Na geht doch! – Der doppelte Schulz bringt die Hoffnung zurück

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Die Roten können doch noch gewinnen! Nach zuletzt acht Niederlagen in Serie gelang am Samstag beim VFB Stuttgart endlich der erste Sieg im Jahr 2016, welcher zugleich auch der erste Erfolg für das Trainerteam um Thomas Schaaf bedeutet. Mit verändertem Spielsystem und umgestellter Mannschaft gelang Hannover 96 ein Aufbäumen, welcher dank zweier verheisungsvoller Debüts und einem treffsicheren Kapitän wieder Anlass zur Hoffnung im Abstiegskampf birgt.

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Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

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Fußball ist ein Glücksspiel ähnlich wie Roulette! Mal gewinnt man, mal verlieren die anderen. Oder um es im Jargon der Roten treffend auszudrücken: „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“!

Dabei hat man in der Winterpause bereits alles auf vollen Einsatz gefahren: Ein neues Trainerteam um Thomas Schaaf installiert, sechs Neuzugänge präsentiert und spielerische und taktische Änderungen an der Mannschaft vorgenommen. Der Einsatz schien gemacht, um das Spiel „Abstiegskampf“ erfolgreich und hoffnungsvoll anzugehen. Doch nach vier gespielten Partien ist Hannover 96 weit davon entfernt, das „Spiel zu machen“. Es stehen keine Punkte auf der Habenseite, das Trainerteam wirkt ratlos und die Mannschaft komplett verunsichert. Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

Trainereffekt bereits nach vier Spieltagen verblasst?

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Ein neuer Coach an der Seitenlinie kann ungeahnte Kräfte freisetzen, bringt neuen Schwung in die Mannschaft und motiviert die Spieler von Neuem, belebt den Konkurrenzkampf um die erste Elf, wendet andere spielerische und taktische Konzepte an, um das Maximum aus seinen Mannen herauszuholen. All dies ist Thomas Schaaf nach vier Spieltagen als Cheftrainer von Hannover 96 bisher nicht gelungen.

Der Wechsel des Spielsystems vom 4-2-3-1 auf das 4-4-2 mit Raute ist fehlgeschlagen. Die Roten besitzen keine Spieler für das favorisierte Spielsystem des Trainers. Manuel Schmiedebach ist kein offensiver Mittelfeldspieler, welcher die Fäden im Zentrum zieht, sondern eher ein klassischer, defensiver 6er. Er wirkt auf der Position des „Zehners“ unbeholfen und kann nicht die gewünschte Belebung des Offensivspiels umsetzen.

Ähnlich sieht es auch mit Hotaru Yamaguchi und Salif Sane aus. Beide sind auf der rechten Seite der Raute komplett deplatziert. Der Japaner wirkte in der Partie gegen Mainz 05 von der ersten Minute an absolut überfordert und musste folgerichtig für Salif Sane nach 35 Minuten weichen. Doch auch dem Senegalesen ist trotz hohem und bemühten Einsatz der Frust anzuerkennen. Muss er auf der ungewohnten Position ein sehr hohes Laufpensum abrufen und kann seine defensiven Qualitäten im Zweikampf auf dieser Position nur selten erfolgreich ausspielen.

Das Ergebnis der Anwendung eines Spielsystems für welches nicht die geeigneten Akteure zur Verfügung stehen, konnte man gegen Mainz 05 sehr gut bestaunen. Weder spielerisch, noch taktisch gelang Hannover 96 überhaupt irgendetwas! Schlimmer noch, wirkte das Team weitaus verunsicherter als in der Hinrunde. Das absolute Chaos regierte auf dem Platz und zeigte sich nicht nur im völlig verdienten 0:1 durch den Mainzer Jairo, sondern in der absolut bezeichnenden Szene des Spiels, als sich Bech und Yamaguchi nahe des Mittelkreises gegenseitig umrempelten.

Als Konsequenz von diesem Horror-Auftritt müsste der Trainer das Spielsystem unbedingt wieder abändern. Vergleichbare taktische und spielsystematische Fehler unterlagen bereits den Schaaf-Vorgängern Tayfun Korkut und Mirko Slomka. Insbesondere Ersterer wollte seine Elf auf Ballbesitz orientierte Spielweise trimmen, was ihm leider letztendlich den Job kosten sollte. Es geht im Abstiegskampf nicht um spielerische Finesse, sondern um eine grundlegende defensive und offensive Grundordnung, auf deren Stabilität jedes noch so kleine Erfolgsergebnis aufgebaut werden muss.

