Na geht doch! – Der doppelte Schulz bringt die Hoffnung zurück

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Die Roten können doch noch gewinnen! Nach zuletzt acht Niederlagen in Serie gelang am Samstag beim VFB Stuttgart endlich der erste Sieg im Jahr 2016, welcher zugleich auch der erste Erfolg für das Trainerteam um Thomas Schaaf bedeutet. Mit verändertem Spielsystem und umgestellter Mannschaft gelang Hannover 96 ein Aufbäumen, welcher dank zweier verheisungsvoller Debüts und einem treffsicheren Kapitän wieder Anlass zur Hoffnung im Abstiegskampf birgt.

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Absteigen, aber wie? – Verliert Hannover 96 die Gunst der Zuschauer?

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Nach der siebten Niederlage in Folge und dem fünften sieglosen Spiel in der Rückrunde unter der Regie von Trainer Thomas Schaaf dürfte der Abstieg in die Zweitklassigkeit wohl realistisch betrachtet nicht mehr zu verhindern sein. Der grusselige Auftritt der Mannschaft beim 0:1 gegen den FC Augsburg gibt dabei wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich noch etwas zum Positiven wendet, obwohl rechnerisch immer noch der Klassenerhalt möglich ist.

Auch wenn ein Abstieg sportlich gesehen eine ziemliche Katastrophe darstellt und niemals irgendetwas positives beeinhaltet, so ist der sich andeutende Gang in die Zweitklassigkeit weit weniger schlimm als der Umstand, wie sich dieser Abstieg schrittweise abgezeichnet und vor allem wie sich die Mannschaft von Hannover 96 dabei präsentiert hat. Verlieren die Roten die Gunst ihrer Fans und Zuschauer aufgrund desolater Leistungen?

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Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

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Fußball ist ein Glücksspiel ähnlich wie Roulette! Mal gewinnt man, mal verlieren die anderen. Oder um es im Jargon der Roten treffend auszudrücken: „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“!

Dabei hat man in der Winterpause bereits alles auf vollen Einsatz gefahren: Ein neues Trainerteam um Thomas Schaaf installiert, sechs Neuzugänge präsentiert und spielerische und taktische Änderungen an der Mannschaft vorgenommen. Der Einsatz schien gemacht, um das Spiel „Abstiegskampf“ erfolgreich und hoffnungsvoll anzugehen. Doch nach vier gespielten Partien ist Hannover 96 weit davon entfernt, das „Spiel zu machen“. Es stehen keine Punkte auf der Habenseite, das Trainerteam wirkt ratlos und die Mannschaft komplett verunsichert. Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

Trainereffekt bereits nach vier Spieltagen verblasst?

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Ein neuer Coach an der Seitenlinie kann ungeahnte Kräfte freisetzen, bringt neuen Schwung in die Mannschaft und motiviert die Spieler von Neuem, belebt den Konkurrenzkampf um die erste Elf, wendet andere spielerische und taktische Konzepte an, um das Maximum aus seinen Mannen herauszuholen. All dies ist Thomas Schaaf nach vier Spieltagen als Cheftrainer von Hannover 96 bisher nicht gelungen.

Der Wechsel des Spielsystems vom 4-2-3-1 auf das 4-4-2 mit Raute ist fehlgeschlagen. Die Roten besitzen keine Spieler für das favorisierte Spielsystem des Trainers. Manuel Schmiedebach ist kein offensiver Mittelfeldspieler, welcher die Fäden im Zentrum zieht, sondern eher ein klassischer, defensiver 6er. Er wirkt auf der Position des „Zehners“ unbeholfen und kann nicht die gewünschte Belebung des Offensivspiels umsetzen.

Ähnlich sieht es auch mit Hotaru Yamaguchi und Salif Sane aus. Beide sind auf der rechten Seite der Raute komplett deplatziert. Der Japaner wirkte in der Partie gegen Mainz 05 von der ersten Minute an absolut überfordert und musste folgerichtig für Salif Sane nach 35 Minuten weichen. Doch auch dem Senegalesen ist trotz hohem und bemühten Einsatz der Frust anzuerkennen. Muss er auf der ungewohnten Position ein sehr hohes Laufpensum abrufen und kann seine defensiven Qualitäten im Zweikampf auf dieser Position nur selten erfolgreich ausspielen.

Das Ergebnis der Anwendung eines Spielsystems für welches nicht die geeigneten Akteure zur Verfügung stehen, konnte man gegen Mainz 05 sehr gut bestaunen. Weder spielerisch, noch taktisch gelang Hannover 96 überhaupt irgendetwas! Schlimmer noch, wirkte das Team weitaus verunsicherter als in der Hinrunde. Das absolute Chaos regierte auf dem Platz und zeigte sich nicht nur im völlig verdienten 0:1 durch den Mainzer Jairo, sondern in der absolut bezeichnenden Szene des Spiels, als sich Bech und Yamaguchi nahe des Mittelkreises gegenseitig umrempelten.

Als Konsequenz von diesem Horror-Auftritt müsste der Trainer das Spielsystem unbedingt wieder abändern. Vergleichbare taktische und spielsystematische Fehler unterlagen bereits den Schaaf-Vorgängern Tayfun Korkut und Mirko Slomka. Insbesondere Ersterer wollte seine Elf auf Ballbesitz orientierte Spielweise trimmen, was ihm leider letztendlich den Job kosten sollte. Es geht im Abstiegskampf nicht um spielerische Finesse, sondern um eine grundlegende defensive und offensive Grundordnung, auf deren Stabilität jedes noch so kleine Erfolgsergebnis aufgebaut werden muss.

Sechs neue und nichts hat sich verändert – Die Neuzugänge sind keine Verstärkungen!

Sechs Mal präsentierte sich Geschäftsführer Martin Bader mitsamt Trikot und sechs neuen Akteuren vor der Presse. Bisher konnte sich keiner der verpflichteten Spieler als vollumfängliche Verstärkung erweisen.

