will es überhaupt machen?

Nun gut, also soll der Trainer trotz aller Unkenrufe dennoch gefeuert werden? Ok, aber wer soll der Nachfolger werden? Bei dieser Frage muss man den Trainermarkt sondieren und fragen, wer ist überhaupt verfügbar und wer möchte die Mission antreten? Bei aller Romantik, aber kein verfügbarer Coach wird die Roten aus Liebe zum Verein und seiner tollen Tradition und Fans übernehmen. Es geht wie immer um Ca$h, vertragliche Privilegien und die Perspektive und Macht im Verein. Die Verpflichtung eines neuen sportlichen Übungsleiters kann sich als äußerst kostspielig erweisen. Vor allem in der jetzigen Drucksituation vor dem Ende der Saison sind die designierten „Feuerwehrmänner“ in einer optimalen Verhandlungsposition. 96 und andere Vereine sind der Situation ausgeliefert, den Forderungen der zukünftigen Trainer nachzukommen. Niemand braucht sich also hinterher wundern, warum dieser oder jener Trainer mit exorbitanten Abfindungszahlungen bei der nächsten Entlassung vergütet wird oder wieso der aktuelle Chef an der Seitenlinie dank einer ausgehandelten Ausstiegsklausel nun sofort den Abgang zu höheren sportlichen Herausforderungen antreten kann.

Aber nun Butter bei die Fische! Wer würde als Nachfolger in Frage kommen? Keine Ahnung, schauen Sie doch mal selbst den Kreis der üblichen Verdächtigen an und fragen sie sich dann, ob einer der gelisteten oder genannten Kandidaten aus welchen Gründen auch immer eine bessere Alternative als Tayfun Korkut darstellen würde. Mir persönlich würde zunächst nicht in den Sinn kommen, den einen oder anderen Namen verpflichten zu wollen. Ich sehe keine potentiellen Kandidaten, welche einen deutlich besseren Job als Korkut machen könnten. Fernab davon, ob der Auserwählte dieses Amt auch übernehmen möchte und natürlich wiederum zu welchen Konditionen…

Die Sport Bild schreibt, dass Jos Luhukay der Favorit auf eine Nachfolge Korkuts sei. Verliert er das Spiel am Samstag in Frankfurt, so sei seine Entlassung obsolet und Luhukay stünde quasi in den Startlöchern zu übernehmen. Ob er eine deutlich bessere Lösung für die Aufgaben an der Seitenlinie wäre? Nun ja, Luhukay ist ein erfahrener Trainer und hat mit Augsburg das Thema Abstiegskampf bereits erfolgreich gemeistert. Zudem kennt er sich mit dem Aufstieg in die Bundesliga bestens aus, da er bereits Gladbach, Augsburg und die Hertha aus Berlin erfolgreich ins Oberhaus gebracht hat. Für Hannover 96 wollen wir aber hoffen, dass diese Kernkompetenz von ihm nicht zum Einsatz kommt. Doch wenn es denn auf den 51-jährigen Niederländer oder einen doch einen anderen Fußballlehrer hinauslaufen sollte, was sollte dieser großartig verändern können. Damit sind wir auch schon bei Argument Nummer vier gegen eine Ablösung Korkuts gelandet…

4. Ein neuer Trainer steht in den Startlöchern – Doch was soll anders werden?

Vorausgesetzt ein neuer Fußballlehrer tritt sein Amt bei den Roten an. Was soll dieser sprungartig verändern können im Vergleich zu Tayfun Korkut? Bei dann noch acht zu absolvierenden Begegnungen kann ein neuer Trainer nicht mehr allzu viel Einfluss auf das bereits eingespielte und taktisch ausgerichtete Team nehmen. Natürlich kann ein Coach jederzeit die Aufstellung und Taktik nach seiner Vorstellung ändern und anpassen. Doch hat er hierfür auch die geeigneten Spieler? Können sich die Profis auf eine andere taktische Ausrichtung auch schnell anpassen? Dies sind die entscheidenden Fragen, an welchen der ein oder andere neue Mann an der Seitenlinie bereits schnell wieder gescheitert ist. Es nützt nichts ein anderes taktisches System einführen zu wollen, wenn die Qualität an Spielern zur Umsetzung fehlt oder die Spieler die taktischen Vorstellungen nicht umsetzen können. Bedenkt man, dass jedes Team bereits eingespielte Systeme beherrscht und die Laufwege auch bereits einstudiert und abgestimmt sind, macht es nur wenig Sinn an diesen Automatismen wenige Wochen vor Saisonschluss herumzudoktern. Mögliche konditionelle Rückstände einiger Spieler können zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr umfassend behoben werden. Im Gegenteil, könnte sich das intensive Erarbeiten von Kondition und Fitness zu Lasten von körperlicher Frische im Saisonentspurt gehen. An was könnte ein neuer Übungsleiter nun also arbeiten, um eine Verbesserung der Elf im Vergleich zu seinem Vorgänger zu kommen?