Sechs neue und nichts hat sich verändert – Die Neuzugänge sind keine Verstärkungen!

Sechs Mal präsentierte sich Geschäftsführer Martin Bader mitsamt Trikot und sechs neuen Akteuren vor der Presse. Bisher konnte sich keiner der verpflichteten Spieler als vollumfängliche Verstärkung erweisen.

Debütant Alexander Milosevic lieferte eine souveräne Premiere in der Innenverteidigung neben Christian Schulz. Er wirkte sicher auf seiner Position und konnte Abgang Marcelo zumindest eins zu eins ersetzen. Ein weiteres Fazit zu seinen Leistungen ist fairerweise noch nicht möglich.

Das Sturmduo um Hugo Almeida und Adam Szalai agiert ineffektiv. Beide wirken zwar stets bemüht, aber die Durchschlagskraft im Sturm fehlt vollkommen. Almeida konnte zwar bereits in seinem ersten Spiel ein Treffer für die Roten erzielen, blieb aber ansonsten blass. Gegen Mainz lieferte er eine ganz schwache Partie, tauchte im Spiel ab und fällte mit dem Ball am Fuß zu viele falsche Entscheidungen. Die wenig guten Torgelegenheiten vergibt er leichtfertig.

Adam Szalai arbeitet viel für die Mannschaft und ruft dabei ein hohes Laufpensum ab. Jedoch wirkt dieses Bemühen wie brotlose Kunst. Auch er konnte bisher kein Tor für 96 erzielen oder vorbereiten. Dem Ungar fehlen die Erfolgserlebnisse, da er auch schon in Hoffenheim seit über einem Jahr ohne Torerfolg blieb.

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Für den japanischen Nationalspieler Hotaru Yamaguchi scheint die Bundesliga noch zu groß zu sein. Der Neuzugang von Cerezo Osaka konnte in seinen bisherigen Bundesligaminuten kein Argument lieferen, warum Hannover 96 etwa 1,5 Millionen € für ihn nach Japan überwiesen hat. Er ist nicht gedankensschnell genug in seinen Aktionen und die Defensivarbeit in der Rückwärtsbewegung lässt zu wünschen übrig. Dies musste auch sein Nationalmannschaftskammerad Hiroki Sakai am Samstag leidlich erfahren, welchen er bezüglich der Defensivarbeit auf der rechten Seite sträflich alleine ließ. Negativer Höhepunkt seines desaströsen Heimdebüts war der Zusammenprall mit Uffe Bech Nahe des Mittelkreises. Kurz danach war für den 24-fachen Nationalspieler bereits schluss. Yamaguchi ist ursprünglich im defensiven Mittelfeld zu Hause, sodass man sein eher unglückliches Auftreten damit entschuldigen könnte, dass er nicht auf seiner angestammten Position gespielt hat. Doch weit gefehlt, Yamaguchi hat alternativ schon 44 Spiele auf der rechten Seite absolviert. Dies verrät auch die Statistik von transfermarkt.de. Mag der erfahrende Japaner noch so motiviert und bemüht im Training agieren, sind seine bisherigen Pflichtspieleindrücke doch sehr enttäuschend und bundesligauntauglich.

Aufgrund von Verletzungen konnte sich der junge Neuzugang Marius Wolf vom TSV 1860 München noch nicht präsentieren. Von einem erst 20-Jährigen Spieler aus der zweiten Liga kann man natürlich nicht sofort irgendwelche Wunderdinge erwarten. Dennoch sind die Hoffnungen auf den Linksaussen aufgrund der zuletzt schwachen Leistungen der verbliebenden Mittelfeldkräfte äußerst groß. Man wird sehen, wie sich der Bundesligadebütant in den verbleibenden Wochen in Szene setzen wird.

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Die größte Enttäuschung und das zugleich größte Fragezeichen steht hinter der Verpflichtung von Iver Fossum. Das 19-Jährige Talent aus Norwegen wechselte mit herausragenden Kritiken vieler Fachmänner und sensationellen statistischen Werten in die Bundesliga. Doch von all den Lobeshymnen ist bisher wenig zu sehen. Fossum spielte nicht eine Minute für Hannover 96 und schaffte es überhaupt erst ein Mal  in den Spieltagskader bei der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen. Obwohl er als Kiyotake Ersatz eingekauft wurde, spielt er trotz der Verletzung der Nummer Zehn keine Rolle. Thomas Schaaf berücksichtigt für ihn lieber den positionsfremden Manuel Schmiedebach, was einem zu denken gibt.