Debütant Alexander Milosevic lieferte eine souveräne Premiere in der Innenverteidigung neben Christian Schulz. Er wirkte sicher auf seiner Position und konnte Abgang Marcelo zumindest eins zu eins ersetzen. Ein weiteres Fazit zu seinen Leistungen ist fairerweise noch nicht möglich.

Das Sturmduo um Hugo Almeida und Adam Szalai agiert ineffektiv. Beide wirken zwar stets bemüht, aber die Durchschlagskraft im Sturm fehlt vollkommen. Almeida konnte zwar bereits in seinem ersten Spiel ein Treffer für die Roten erzielen, blieb aber ansonsten blass. Gegen Mainz lieferte er eine ganz schwache Partie, tauchte im Spiel ab und fällte mit dem Ball am Fuß zu viele falsche Entscheidungen. Die wenig guten Torgelegenheiten vergibt er leichtfertig.

Adam Szalai arbeitet viel für die Mannschaft und ruft dabei ein hohes Laufpensum ab. Jedoch wirkt dieses Bemühen wie brotlose Kunst. Auch er konnte bisher kein Tor für 96 erzielen oder vorbereiten. Dem Ungar fehlen die Erfolgserlebnisse, da er auch schon in Hoffenheim seit über einem Jahr ohne Torerfolg blieb.

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Für den japanischen Nationalspieler Hotaru Yamaguchi scheint die Bundesliga noch zu groß zu sein. Der Neuzugang von Cerezo Osaka konnte in seinen bisherigen Bundesligaminuten kein Argument lieferen, warum Hannover 96 etwa 1,5 Millionen € für ihn nach Japan überwiesen hat. Er ist nicht gedankensschnell genug in seinen Aktionen und die Defensivarbeit in der Rückwärtsbewegung lässt zu wünschen übrig. Dies musste auch sein Nationalmannschaftskammerad Hiroki Sakai am Samstag leidlich erfahren, welchen er bezüglich der Defensivarbeit auf der rechten Seite sträflich alleine ließ. Negativer Höhepunkt seines desaströsen Heimdebüts war der Zusammenprall mit Uffe Bech Nahe des Mittelkreises. Kurz danach war für den 24-fachen Nationalspieler bereits schluss. Yamaguchi ist ursprünglich im defensiven Mittelfeld zu Hause, sodass man sein eher unglückliches Auftreten damit entschuldigen könnte, dass er nicht auf seiner angestammten Position gespielt hat. Doch weit gefehlt, Yamaguchi hat alternativ schon 44 Spiele auf der rechten Seite absolviert. Dies verrät auch die Statistik von transfermarkt.de. Mag der erfahrende Japaner noch so motiviert und bemüht im Training agieren, sind seine bisherigen Pflichtspieleindrücke doch sehr enttäuschend und bundesligauntauglich.

Aufgrund von Verletzungen konnte sich der junge Neuzugang Marius Wolf vom TSV 1860 München noch nicht präsentieren. Von einem erst 20-Jährigen Spieler aus der zweiten Liga kann man natürlich nicht sofort irgendwelche Wunderdinge erwarten. Dennoch sind die Hoffnungen auf den Linksaussen aufgrund der zuletzt schwachen Leistungen der verbliebenden Mittelfeldkräfte äußerst groß. Man wird sehen, wie sich der Bundesligadebütant in den verbleibenden Wochen in Szene setzen wird.

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Die größte Enttäuschung und das zugleich größte Fragezeichen steht hinter der Verpflichtung von Iver Fossum. Das 19-Jährige Talent aus Norwegen wechselte mit herausragenden Kritiken vieler Fachmänner und sensationellen statistischen Werten in die Bundesliga. Doch von all den Lobeshymnen ist bisher wenig zu sehen. Fossum spielte nicht eine Minute für Hannover 96 und schaffte es überhaupt erst ein Mal  in den Spieltagskader bei der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen. Obwohl er als Kiyotake Ersatz eingekauft wurde, spielt er trotz der Verletzung der Nummer Zehn keine Rolle. Thomas Schaaf berücksichtigt für ihn lieber den positionsfremden Manuel Schmiedebach, was einem zu denken gibt.

Ist Fossum in aktueller Verfassung zu schwach für die erste Elf oder hinterlässt Schmiedebach doch deutlich bessere Eindrücke im Training? Warum verpflichtet man dann ein junges Talent im Abstiegskampf, wenn man eigentlich berücksichtigen müsste, dass dieser sich erst an die neue Umgebung und das höhere, spielerische Niveau gewöhnen muss? Ein absolut fragwürdiger Transfer zu diesem Zeitpunkt, da Hannover 96 durch eben den Ausfall von Kiyotake eine sofortige Hilfe im offensiven Mittelfeld benötigt und die Verpflichtung mit einer Ablösesumme von gut 2.000.000€ auch relativ hoch ist. Für diese Summe hätte man doch besser einkaufen können! Was bleibt ist aktuell ein sehr talentierter Kicker im Kader, der allerdings Frust schiebt und den Roten bei der Mission Klassenerhalt nicht weiterhelfen kann. Eine absolute lose-lose-situation für beide Seiten!

Die Konkurrenz spielt nicht mit! – Darmstadt, Ingolstadt & Co. punkten

Die Roten verlieren Spiel um Spiel und die Konkurrenz in der Nähe der Abstiegsregion lässt gleichzeitig nichts liegen! Konnte man sich in der letzten Saison noch darauf verlassen, dass die Mitkonkurrenten VFB Stuttgart, Hamburger SV und der SC Paderborn im Tabellenkeller auch regelmäßig Punkte lassen und sich damit der Punkteabstand etweder gar nicht oder nur marginal ändert, ist dies aktuell nicht mehr der Fall.