Nun, er könnte seine Mannschaft eventuell besser motivieren und seine psychologischen und menschlichen Fähigkeiten nutzen, um die letzten mentalen Reserven seiner Mannen zu mobilisieren. Vor allem ältere und erfahrene Trainer sowie ehemalige erfolgreiche Spielerpersönlichkeiten dürften für diese Methodik am besten geeignet sein. Können sie auf die bereits selbst gemachten Erfahrungen in kritischen Phasen als Profisportler zurückgreifen und somit das richtige Rezept zur richtigen Zeit zur Hand haben. Authentizität ist gefragt, da der verkehrte Einsatz von Küchenpsychologie zum falschen Zeitpunkt wohl auch an dieser Stelle eher zu gegenteiligen Ergebnissen führt.

Ansonsten aber existieren keine Patentrezepte für den klassischen Neucoach, wonach dieser seine Handlungen und Ziele mit der Mannschaft anpassen könnte. Möchte er die spielerische und taktische Ausrichtung komplett umwälzen, so muss er das Risiko in Kauf nehmen mit diesem Anspruch zu scheitern oder erst nach längerer Zeit die Früchte seiner Arbeit ernten zu können. Doch diese Zeit gibt es nicht für den neuen Cheftrainer. Dieser muss erstmal kurzfristige Erfolge liefern. Seine langfristigen Investitionen in seine Elf sind zu aktuellen Zeitpunkt komplett irrelevant. Dementsprechend verbleibt einem neuen Fußballlehrer also meistens auch nicht viel mehr als an den bereits vom Vorgänger angesetzten Schwachpunkten der Mannschaft zu arbeiten. Das heißt im Klartext: Standards üben und das Verhalten bei gegnerischen Standards verbessern, Zweikampfverhalten trainieren, Abseitsfalle optimieren, Konter- und schnelles Umschaltspiel intensivieren…und so weiter…und so weiter.

Ist vielleicht der vorherige Trainer schon an diesen eher grundlegendern Ansprüchen gescheitert? Möglicherweise, dies muss im Einzelfall immer genauer betrachtet werden. Bei der von Tayfun Korkut trainierten 96-Elf sind allerdings Schwächen in den aufgezählten Trainingsbereichen im großen Umfang eher nicht zu erkennen. Also was soll ein neuer verantwortlicher Cheftrainer in so kurzer Zeit viel ändern können, als es Korkut wohl schon bereits selbst getan hat?

5. Kontinuität statt Rotation – langfristige Arbeit schafft Erfolg

Jahrelang schwärmte Martin Kind in vielen Interviews vom sogenannten „Bremer Modell“. Die Kontinuität auf dem Manager- und Trainerposten mit damals Klaus Allofs und Thomas Schaaf wurde vom 96-Präsident immer lobend hervorgehoben und als Schlüssel für die erfolgreichen Jahre der Bremer von 1999 – 2008 genannt. Mit Hannover 96 wollte er sich ein Beispiel an Strukturen der Werderaner nehmen und ebenfalls die Posten des Trainers und Sportdirektiors langfristig besetzen. Fast hätte dies mit dem Duo Slomka und Schmadtke ja auch bestens geklappt.

Möchte man Tayfun Korkut die Chance bieten langfristig eine Mannschaft mit Perspektive aufzubauen, so muss man jetzt auch in der kritischen Phase zu ihm stehen und Ruhe bewahren. Korkut besitzt als Cheftrainer noch nicht allzu viel Erfahrung und dies ist erst seine erste Saison in umfassender Verantwortung. Zuvor hatte er ja bereits das Team ein halbes Jahr trainiert, dieses aber von Mirko Slomka übernommen. Möchte man langfristig von der Arbeit Korkuts profitieren, so muss man ihm die Chance einräumen der Mannschaft seine Handschrift verleihen. Dies klappt scheinbar noch nicht, aber Korkut lernt innerhalb dieser kritischen Phase als Trainer ja auch und wird dadurch auch Anpassungen am Team und seinen Zielen mit seiner Mannschaft durchführen. Das er fähig ist mit Druck umzugehen und die sportliche Talfahrt zu stoppen, hat er ja bereits im letzten Jahr beweisen können. Nach der 0:3 Auswärtsklatsche im Derby gegen Braunschweig hat Korkut auch die richtigen Maßnahmen gefunden, um den Klassenerhalt zu sichern. Warum sollte ihm dies nicht noch einmal gelingen? Also Ruhe bewahren und auf Kontinuität auf der Trainerbank setzen. Nur so stellt sich langfristiger Erfolg ein, welcher letztlich nachhaltiger und gewünschter sein sollte.