Ist Fossum in aktueller Verfassung zu schwach für die erste Elf oder hinterlässt Schmiedebach doch deutlich bessere Eindrücke im Training? Warum verpflichtet man dann ein junges Talent im Abstiegskampf, wenn man eigentlich berücksichtigen müsste, dass dieser sich erst an die neue Umgebung und das höhere, spielerische Niveau gewöhnen muss? Ein absolut fragwürdiger Transfer zu diesem Zeitpunkt, da Hannover 96 durch eben den Ausfall von Kiyotake eine sofortige Hilfe im offensiven Mittelfeld benötigt und die Verpflichtung mit einer Ablösesumme von gut 2.000.000€ auch relativ hoch ist. Für diese Summe hätte man doch besser einkaufen können! Was bleibt ist aktuell ein sehr talentierter Kicker im Kader, der allerdings Frust schiebt und den Roten bei der Mission Klassenerhalt nicht weiterhelfen kann. Eine absolute lose-lose-situation für beide Seiten!

Die Konkurrenz spielt nicht mit! – Darmstadt, Ingolstadt & Co. punkten

Die Roten verlieren Spiel um Spiel und die Konkurrenz in der Nähe der Abstiegsregion lässt gleichzeitig nichts liegen! Konnte man sich in der letzten Saison noch darauf verlassen, dass die Mitkonkurrenten VFB Stuttgart, Hamburger SV und der SC Paderborn im Tabellenkeller auch regelmäßig Punkte lassen und sich damit der Punkteabstand etweder gar nicht oder nur marginal ändert, ist dies aktuell nicht mehr der Fall.

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Der VFB Stuttgart hat sich mit fünf Siegen aus sechs Partien unter der Verantwortung von Jürgen Kramny aus der Abstiegsregion verabschiedet. Aufsteiger SV Darmstadt hat bereits zehn Punkte Abstand auf 96 und in beiden Partien gegen Hannover gepunktet. Leicht besser sieht es sogar bei den Oberbayern vom FC Ingolstadt aus, welche mit 26 Punkten in Richtung Klassenerhalt marschieren.

Alle genannten Mannschaften werden nicht mehr allzu viele Punkte bis zum 34. Spieltag liegen lassen bzw. muss 96 den bisherigen Abstand zu den Konkurrenten erst einmal aufholen, was Stand 21. Spieltag schon zum Ding der Unmöglichkeit avanciert. Verbleiben nur die unmittelbaren Konkurrenten Hoffenheim und Bremen, sowie die noch punktetechnisch erreichbaren Frankurter und Augsburger! Gegen diese Konkurrenten muss Hannover 96 gewinnen, damit eine Aufholjagd noch im Rahmen des möglichen verbleibt. Aber letztlich kann man sich nie darauf verlassen, dass eines der Kellerkinder nicht doch noch überraschend bei den Teams im oberen Tabellengefilde Zähler mitnimmt und damit jeden Versuch einer Aufholjagd zunichte macht. Die Konkurrenz wird also nicht immer mitspielen bei der Mission Ligaverbleib, aber wird es dann trotzdem noch reichen?

Rien ne va plus 96 – Nichts geht mehr im Abstiegskampf

Es scheint als ob alle Einsätze am Roulettetisch bereits frühzeitig getätigt worden sind und dabei kein Erfolg am Spieltisch zu erwarten ist. Der Trainereffekt ist sehr schnell verblasst. Die Spieler wirken aufgrund einer neuen spielerischen und taktischen Marschroute komplett verunsichert. Die Neuzugänge verbessern das Team nicht nachhaltig. Entweder sind sie zu schwach, zu unerfahren oder verletzt. Wenn nichts mehr hilft, dann hilft wenigstens die Konkurrenz? Weit gefehlt! Stuttgart, Darmstadt und Ingolstadt punkten. Augsburg und Frankfurt sind bereits auf sieben Punkte enteilt und gegen diese Mannschaften muss die Truppe von Trainer Thomas Schaaf erst selbst erfolgreich sein, um an das rettende Ufer Platz 15 überhaupt heran zu kommen. Dabei lässt sich nie ganz ausschließen, dass die genannten Clubs auch selbst überraschend gegen stärke Teams überzeugen und Zähler einsammeln.