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Der VFB Stuttgart hat sich mit fünf Siegen aus sechs Partien unter der Verantwortung von Jürgen Kramny aus der Abstiegsregion verabschiedet. Aufsteiger SV Darmstadt hat bereits zehn Punkte Abstand auf 96 und in beiden Partien gegen Hannover gepunktet. Leicht besser sieht es sogar bei den Oberbayern vom FC Ingolstadt aus, welche mit 26 Punkten in Richtung Klassenerhalt marschieren.

Alle genannten Mannschaften werden nicht mehr allzu viele Punkte bis zum 34. Spieltag liegen lassen bzw. muss 96 den bisherigen Abstand zu den Konkurrenten erst einmal aufholen, was Stand 21. Spieltag schon zum Ding der Unmöglichkeit avanciert. Verbleiben nur die unmittelbaren Konkurrenten Hoffenheim und Bremen, sowie die noch punktetechnisch erreichbaren Frankurter und Augsburger! Gegen diese Konkurrenten muss Hannover 96 gewinnen, damit eine Aufholjagd noch im Rahmen des möglichen verbleibt. Aber letztlich kann man sich nie darauf verlassen, dass eines der Kellerkinder nicht doch noch überraschend bei den Teams im oberen Tabellengefilde Zähler mitnimmt und damit jeden Versuch einer Aufholjagd zunichte macht. Die Konkurrenz wird also nicht immer mitspielen bei der Mission Ligaverbleib, aber wird es dann trotzdem noch reichen?

Rien ne va plus 96 – Nichts geht mehr im Abstiegskampf

Es scheint als ob alle Einsätze am Roulettetisch bereits frühzeitig getätigt worden sind und dabei kein Erfolg am Spieltisch zu erwarten ist. Der Trainereffekt ist sehr schnell verblasst. Die Spieler wirken aufgrund einer neuen spielerischen und taktischen Marschroute komplett verunsichert. Die Neuzugänge verbessern das Team nicht nachhaltig. Entweder sind sie zu schwach, zu unerfahren oder verletzt. Wenn nichts mehr hilft, dann hilft wenigstens die Konkurrenz? Weit gefehlt! Stuttgart, Darmstadt und Ingolstadt punkten. Augsburg und Frankfurt sind bereits auf sieben Punkte enteilt und gegen diese Mannschaften muss die Truppe von Trainer Thomas Schaaf erst selbst erfolgreich sein, um an das rettende Ufer Platz 15 überhaupt heran zu kommen. Dabei lässt sich nie ganz ausschließen, dass die genannten Clubs auch selbst überraschend gegen stärke Teams überzeugen und Zähler einsammeln.

Und so würde ein Croupier am Roulettetisch in dieser Situation zu den Verantwortlichen von Hannover 96 sagen: „Rien ne va plus – Nichts geht mehr im Abstiegskampf“

Eine komplette Halbserie ohne Sieg? – In Augsburg kann dies bittere Realität werden

Nach dem 1:1 gegen den SV Werder Bremen sind es bereits schon 16 Partien ohne einen Dreier. Im schwäbischen Augsburg könnte mit der 17. Partie in Folge ohne Sieg, die Negativbilanz einer kompletten Halbserie ohne Sieg erreicht werden. Das hat schon fast tasmanische Züge, welche 31 Partien am Stück ohne Sieg blieben und damit wohl den Negativrekord in der Bundesliga nahezu für immer gepachtet haben dürften. Hinter Tasmania Berlin rangieren noch BW 90 Berlin (1986/87), Dynamo Dresden (1994/95) und der 1. FC Kaiserslautern (2011/12) mit 21 Partien ohne Erfolg. Ganz so schlimm ist es und wird es bei den Roten dann letztendlich dann doch nicht sein, da sie entweder in den kommenden zwei Wochen einen Sieg einfahren oder eben den bitteren Gang in Liga zwei antreten werden müssen. Der persönliche Negativrekord kann sich also maximal auf „nur 18 Partien ohne Sieg“ erstrecken. Und trotzdem kann auch ohne Sieg in den zwei verbleibenden Spielen der Klassenerhalt erreicht werden, ja wenn…

Sieglos zum Klassenerhalt – Wenn die Konkurrenz hilft ohne helfen zu wollen

18 Spiele ohne Sieg am Stück und trotzdem noch Erstklassig? Ja, Hannover 96 könnte in dieser Saison dieses Kunststück gelingen, wenn die Konkurrenz im Tabellenkeller ordentlich mithilft. Gewinnt der SC Paderborn seine zwei schweren Spiele gegen Schalke und Stuttgart nicht, so steigen sie nach aktueller Tabelle ganz sicher ab, ohne dass 96 in den kommenden zwei Wochen etwas zählbares einfahren müsste. Rechnet man dann jedoch weiter, so fällt auf, dass die Truppe von Trainer Michael Frontzeck mindestens zwei Unentschieden aus den zwei verbleibenden Begegnungen benötigt, um nicht direkt abzusteigen. Verliert Stuttgart gegen Hamburg und holt nur ein Unentschieden gegen Paderborn, so ist mit zwei Remis der Klassenerhalt oder zumindest die Relegation für die Roten möglich. Die Frage Relegation oder direkter Ligaverbleib hängt dann vom Hamburger SV und dem SC Freiburg ab. Gewinnen oder holen die Breisgauer nicht mindestens ein Unentschieden gegen den Rekordmeister aus München, so reicht 96 eine Punkteteilung gegen die Freiburger am letzten Spieltag daheim, um den Verbleib in der ersten Liga zu sichern. Also auch zwei Unentschieden und damit die Sieglosigkeit bis zum Ende der Spielzeit muss nicht unbedingt im Abstieg münden. Dennoch macht ein Sieg aus den zwei Partien alles deutlich einfacher ohne mögliche Rechenkonstellationen durchspielen zu müssen. Es geht ja als nächstes nach Augsburg. Augsburg? Hm…da war doch was?