Fazit:

Tayfun sollte weiter Wirbeln auf dem Posten des Teamcoaches! Ein frischer Wind auf der Trainerbank bringt nachhaltig keinen längerfristigen Erfolg. Der Trainereffekt ist statistisch nicht nachweisbar und kann sich im ungünstigsten Falle sogar als sportlicher Bumerang erweisen. Beispiele von Daum, Rehagel & Co gibt es zur Genüge. Der Trainermarkt gibt aktuell nur wenig interessante Alternativen her und ob diese auch sofort einsteigen wollen und zu welchen Konditionen ist ein unbeschriebenes Blatt. Zudem: Was kann ein neuer Trainer in den verbleibenden acht Wochen noch großartig am Auftreten der Mannschaft ändern?  Liegen in den möglichen Änderungen des neuen Trainers tatsächlich die Fehler und Defizite des alten Coaches? Und ist der aktuelle Fußballlehrer Korkut tatsächlich schuld an der sportlichen Talfahrt Richtung Abstiegsränge oder dient er nur als einfacher Sündenbock für Medien und Fans in der sportlich präkeren Situation? Sicherlich keine leicht zu beantwortenden Fragen. Doch möchte man Kontinuität auf der Trainerposition etablieren und diesem ermöglichen langfristig eine Mannschaft aufzubauen, so muss man dem Trainerneuling Korkut auch in dieser kritischen Phase das Vertrauen aussprechen und ihm ermöglichen seinem Team eine Handschrift zu verpassen. Möge er dabei Erfolg haben, sonst steht der nächste Feuerwehrmann zum Löschzug schon bereit…

Kann er, darf er oder muss er sogar spielen? – Das Mysterium um den italienischen Pass bei Felipe

Das Mysterium um den italienischen Pass – hat er ihn oder hat er ihn nicht? Das ist seit Montag die Frage, als Trainer Tayfun Korkut sich entschloß Felipe bis auf weiteres zum Trainingsbetrieb der zweiten Mannschaft zu schicken.

Das Dokument ist entscheidend dafür, ob Felipe auch Pflichtspiele für die U23 der Roten bestreiten kann. Nur EU-Bürger dürfen laut DFB-Satzung in der Regionalliga eingesetzt werden. Der mögliche Besitz des italienischen Passes wird also zum wichtigen Kriterium für weitere Spielpraxis und darüber hinaus auch für die Möglichkeit sich für 96 oder andere Vereine langfristig zu empfehlen.

Im Transfermarkt.de Profil von Felipe wird unter dem Punkt Nationalität die brasilianische und die italienische Staatsbürgerschaft aufgeführt. Bei Hannover 96 weiss man allerdings nichts von einem italienischen Pass. Dieser liegt der Vereinsführung angeblich nicht vor, wodurch eine Anmeldung für den Spielbetrieb beim Niedersächsischen Fußballverband nicht möglich ist. Auf Anfrage von NP Redakteur Andreas Willeke in der gestrigen Pressekonferenz antwortete Sportdirektor Dirk Dufner: „“Wir haben den Pass nicht vorliegen“. „Wir können ihn nicht spielberechtigt machen “ (Zitat Dufner ab Minute 14:58).

In der BILD Ausgabe von Gestern kommt Felipes Berater Thomas Solomon zu Wort, welcher nochmal bekräftigt das der brasilianische Profi auch einen italienischen Pass besitzt. Dabei wundert er sich, das Hannover 96 selbst keine Kenntnis davon hat, obwohl Sie ihn ja verpflichtet haben. Generell gibt Solomon der BILD zu verstehen, dass er nächste Woche nach Hannover kommen will, um den Vorfall mit seinem Klienten Felipe zu besprechen. Selbst eine Klage gegen die Versetzung in die U23 sei demnach nicht mehr auszuschließen.

In der heutigen BILD Ausgabe bemühen sich die BILD Redakteure Lars Beinke und Tobias Manzke Licht in das Mysterium um den italienischen Pass von Felipe zu bringen. Nach ihrer Recherche besitzt Felipe zwar einen italienischen Pass, dieser sei aber abgelaufen und damit ungültig. Dies sei auch der Grund, warum 96 ein Visum für den Verteidiger für das Wintertrainingslager in der Türkei beantragen musste.