Und so würde ein Croupier am Roulettetisch in dieser Situation zu den Verantwortlichen von Hannover 96 sagen: „Rien ne va plus – Nichts geht mehr im Abstiegskampf“

Noch nicht richtig angekommen und schon wieder weg? – Verlässt Mevlüt Erdinc die Roten im Winter?

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Alle Anzeichen stehen auf vorzeitigen Abschied! Es verdichtet sich, dass der türkische Nationalspieler Mevlüt Erdinc die Roten schon wieder im Winter verlassen wird. Erdinc wechselte vor nicht einmal fünf Monaten vom französischen Traditionsclub AS Saint-Étienne an die Leine. Der 28-jährige Stürmer galt mit der Ablöse von etwa 3,3 Millionen € als Stareinkauf in diesem Sommer und sollte die vakante Position in der Offensive vom zuvor nach England abgewanderten Joselu übernehmen.


Wenig Einsätze und keine Tore – Erdinc bleibt unter den gesteckten Erwartungen

Doch die neue Nummer 39 im Dress von Hannover 96 konnte die in Ihn gesetzten Erwartungen bisher überhaupt nicht erfüllen. Elf Spiele wettbewerbsübgreifend und kein Tor sind eine absolut enttäuschende Bilanz. Unglücklich verlief für ihn schon der Einstand bei 96. Im ersten Bundesligamatch in Darmstadt vorbereitete er zwar den ersten Treffer von Charlison Benchop durchaus gekonnt, scheiterte aber nur zehn Minuten später ziemlich kläglich bei der Ausführung eines Foulelfmeters gegen Darmstadts Keeper Christian Mathenia.

Seitdem läuft bei Erdinc nicht mehr viel zusammen. Es scheint, als ob ihn dieser verpatzte Elfmeter komplett aus dem Rhythmus gebracht hat. Vergleiche zu Joselu werden laut, welcher in der Rückrunde bei der Auswärtspartie in Hamburg ebenfalls vom Punkt vergab und danach in den restlichen Spielen nie mehr richtig in Tritt kam. Das Ende bei 96 ist auch bei ihm bekannt, so drängte die ehemalige Nummer 11 den Verein im Sommer in Richtung Stoke City zu verlassen.

Hinzu kommt, dass eine Wadenverletzung Erdinc vor seinem vierten Einsatz im Dress der Roten in Mainz stoppte. Dadurch verlor er seinen Stammplatz. Seitdem ist er nicht mehr über den Zustand des Kurzarbeiters hinweg gekommen. Sieben Mal wechselte Michael Frontzeck den türkischen Nationalspieler für die verbleibenden Schlußminuten ein. Nachhaltige Empfehlungen für weitere Einsätze oder einen Stammplatz konnte der 28-jährige dabei nicht liefern. Zuletzt stoppten ihn zudem muskuläre Probleme vor einem Kaderplatz für die Partien gegen Gladbach und Ingolstadt. Für das Spiel auf Schalke wurde er gar nicht mehr in den Kader berufen. Ist dies bereits ein Anzeichen für eine vorzeitige Trennung im Winter?

Angesichts der enttäuschenden Bilanz des Stürmers und dem eher unglücklichen Verlauf bei den Roten äußerte sich nun auch 96-Geschäftsführer Martin Bader , welcher Erdinc in der BILD Druck machte:

„Er möchte zur EM, wir brauchen die Punkte. Wir haben keine Zeit und er auch nicht. Sicherlich brauchen Laufwege und Integration Zeit, aber mittlerweile ist Dezember“

Bader fordert vom türkischen Mittelstürmer mehr Engagement im Trainingsbetrieb, wie es zuletzt auch Uffe Bech und Allan Saint-Maximin demonstriert haben:

„Die beiden haben sich reingehauen und durchgebissen. Man muss in der Trainingswoche das Gefühl haben, dass da einer den Kopf rausstreckt und sagt ‚Ich bin da, dafür habt ihr mich geholt.'“


Wechsel im Winter in die Türkei?

Gerüchte über einen möglichen Abgang von Mevlüt Erdinc in die Türkei sind bereits im Umlauf. Torku Konyaspor und sogar der türkische Meister Galatasaray Istanbul sollen nach Angaben türkischer Medien Interesse zeigen.