Ausgerechnet Augsburg! – Historiker rekonstruieren den letzten 96-Sieg

Wann war eigentlich der letzte Sieg von Hannover 96, mag sich der ein oder andere aktuell fragen. Gefühlt liegt dieser scheinbar schon eine halbe Ewigkeit zurück, sodass der ein oder andere schon einen Historiker einschalten wollte, um mit Hilfe von Archivaren und Zeitzeugen den letzten Erfolg der Roten zu rekonstruieren. Blättert man die Statistik und Datenbanken der aktuellen Spielzeit durch, so wird man am 16. Dezember 2014 fündig. An diesen kalten Dienstagabend traf Hannover 96 auf den FC Augsburg im eigenen Stadion und gewann ungefährdet mit 2:0 durch ein Kopfballtreffer von Salif Sané in der 20. Minute und einen verwandelten Foulelfmeter von Joselu in der 55. Minute. An diese Partie erinnere ich mich persönlich sehr gut, da dieser Tag als mein Debut als Blindenreporter bei Hannover 96 in die Geschichte eingehen sollte. Doch weder ich, noch Ex-Trainer Tayfun Korkut, die Mannschaft oder sonstwer hätten zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass dies der letzte Dreier für eine lange Zeit sein würde. Damals stand das Team noch auf dem achten Tabellenplatz, Hoffnungen auf die Europa League Plätze wurden laut kommuniziert und niemand hätte jemals das Wort Abstiegskampf oder gar Abstieg in den Mund genommen. Ironie des Schicksals trifft man genau fünf Monate später am 16.05.2015, surprise, surprise auf den FC Augsburg im Schwabenländle. Schließt sich hier auf den Tag genau der Kreis des Schicksals? Ein scheinbar passenderer Zeitpunkt diese Negativserie abzulegen hätte sich ein Drehbuchautor auch nicht besser ausdenken können. Und die Zeichen stehen nicht schlecht, da Hannover 96 noch nie gegen Augsburg verloren hat! Vier Siege und drei Remis stehen bei den bisher sieben ausgetragenen Duellen zu Buche. Das letzte Spiel gewannen die Roten ja bekanntlich und auch die letzte Begegnung in Augsburg ging immerhin 1:1 aus. Somit dürfte zumindest die Hoffnung auf etwas zählbares aus Nordbayern vorhanden sein. Egal, wie es ausgeht viele Möglichkeiten zum Klassenerhalt verbleiben wohl noch bis zum letzten Spieltag gegen den SC Freiburg, wo es zum alles entscheidenden Showdown kommen könnte. Die Roten packen das! Aber meiner Meinung nicht rechnerisch erst am 34. Spieltag, sondern bereits eine Woche zuvor, am 33. Spieltag in Augsburg. Die Negativserie reißt auf den Tag genau nach fünf Monaten und wieder einmal heißt der Gegner FC Augsburg!

Remis bei den Wölfen – Dieses Tor war allererste Sa(h)né!

2:2 in Wolfsburg! Wieder nicht gewonnen und der Abgrund im Tabellenkeller rückt immer näher. Durch den Sieg des Hamburger SV am Sonntag rutscht 96 direkt auf den Abstiegsplatz 17. Aktuell gibt es somit weiterhin nicht viel worüber man sich bei den Roten freuen kann. Dennoch, das Unentschieden in Wolfsburg macht Mut, da die Mannschaft in der zweiten Halbzeit Moral bewies und den 0:2 Rückstand in ein Unentschieden drehte. Gar die Chance zum Siegtreffer durch Edgar Prib bestand in der letzten Spielminute. Das Remis beim Tabellenzweiten aus Wolfsburg fühlt sich trotz verpasster Siegchance wie ein Sieg an.

Hingucker des Tages und Mutmacher für das Saisonfinale dürfte insbesondere der Ausgleichstreffer von Salif Sané sein. Ein absolutes Traumtor per Fallrückzieher, wie es ein Klaus Fischer in seinen besten Jahren nicht hätte besser hinkriegen können. Ja, dieser Treffer war sprichwörtlich allererste Sa(h)né und ist nicht nur der absolute Favorit auf das Tor des Monats im Mai, sondern könnte sich auch als Türöffner für den Klassenerhalt erweisen. Trotz schwieriger Situation im Abstiegskampf könnte genau dieser eine Punkt und dieses Traumtor zur Punkteteilung ausschlaggebend in der Endabrechnung der Tabelle auswirken. Wie der Kaiser hier immer zu pflegen sagte: „Schaun‘ mer mal“, aber zunächst einmal nur auf das Zuckertor unserer Nummer fünf aus dem Senegal.

Julian Baumgartlinger gibt Hannover 96 einen Korb – Wie sich eine harmlose Absage auf das kommende Transferfenster auswirken kann

Wie die BILD in der heutigen Ausgabe vermeldet hat sich der von Mainz 05 umworbene defensive Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger gegen ein Engagement bei Hannover 96 in der kommenden Saison entschieden. Der 36-fache österreichische Nationalspieler wäre ab Sommer ablösefrei zu haben, da sein aktueller Kontrakt bei den 05ern am 30.06.2015 endet. Baumgartlinger ist aktuelle Stammkraft und Leistungsträger bei Mainz 05, sodass seine ungeklärte sportliche Zukunft Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz weckt. Neben 96 sind auch nach Angaben diverser Medien Borussia Dortmund, Hertha BSC Berlin, Eintracht Frankfurt, Besiktas Istanbul und West Ham United am 27-jährigen Österreicher interessiert. Möglicherweise werden es sogar noch viele weitere Klubs sein, welche sich mit dem Potential und der Erfahrung des aktuellen Mainzers verstärken möchten.