Eine Anmeldung beim NFV ist erst durch einen erneuerten italienischen Pass möglich. Diesen muss Felipe oder sein Berater zunächst beantragen. Bis dahin wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen, sodass nicht mehr mit vielen Einsätzen bei Hannover II zu rechnen ist.

Ja, er dürfte also auch generell in der zweiten Mannschaft auflaufen. Kann dies momentan aufgrund der Passproblematik aber nicht tun. Und ob er überhaupt spielen soll oder vielleicht sogar muss, bleibt wiederum eine andere ungeklärte Frage.

Europa League ade – Herzlich Wilkommen im Abstiegskampf

Herzlich Willkommen im Abstiegskampf Hannover 96! Das muss man leider nach dem gestrigen, schwachen Auftritt gegen den SC Paderborn titulieren. Nach zuletzt eher guten Auftritten und viel Pech, war das gestrige Heimspiel das absolute Gegenteil davon. Zu harmlos offensiv, ideenlos im Spiel nach vorne und mit vielen katastrophalen Fehlern hat man den taktisch disziplinierten Paderbornern den ersten Saisonsieg im Jahr 2015 beschert. Und diese haben spielerisch bei weitem nicht viel zustande gebracht, aber dafür defensiv auch nicht viel zugelassen. Die Roten haben die Paderborner Defensive aber auch kaum auf die Probe gestellt.

Was nützt es wenn man ca. 63 % Ballbesitz im Spiel hat, aber mit dem Ball in den eigenen Reihen nicht viel anzufangen hat. Der Ballbesitz orientierte Fußball von Trainer Tayfun Korkut zeigt keine Wirkung, da sowohl die Kreativität im Mittelfeld als auch die Schnelligkeit im Angriff fehlt, um aus diesem Vorteil Kapital zu schlagen. Hinzu kommen dann noch viele kleine, individuelle Fehler, welche der Mannschaft endgültig den Rest geben. So lässt der Neuzugang Joao Perreira in der 71. Minute Florian Hartherz unebedrängt über die rechte Seite Flanken und Miiko Albornoz nimmt den Zweikampf gegen den erst eingewechselten Srdjan Lakic nicht an. Nicht nur der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt unnötig und eigentlich aus dem nichts heraus, viel ärgerlicher ist eher der Fehler von Ron-Robert Zieler beim 1:2 durch Alban Meha. Der Freistoß aus 25 Metern kommt genau auf Zieler und war eigentlich nicht so platziert getreten, welcher den Ball wegfausten oder mit einer Hand übergreifen könnte. Durch den Patzer Zielers geriet das Team 10 Minuten vor Schluss auf die Verliererstraße. Ohne Zieler diesen Torwartfehler groß ankreiden zu wollen, aber leider muss man anmerken, dass er zuletzt bei Freistößen oftmals nicht gut aussah. Mit viel Hektik und ohne Plan ließ sich in den verbleibenden zehn Minuten nicht mehr viel erreichen.

Paderborn gelingt ein kleiner Befreiungsschlag und zieht damit 96 in den Abstiegskampf. Vier Punkte Abstand sind es noch auf Platz 16. In den nächsten zwei Partien gegen Köln und Stuttgart ist die Mannschaft unter Zugzwang unbedingt zu punkten, da sonst ungemütliche Wochen für die Verantwortlichen bevor stehen. Die ersten Stimmen gegen den Trainer werden schon im Stadion und Fanforen laut. So ist leider das Geschäft des Fußballs, wenn Erfolge ausblieben, ist der Trainer sofort in der Schusslinie.

Die aktuelle Situation erinnert sehr an die Saison 2008/2009. Auch damals hatte der damalige Sportdirektor Christian Hochstätter mit großen Investitionen wie heute Dirk Dufner die Mannschaft mit Namen wie Jan Schlaudraff, Mario Eggimann und Mikkael Forsell verstärkt. Heraus kam in diesem Jahr nur ein enttäuschender elfter Platz und zeitweise geriet das Team von Trainer Dieter Hecking gar in Abstiegsnöte. Auch in diesem Jahr wird gemessen an den Investitionen der sportliche Erfolg deutlich unter den Erwartungen bleiben.

Hoffentlich nicht so deutlich, dass am Ende gar der Abstieg droht. Denn wer es bisher noch nicht verstanden hat, Hannover 96 befindet sich jetzt im Abstiegskampf! Und hoffentlich wissen dies nicht nur die Fans und die Verantwortlichen, sondern vor allem die Spieler, welche jetzt den besagten Kampf im Wort Abstiegskampf annehmen müssen.