Pech, Verletzungen und das falsche Spielsystem verhindern den Durchbruch des ehemaligen Spitzenstürmers aus Frankreich

Es wäre sehr schade, wenn der erst neuverpflichtete Mann aus Saint-Étienne schon wieder gehen müsste. In Frankreich hat Erdinc als Profi 82 Treffer in 256 Erstligaspielen erzielt. Damit belegt er immer noch Platz zehn der ewigen Torschützenliste der Ligue 1. Für die türkische Nationalelf zeigte er sich ebenfalls treffsicher, indem er acht Treffer in 33 Länderspielen markierte. Der gebürtige Franzose mit türkischen Wurzeln weiss also sehr genau wo das Tor steht und galt jahrelang als einer der stärksten Mittelstürmer Frankreichs.

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In der Vor-Ibrahimovic-Zeit blätterte Paris St. Germain im Jahr 2009 8,50 Millionen € für Erdinc hin. Dieser zahlte diese Summe mit 15 Treffern in 31 Pflichtspielen zurück. Auch bei Stade Rennes und dem letzten Arbeitgeber aus Saint-Étienne offenbarte der 1,81m große Mittelstürmer sein Gespür für wichtige Tore.

Eigentlich – so müsste man meinen – ist es großes Glück für 96 einen solchen Spieler für sich gewonnen zu haben. Doch leider ist dies momentan überhaupt nicht der Fall.

Das liegt einerseits daran, dass die Nummer 39 seit Anbeginn seines Engagements an der Leine äußerst viel Pech zu haben scheint. Erdinc agiert unglücklich in seinen Einsätzen und oft fehlt ihm das nötige Glück und Selbstvertrauen in seinen gezeigten Aktionen. Am Ball hat er keine so schlechten Ansätze, so ist technisches Vermögen erkennbar, wie er es auch nach seiner Einwechslung in der Partie gegen den SV Werder Bremen aufblitzen ließ. Doch unglückliche Aktionen wie der verschossene Elfmeter in Darmstadt überwiegen in der Gunst der Zuschauer leider mehr und nagen an jenem Selbstvertrauen des Stürmers. Es scheint, als ob er in einer undurchdringbaren Negativspirale hängt.

Hatte er sonst schon keinen solch guten Start in Hannover, kommt noch das Verletzungspech hinzu. Seine Wadenprobleme kosteten ihm den Stammplatz und warfen ihn weiter zurück. Die muskulären Probleme vor wenigen Tagen taten hierbei ihr übriges und erleichterten die Situation für ihn keineswegs.

Die aktuell sportlich düftige Situation der Roten in der Liga, die wenig herausgespielten Torchancen und das aktuelle Spielsystem des Teams bieten ebenfalls Angriffsfläche für Kritik am türkischen Neuzugang. Wäre der Erfolg der Mannschaft vorhanden, so wäre die Kritik an Erdinc vermutlich nicht so groß, wie sie eben jetzt zu sein scheint. Man würde ihm langfristiger eine Chance einräumen. Aber wie es so oft ist, läuft es schlecht, dann sucht man sich immer schnell einen Sündenbock. Und dieser ist mit dem torlosen und teuren Stürmereinkauf schnell gefunden.

Erdinc benötigt passende Anspiele zum Torerfolg

Der 28-jährige lebt als Offensivakteur von passenden Anspielen in die Spitze bzw. offensive Schnittstelle zwischen Abwehr und gegnerischem Torhüter. In diesen Spielsituationen blüht er auf und kann sowohl seine Schnelligkeit als auch seine gute Technik auspielen. Trotz seiner nur 1,81 m ist Erdinc ein erfolgreicher Kopfballspieler. 20 seiner Treffer in der höchsten französischen Spielklasse erzielte er per Kopf.

Doch genau zu solch erfolgsversprechenden Situationen verhilft ihm das Team nicht. Hannover 96 kreiiert zu wenig Torchancen, um einen Vollstrecker Marke Erdinc zur Geltung zu bringen. Die Roten belegen mit 59 Torchancen zwar nicht das Ende der Tabelle innerhalb dieser Statistik in der Bundesliga. Aber das Team von Trainer Michael Frontzeck feuerte mit Abstand die wenigsten Torschüsse auf das gegnerische Tor ab (89 Versuche).