Dass Hannover 96 bei dieser großen Konkurrenz um Baumgartlinger das Nachsehen hat, ist absolut nachvollziehbar. Der Spieler hat zugegebenerweise bessere sportliche und womöglich finanziellere Optionen zur Auswahl, wenn man lediglich nur die oben aufgeführten Clubs mit 96 vergleicht. Baumgartlinger kann nächste Saison international spielen und bei einem Team mitwirken, welches langfristig um die oberen Plätze oder gar um Meisterschaften und weitere Titel mitspielen kann. Diese sportliche Perspektive können ihm die Roten aktuell keineswegs bieten. Immer noch stecken sie tief im Abstiegskampf, die Ligenzugehörigkeit ist noch nicht final geklärt und auch der Trainerposten der kommenden Saison ist noch unbesetzt. Zudem wird gemunkelt, dass auch Sportdirektor Dirk Dufner zum Ende der Saison ausscheiden könnte. Viele Verträge im aktuellen Team laufen aus und neue Akteure sind noch nicht verpflichtet worden. Dass sich Baumgartlinger unter dem Gesichtspunkt dieser Umstände gegen 96 entscheidet, ist somit nicht weiter verwunderlich. Im Gegenteil mag man ihm angesichts aktueller Umstände fast schon beglückwünschen, dass er sich gegen Hannover 96 entschieden hat. Welche Gründe speziell nun dazu führten, dass sich Julian Baumgartlinger gegen die Roten entschieden hat sind allerdings vollkommen uninteressant und lediglich seine persönliche Angelegenheit.

Problematisch an der ganzen „Causa Baumgartlinger und Hannover 96“ sind neben der offensichtlichen schlechten sportlichen Perspektive für potentielle Neuzugänge bei den Roten, auch die Äußerungen Dirk Dufners zum Verhandlungsstatus mit dem umworbenen Österreicher. So sagte Dufner der BILD: „Ja, es stimmt. Baumgartlinger hat uns abgesagt.“ Die öffentliche Bekanntmachung des Verhandlungsstatuses mit dem Wunschspieler in der Presse ist ein äußerst kritischer Punkt und wirkt sogar leicht unseriös. Möchte ein Spieler mit einem Verein verhandeln, welcher öffentlich den positiven oder negativen Verhandlungsstatus verbreitet? Wahrscheinlich eher nicht, da jeder Profi nun selbst die Befürchtung haben könnte, dass die sportliche Führung ähnliche Meldungen zu eigenen Verhandlungen durchsickern lassen könnte. Darüber hinaus macht 96 auch hier keine gute Figur und Werbung für die Verpflichtung von weiteren Akteuren. Es macht einen halt nicht besonders attraktiv, wenn man öffentlich verlautbart, vom Wunschkicker einen Korb für eine Verpflichtung bekommen zu haben. Warum Sportdirektor Dufner diesen Satz in der Öffentlichkeit fallen lässt, ist mir somit schleierhaft, da er dem eigenen Verein und seinen Interessen sowie den Vorstellungen des potentiellen Neuzugangs zuwider laufen. Ferner nötigte die Aussage Dufners zum Verhandlungsstatus mit Julian Baumgartlinger, dass die Pressevertreter beim Österreicher nachfragten, warum ein Wechsel zu 96 kein Thema sei und er diesbezüglich Hannover 96 sprichwörtlich einen Korb gegeben hat.  „Ich habe vorher nichts zu Hannover gesagt und sage auch jetzt nichts“, entgegnete der Mainzer. Der Satz Dufners zum Verhandlungsstatus mit Baumgartlinger ist also auch an dieser Stelle ein wunder Punkt, da der Österreicher dank des Kommentars vom 96-Sportdirektor zu den BILD-Redakteuren sich nun öffentlich rechtfertigen muss, mit welchem Verein er über ein Arbeitspapier verhandelt oder warum er sich für oder gegen einen Verein entscheidet. Dies erzeugt einen unseriösen Eindruck des Vereins und seiner Verantwortlichen auf den Profi selbst, welcher ja auch bei seinen Verhandlungen eine gewisse Diskretion und das Vertrauen der Verantwortlichen erwartet. Wer möchte nun mit dem Sportdirektor von Hannover 96 verhandeln, wenn er sich ausgerechnet nach einer Absage beim Verein nun vor laufenden Pressekameras oder Diktiergeräten dafür rechtfertigen muss? Auf keinen Verhandlungspartner wirken solche öffentlichen Statements vertraulich. Im Gegenteil, wird dieser Spieler oder ein Kollege eher davon absehen, eine Verhandlung mit 96 einzugehen. Negative Erfahrungen sprechen sich ja bekanntlich schnell herum, was ja auch Unternehmen im Zusammenhang mit schlechtem Service oder Fehlleistungen ihrer Produkte aktuell im Zeitalter des Internets leidvoll erfahren müssen.

Somit laufen den Roten die Spieler bei Verhandlungen nicht nur aufgrund der schwierigen sportlichen und ungeklärten personellen Situation vom Verhandlungstisch, sondern möglicherweise auch aufgrund von solchen öffentlich gemachten Ergebnissen von Vertragsverhandlungen. Eine schwierige Situation, da dieses Negativbeispiel dafür sorgen könnte, dass einige potentielle Neuzugänge keine Lust oder kein Vertrauen mehr haben mit 96 um Verträge zu verhandeln.

Raus aus der Abstiegskrise! – 96 braucht einen schnellen Dreier!

Nichts war es am Freitag mit dem ersten Sieg im Jahr 2015 und dem langersehnten und wichtigen Dreier im Abstiegskampf. Dabei waren die Roten trotz sehr schwacher Leistung durch das Stochertor von Christian Schulz in der 75. Minute doch auf einem guten Weg, die Zeit von elf sieglosen Spielen endlich zu durchbrechen. Doch die eigene Passivität nach der Führung und ein schöner Treffer von Valentin Stocker in der 83. Minute verhinderten den Befreiungsschlag aus dem Tabellenkeller.

