Hauptsache weiter, egal wie! – Hannover 96 und die erste Runde im DFB – Pokal, eine Geschichte voller Missverständnisse

Hannover 96 und der DFB – Pokal: eine Erfolgsgeschichte, aber ausschließlich nur im Jahr 1992. Ansonsten gab es seitdem nur bedingt erfreuliches von den Roten im Pokalwettbewerb zu bestaunen. Negative Höhepunkte waren seitdem insbesondere die beiden Erstrunden Niederlagen gegen die Regionalligisten Eintracht Trier (Saison 2009/2010: 1:3) und SV Elversberg (Saison 2010/2011: 4:5 n.E.).

Die peinliche Darbietung beim damals von Mario Basler betreuten Triern war der Beginn des Endes von Dieter Hecking als Coach von Hannover 96. Zwar hatte es bereits schon zum Ende der Saison 2008/2009 Rückenwind für Hecking durch Presse und Fans gegeben, doch Martin Kind hielt seinerseits damals unbeirrt am Trainer fest. Nach dem Super-GAU Trier, der unglücklichen Auswärtsniederlage beim Bundesligastart bei der Hertha aus Berlin (0:1) und dem schwachen Heimauftritt gegen den Aufsteiger aus Mainz (1:1), musste Hecking seinen Hut nehmen. Offiziell wurde sein Abgang als Rücktritt verkündet, ob dieser wirklich so freiwillig war wie damals dargestellt, bleibt wohl bis heute unbeantwortet.

Auch Mirko Slomkas Stuhl geriet nach dem Aus im Elmeterschießen gegen den SV Elversberg stark ins Wanken. Doch nach den 2:1 – Auftaktsiegen gegen Eintracht Frankfurt und Schalke 04 war seine Position als Coach schnellstens wieder gefestigt. Was danach folgte ist jedem Anhänger der Roten unvergesslich in Erinnerung geblieben. Die erfolgreichste Saison aller Zeiten mit Sage und Schreibe 60 Punkten und einem sensationellen vierten Platz. In der Nachbetrachtung konnte man also die Blamage von Elversberg als „turning point“ interpretieren. Slomka und die Mannschaft konnten den Schalter erfolgreich umdrehen und ihre Spielweise des schnellen und direkten Konterspiels überragend und zielorientiert umsetzen.

Seit diesen Blamagen im Doppelpack scheint man zumindest gewarnt und nimmt die Partien der ersten DFB – Pokal Runde äußerst ernst. 2011 und 2012 zog man relativ Souverän ohne große Blöße zu geben in die zweite Runde ein (6:0 – Anker Wismar; 6:1 FC Nöttingen). Im letzten Jahr biss man sich etwas die Zähne an Victoria Hamburg aus. Ohne spielerische Ideen brachte man wenig zustande gegen die defensiv tiefstehenden Hamburger. Erst in der 69 Minute konnte Arthur Sobiech die herbeigesehnte und erlössende Führung erzielen. Ohne großen Glanz zu versprühen gelang Sczabolcs Huszti in der Schlussminute noch das 2:0. Hauptsache weiter – egal wie, war das Motto.

Und auch dieses Credo lässt sich Eins zu Eins auf den gestrigen Nachmittag übertragen. Guten Fußball und eine zufriedenstellende Leistung gab es mitnichten zu sehen. Kein schnelles Zusammenspiel, wenig Ideen und dementsprechend auch kaum herausgespielte Chancen waren gegen den Viertligisten aus dem Schwarzwald zu verbuchen. Diese witterten in der 26. Mnute gar eine Sensation, als Marcel Carl den Ball an den Pfosten schlenzte. Wie davon aufgeweckt erzielte Joselu nur drei Minuten später die erlösende Führung praktisch aus dem Nichts heraus. Spätestens ab diesem Zeitpunkt müsste eigentlich der Knoten geplatzt sein und ein nun ankündigendes Torfestival folgen. Marcelo machte es den Roten mit seiner Roten Karte jedoch nochmals unnötig schwer. Mit einer Führung gegen einen Viertligisten nach der Pause auf Konter zu spielen, ist wohl nicht so clever, vor allem wenn dies dann auch noch schief geht. In der 58. Minute machte die 96-Verteidigung ein Nickerchen und ließ Nico Hillenbrand unbedrängt zum 1:1 ausgleichen. Die Roten wirkten nach dem Ausgleich verunsichert und ließen sich unnötig unter Druck setzen. Doch trotz diesem Rückschlag konnte sich das Team von Trainer Korkut mit Kampf und Moral wieder in die Partie zurückkämpfen. Dies wurde mit einem schönen Treffer von Lars Stindl in der 76. Minute in den Winkel belohnt. Joselu konnte kurz darauf in der 79. Minute mit seinem Treffer zum 3:1 den Sack  zu machen.

Was ziehen wir aus dieser doch schwierigen ersten Runde des DFB-Pokals für ein Fazit? Eigentlich gar keins, da weder der Gegner noch der Umstand der Partie Raum für brauchbare Erkenntnisse zum Bundesligastart schafft. Das es gegen die vermeintlich „kleinen“ schwer werden wird, hat die Vergangenheit ja schon öfters bewiesen. Selten gibt es Hurra-Fußball, noch lassen sich taktische oder spielerische Erkenntnisse aus den Begegnungen von David vs. Goliath gewinnen. Erst Gegner auf Augenhöhe offenbaren klare spielerische und taktische Vor- und Nachteile. Somit wird man erst im Laufe der ersten Spieltage erkennen können, wo die Reise von 96 diese Saison hingeht. Das Marcelo mit groben Fouls und unglücklichen Spielsituationen negativ auf das Spielgeschehen eingehen kann, ist eigentlich auch keine neue Erkenntnis mehr. Ob Neuzugang Marius Stankevicius ihm den Platz in der Innenverteidigung streitbar machen kann, wird sich wohl spannenderweise in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Einzig die gute Moral, der Kampfgeist und die Geduld nach dem Ausgleich der Walldorfer kann als gutes Zeichen für die kommenden Partien gewertet werden. Inwieweit dies jedoch ein Maßstab für die Bundesliga ist, bleibt äußerst fraglich. Immerhin hat der recht teure  und in fankreisen kritisch beäugte Neuzugang Joselu einen Funken Hoffnung versprüht. Mit zwei Treffern hat er seinen Job an diesem Nachmittag hervorragend gemacht. Hoffentlich kann er diese Form und Treffsicherheit in die nächsten Bundesligaspiele mitnehmen und somit seine teure Verpflichtung rechtfertigen.

Letztlich bleibt aus der DFB – Pokal Partie nur eine wichtige und unumstößliche Erkenntnis:

Hauptsache weiter, egal wie!

Und jetzt freuen wir uns auf die Pokalauslosung der zweiten Runde am kommenden Wochenende und einer Auswärtspartie in Gelsenkirchen, Dortmund oder München…

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