Wieder nur ein Unentschieden und das in einem Heimspiel gegen einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf. Das ist deutlich zu wenig im Hinblick auf die verbleibenden Spiele der kommenden Wochen. Nächste Woche tritt die Elf von Trainer Tayfun Korkut in Leverkusen an, danach folgt die Heimpartie gegen Hoffenheim und am 31. Spieltag wartet eine schwere Auswärtsaufgabe beim Tabellenzweiten aus Wolfsburg. Gegen diese drei Mannschaften wird es bei den aktuell gezeigten Leistungen wohl nur wenig bis gar keine Punkte geben, sodass sich im absolut negativen Verlauf Hannover 96 nach diesen Partien auf einem Abstiegsplatz wiederfinden könnte. Danach in den verbleibenden zwei bis drei Spieltagen noch die Rettung zu schaffen, ist zwar dann wohl immer noch möglich, jedoch bleibt fraglich ob dies dann auch immer noch aus eigener Kraft oder nur mit Hilfe der anderen Teams erreicht werden kann. Somit ist jeder erzielte Sieg in den nächsten Begegnungen sprichwörtlich Gold wert, um sich frühzeitig aus der Abstiegszone zurück zu ziehen.

Natürlich ist positiv zu vermerken, dass dieser Punktgewinn am Freitag gegen die Hertha aus Berlin noch sehr wichtig werden kann in der Endabrechnung der Tabelle. Dieser eine Zähler kann im extremsten Fall zwischen Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden, sodass man vielleicht in der Rückschau noch einmal sehr glücklich sein wird, diesen Punkt geholt zu haben. Doch die Mannen im 96-Dress verpassten die große Chance frühzeitig einen ersten großen Schritt zum Klassenerhalt zu machen bzw. diesen vielleicht schon perfekt zu machen.

Um also aus der Abstiegskrise endlich zu entrinnen braucht 96 einen schnellen Dreier!

Und dieser hat gleich mehrere positive Wirkungen auf das Team und die aktuelle sportliche Gesamtkonstellation:

Den Kopf frei bekommen

Ein Sieg nach nun mehr 12 sieglosen Spielen ist unglaublich wichtig für die Roten, um das eigene Selbstvertrauen wieder zu finden und den Kopf vom aktuellen Negativtrend zu befreien. Fußball ist Psychologie, da kann ein Sieg neue Kräfte entfalten und das Team befreiter aufspielen lassen. Um einen solchen Effekt in dieser Saison wahrnehmen zu können, muss man nur nach Bremen schauen. Ein bis zwei Siege in Serie und schon hat man einen kleinen positiven Lauf. Tore lassen sich dann leichter erzielen und man hat in solchen Situationen oftmals auch das Glück in den entscheidenden Situationen auf seiner Seite. Der Frust kann und soll sich sprichwörtlich von der Seele „geballert“ werden.

Ein Sieg könnte schon für den Klassenerhalt reichen

Auch wenn man es nicht glauben mag, aber ein einziger Dreier könnte bereits zum Klassenerhalt reichen. Vorausgesetzt die Konkurrenten in der Abstiegszone helfen mit und punkten auch so gut wie gar nicht mehr. Und das ist bei Betrachtung der letzten Jahre übrigens auch gar nicht so unrealistisch. Der HSV ging im letzten Jahr mit nur 27 Punkten in die Relegation. Die Hamburger holten in der letzten Saison unter Ex-96-Coach Mirko Slomka nur einen Sieg in den letzten sechs Spielen. Vor zwei und drei Jahren reichte der TSG Hoffenheim und Hertha BSC 31 Punkte für die Relegation. Die Sinsheimer holten aber auch im Schlussspurt kräftig auf und machten acht Punkte in den letzten sechs Spielen gut. Die Berliner schafften unter dem damaligen Trainer Otto Rehagel noch am letzten Spieltag den Sprung auf Platz 16. Dabei gab es eine Punkteausbeute von fünf Zählern in den letzten sechs Partien. 32 Punkte können also schon problemlos zum Klassenerhalt reichen, auch ohne den Umweg über die Relegation zu gehen. Ein Sieg von 96 ist dafür aber möglichst schnell nötig, um sich mit 32 Punkten vielleicht schon frühzeitig zu retten.

Druck auf die Mitkonkurrenten setzen

Ein schneller Dreier hilft, um die Mitkonkurrenten im Tabellenkeller unter Druck zu setzen. Wenn man selbst gewinnt kann man nicht nur einmal kurz durchatmen, sondern setzt auch die anderen Mitstreiter unter psychologischen Druck. Diese müssen ja möglichst fix nachziehen und viele Mannschaften können mit diesen teils ungewöhnlichen Drucksituationen nicht umgehen. Sie zerbrechen daran oder scheitern trotz großer Mühe an eben doch starken Gegnern im Schlussspurt der Liga. Mit einem flotten Dreier reicht man bildlich gesprochen den „Schwarzen Peter“ Abstieg in die zweite Liga an ein anderes Team weiter. Entweder reicht die betroffene Elf diesen ebenfalls noch mit sportlichen Erfolgen an eine andere Mannschaft weiter oder behält diesen bis zum Schluss und muss konsequenterweise den bitteren Gang in das Unterhaus des deutschen Fußballs antreten.

Also her mit dem schnellen Dreier liebe Roten, um der Abstiegskrise fix von der Schippe zu springen.

Nimm zwei! – Sturmvitamine und Torenaschen

Tayfun nimm zwei!

Denn wie schon der Hersteller der gleichnamigen Bonbonmarke titelt, soll man zwei Bonbons dieser Sorte zu sich nehmen, um eine wirksame Ergänzung des Vitaminhaushaltes zu erreichen. Und auch Korkut sollte für den Freitag in die Taktiktüte greifen und zwei Stürmer für die Startformation wählen. Dadurch bekommt die Offensive die Extraportion Sturmvitamine mit Joselu und Didier Ya Konan verabreicht und das Torenaschen macht dann auch wieder Spaß.

Da die Hertha aus Berlin mit ihrem 4-5-1 Spielsystem eher defensiv ausgerichtet ist und bisher in der laufenden Spielzeit nicht gerade mit Offensivspektalen glänzen konnte, ist von den Mannen aus der Hauptstadt auch am Freitag nicht viel in Richtung Ron-Robert Zielers Tor zu erwarten. Der alten Dame reicht nach zwei Siegen in Folge ein Unentschieden in Hannover und so werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch auftreten. Defensiv tief stehend und wenig zulassend, Offensiv wohl kaum stattfindend und wenn nur im Zuge von Konter- oder Entlastungsangriffen. Ein Punkt ist für das Team von Trainer Pal Dardai beim Anblick der Tabelle schon viel Wert. Die Hertha ist mit 32 Punkten zwar noch nicht aus dem Abstiegskampf ausgestiegen, aber wohl nur noch ein Sieg wird das Verbleiben in der deutschen Eliteklasse des Fußballs ermöglichen.

Der Auftrag der Roten am Freitag ist dagegen eindeutig: Endlich mal wieder gewinnen und wenn nicht gegen einen Mitkonkurrenten im Tabellenkeller bei einem Heimspiel, wann denn dann noch in der laufenden Spielzeit? Um um also das Defensivbollwerk zu sprengen, bringen zwei Stürmer von Beginn an eine offensiv variablere und weniger auszurechende taktische Grundausrichtung. Von Beginn an mutig nach vorne spielen und die technisch versierten Sturmspitzen mit Joselu und Ya Konan sofort in Ballbesitz bringen. Den Torabschluß schnell und oft suchen sowie Standardsituationen herausspielen.

96 nützt es nichts beim Anblick der Tabelle auf Unentschieden zu spielen. Selbst eine Niederlage ist gegen die Hauptstädter zu riskieren, da in der derzeitigen Situation nur ein Dreier den gewünschten Befreiungsschlag aus dem Tabellenkeller ermöglicht. Damit dies gelingt sollte Tayfun Korkut in dieser Partie einen Sechser herausnehmen und dafür eben jenen zweiten Stürmer aufbieten.

Tayfun nimm zwei!

Doch hoffentlich erweist sich dieser mutigere taktische Griff in die Bonbonkiste nicht als Luftnummer, wie es die Verbraucherzentrale Hamburg und die hiesige Eichdirektion Nord bei den Tüten von Lutschern unserer hier mit unfreiwilliger Schleichwerbung betitelten Bonbonmarke im Mai 2011 aufgedeckt hat.

1. FC Köln – Hannover 96 oder Heim- gegen Auswärtsschlafis

Der Karneval ist seit Mitte dieser Woche zu Ende und auch in der Karnevalshochburg Köln kehrt langsam der spröde Alltag ein. Auf dem Platz hatten die Kölner zum Ende der Karnevalszeit aber nur wenig zu feiern. Etwas verkatert stehen sie wohl immer noch da, nach der Niederlage im Rheinderby gegen die Gladbacher Borussia und dem Platzsturm der eigenen Fans im Borussia-Park. Die Woche war im Zeichen des FC also mit wenig erfreulichen Nachrichten gespickt. Nun also wollen die Kölner im Heimspiel gegen die Roten wieder anfangen positive Schlagzeilen zu schreiben.

Doch es sieht nicht gut aus in der Heimat des Geißbocks. Nur einen Sieg konnten die Kölner bisher im eigenen Rund einfahren (8. Spieltag: 2:1 gegen Borussia Dortmund). Zuletzt gelang der Truppe um Trainer Peter Stöger immerhin in den letzten drei Heimspielen jeweils einen Zähler zu holen. Doch die 0:0 Spiele im Dreierpack sind natürlich zu wenig, um vorzeitig die entscheidenden Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.

Beste Chancen also für Hannover 96 bei den Heimschwachen Kölnern endlich mal Auswärts zu punkten. Doch die Roten bestechen diese Saison auch nicht gerade mit euphorischer Spielweise in fremden Spielstätten. Erst zwei Auswärtssiege (!) und damit zugleich nur sechs Punkte konnten in der Fremde mitgenommen werden.

Das 18:30 Topsiel am Samstagabend ist somit das Duell der Heim- gegen Auswärtsschlafis. Hört sich nicht gerade nach einem sehenswerten Duell an und wenn beide Teams wie zuletzt auftreten, wird dies wohl möglich erneut ein 0:0 im Rhein Energie Stadion. Was aber dagegen spricht, ist der Wille beider Mannschaften ihre sieglose Zeit endlich hinter sich zu bringen, Punkte im Abstiegskampf gut zu machen und den Konkurrenten nach unten hinein zu reißen.

Taktisch wird sich bei 96 nicht viel ändern. Tayfun Korkut schwört weiterhin auf das 4-5-1 Spielsystem. Joselu also weiterhin nur als Alleinunterhalter im Sturmzentrum. Die Hoffnung mit zwei Stürmern offensiver zu agieren und mehr Druck auf die Kölner Betonabwehr auszuüben, ist somit erst einmal vergebens. Lars Stindl verbleibt auf der Zehner Position. Mögliche Wechsel könnten auf den Außenbahnen stattfinden, wo Briand und Kiyotake zuletzt eher durchwachsene Auftritte gehabt hatten. Bittencourt wäre eine Alternative für eine der beiden Außenpositionen. Interessant wäre eine taktische Lösung mit Hiroki Sakai auf der rechten Außenbahn. Dieser könnte seine offensiven Qualitäten endlich mal zur Geltung bringen und mit guten Flanken Joselu oder einen später eingewechselten Artur Sobiech in Szene setzen. Ein Einsatz von Edgar Prib von Beginn an kommt noch nicht in Frage. Genauso wenig für den ebenfalls wieder genesenen Leon Andreasen. Beide sind nur Optionen für die letzten 20. Minuten. Umstellungen wird es aber ganz sicher im defensiven Mittelfeld geben. Durch die Gelb-Sperre von Christian Schulz wird Salif Sané für ihn die Position in der Innenverteidigung bekleiden. Neben Manuel Schmiedebach wird wohl somit Ceyhun Gülselam zum Einsatz kommen. Maurice Hirsch wäre ebenfalls eine denkbare Alternative. Taktisch passt Gülselam aber besser, da er seine Größe und Kopfballstärke sowie seine defensiven und kämpferischen Qualitäten in diesem Spiel besser zur Geltung bringen kann. Dadurch entlastet er Manuel Schmiedebach, welcher heute eher den offensiveren Part wird einnehmen können. Auf der Position des rechten Verteidigers verbleibt Joao Perreira, welcher somit zunächst einmal Hiroki Sakai verdrängt haben dürfte.

Peter Stöger stellt seine Kölner Mannschaft von einem 4-5-1 Spielsystem auf ein offensivereres 4-4-2 Spielsystem um. Mit Osako als zweiten Stürmer möchte man mehr Druck auf die Innenverteidigung der Roten ausüben und diese zu Fehlern zwingen. Ujah verbleibt trotz schwacher Leistungen im Sturmzentrum. Der Nigerianer hatte zuletzt am 15. Spieltag getroffen, ist aber mit sechs Saisontreffern der erfolgreichste Kölner Akteur. Im Mittelfeld hat Stöger keine Änderungen in Sicht, da die vierer Achse aus Halfar, Vogt, Lehmann und Risse bereits optimal eingespielt ist. Die Spezialität der Kölner dürfte ihr schnelles Konterspiel über die Außenbahnen sein.

Um endlich einen Auswärtsdreier und damit auch den ersten Sieg im neuen Jahr einzufahren, muss das Team von Trainer Tayfun Korkut durch schnelles und direktes Spiel in die Spitze auffallen. Nur so lässt sich das Kölner Defensivbollwerk aushebeln. Zudem besteht die Möglichkeit verstärkt über die Außenbahnen anzugreifen. Insbesondere die rechte Außenbahn erweist sich mit Pawel Olkowski als verwundbar. Aufpassen müssen die Roten auf die schnellen Konter der Domstädter. Hierfür eignet sich Ceyhun Gülselam optimal als defensive Absicherung. Gülselams Aufgabe dürfte es sein, die Konter der Kölner zu unterbinden und das Zentrum mit kontinuierlichem Pressing zu entlasten. So könnte ein erfolgreiches taktisches Konzept am heutigen Abend aussehen.

Hoffen wir, dass es kein langweiliges und schlaffes Spiel des Heim- gegen Auswärtschlafis gibt. Im Gegenteil, es wird Zeit für unsere Truppe endlich mal das Attribut des Auswärtsschlafis abzulegen und den Turn around einzuleiten. Die Kölner haben zuletzt viel gefeiert, es wird jetzt mal Zeit, dass die Roten endlich wieder mal feieren.

Zeit für unpopuläre Maßnahmen – Korkut feuert Felipe!

Es sieht so aus, also ob Trainer Korkut die ersten unpopulären Maßnahmen nach der grauenhaften Heimniederlage gegen den SC Paderborn trifft. Felipe wird aufgrund zuletzt schlechter Trainingsleistungen in die zweite Mannschaft versetzt. Damit setzt Korkut ein Ausrufezeichen und Signal, dass er durchaus bereit ist weitere unbequeme Maßnahmen zu treffen.

Immerhin hat Korkut mit solch einer unpopulären Methode bereits Erfolg gehabt. Ende Juni 2014 versetzte er Salif Sané in die zweite Mannschaft von Hannover 96. Dieser konnte sich immerhin innerhalb von nur fünf Monaten leistungstechnisch wieder in die erste Mannschaft und gar Stammelf zurückkämpfen. Eine Versetzung in die zweite Reihe muss also nicht gleich das Aus bei 96 bedeuten.

Wobei es für Felipe wohl insgesamt um seine Zukunft in Hannover nicht gut bestellt sein dürfte. Von vielen Verletzungen geplagt und in den bisher sehr wenigen Auftritten gerade nicht mit überzeugenden Leistungen aufgetreten, dürfte sich spätestens nach diesem Durchgriff ein Abgang des brasilianischen Verteidigers zum Sommer 2015 andeuten. Schade für ihn und schade für die Roten, da er damals für ca. 2,5 Millionen als designierter Pogatetz Nachfolger verpflichtet wurde, welcher parallel für 2,3 Millionen zum VFL Wolfsburg wechselte. Diese gesteckten Erwartungen in ihn konnte er leider nie erfüllen.

Bei fünf weiteren Innenverteidigern im Kader (Marcelo, Schulz, Sané, Hoffmann und Stankevicius) ist der Konkurrenzkampf um die zwei Positionen in der Stammelf äußerst groß, was mögliche Motivationsprobleme und Unzufriedenheit seitens Felipe erklären könnte. Durch den gelb gesperrten Ausfall von Christian Schulz am kommenden Wochenende wäre Felipe wieder eine Alternative für die erste Elf oder zumindest Ersatzbank gewesen.

Problematisch ist zudem, das Felipe in der Regionalliga nicht spielberechtigt ist, da er kein EU-Bürger ist und keine der Sonderregelungen des DFB auf ihn zutreffen. Damit kann sich der 27 Jahre alte Innenverteidiger keine weitere Spielpraxis aneignen, um sich nachträglich für die erste Mannschaft empfehlen zu können.

Interessant wird nun zu beobachten sein, wie die Mannschaft auf die Versetzung Felipes reagiert. Hat dies Auswirkungen auf die Trainingsleistungen der Akteure oder aber reagieren einzelne Profis gar nicht oder nahezu unberührt auf die disziplinarischen Handlungen des Trainers? Werden gar weitere Versetzungen in die zweite Mannschaft folgen?

Wir werden es in den nächsten Tagen erfahren. Auf jeden Fall lässt sich die Reaktion Korkuts als mutige Entscheidung charakterisieren. Hoffentlich trifft er hier die richtige(n) Entscheidung(en), denn sonst könnten sich gar solche unpopulären Maßnahmen als kontraproduktiv für den Teamgeist und die mannschaftliche Geschlossenheit auswirken. Gerade jetzt in der Krisensituation und dem bevorstehenden Abstiegskampf kommt es gerade auf diese besonderen Tugenden an.