Es krankt also am Mittelfeld und Spielsystem der Roten, um nicht nur Erdinc sondern generell alle Stürmer mit passenden Zuspielen zu versorgen. Gerade in dieser Situation würde ein Szabolcs Huszti mit seinen gefährlichen Flanken in den Sechzehnmeterraum helfen, um den türkischen Nationalspieler in verwertbare Positionen zu bringen.

Ein zweiter Stürmer in hängender Position könnte ebenfalls die benötigten Anspiele in den freien Raum zwischen der Abwehr und Erdinc leisten. Hierzu müsste aber eine taktische Anpassung in das 4-4-2 Spielsystem erfolgen, was unter Trainer Michael Frontzeck bisher nie der Fall gewesen ist. Unter seiner Verantwortung agiert 96 stets im 4-5-1, wodurch Erdinc aber auch zuletzt Artur Sobiech als alleinige Spitze fungieren und dadurch auch oft ohne Bindung zum Spiel in der Luft hängen.

Und so ist es auch nicht groß verwunderlich, dass der Mann aus der Ligue 1 und Hannover 96 bisher nicht richtig zusammengefunden haben, da die taktische Marschroute des Teams mit einem Stürmer wie Erdinc nicht zu funktionieren scheint.

Sollte Mevlüt Erdinc 96 im Januar wieder verlassen, so ist er nicht schon wieder gegangen, sondern leider aufgrund der aktuellen Umstände niemals so richtig bei Hannover 96 angekommen…

Die Jugend bringt den Erfolg! – Bech und St. Maximin lösen die Probleme auf den Außenbahnpositionen

Mit der Einwechslung von Uffe Bech und Allan Saint-Maximin für Felix Klaus und Manuel Schmiedebach wechselte Trainer Michael Frontzeck nicht nur den späteren Sieg beim Hamburger SV ein, sondern fand womöglich auch seine bisher beste Spielformation. Im zweiten Spielabschnitt lieferte 96 nicht nur seinen besten Saisonauftritt ab, sondern konnte zum ersten Mal auch erfolgreiche Ansätze für eine funktionierende, offensive Spielkultur nachweisen.

Die Außenbahnpositionen, ein Problemfall und die verpasste Chance Offensivpotential erfolgreich zu nutzen 

Die beiden jungen Neuzugänge aus Dänemark und Frankreich verdeutlichten und lösten zugleich das aktuelle 96-Problem im 4-2-3-1 Spielsystem, an dem bisher alle Auftritte des Teams in der Saison krankten: das nicht vorhandene Offensivspiel über die Außenbahnen.

Folglich konnte sich das Team bisher wenig Torchancen erarbeiten und damit auch die Stürmer nie erfolgreich in Szene setzen. Insbesondere ein Stürmertyp wie Mevlüt Erdinc braucht starke Außenbahnspieler, welche ihn mit Flanken und klugen Pässen in die Tiefe füttern. Erst dann kann der türkische Nationalspieler seinen schon in der französischen Ligue 1 erprobten Torriecher unter Beweis stellen.

Bisher nur Fehl- und Falschbesetzungen auf den Außenbahnpositionen

Versuche mit Kenan Karamann, Felix Klaus, Edgar Prib und Leon Andreasen über diese Positionen zu agieren brachte innerhalb der bisherigen Elf Partien wenig Erfolg ein, unter anderem auch deswegen weil ein Spieler wie Andreasen keine Anlagen für ein erfolgreiches Spiel über die rechte Außenbahn besitzt. Der 32-jährige ist dafür weder dynamisch, noch schnell genug, um offensive Aktionen über die rechte Seite einzuleiten. Seine Qualitäten liegen eindeutig im eher defensiven Part, wie er sie bis dato am häufigsten auch im defensiven Mittelfeld erfolgreich ausgeführt hat. Auch dem dänischen Nationaltrainer Morten Olson, welcher Andreasen jüngst wieder für die dänische Nationalmannschaft nominiert hat, ist dieser ungeeignete Einsatz der Nummer zwei von Hannover 96 sofort aufgefallen:

„Leon spielt in Hannover nicht auf seiner besten Position. Die beste ist das defensive Mittelfeld – wie zuletzt nach der Umstellung in Hamburg gesehen. Leon ist kein Außenspieler.“

Bech und St. Maximin nutzen ihre Chance und empfehlen sich als Stammpersonal auf den Außenbahnen

Uffe Bech nutzte nach seiner Einwechslung sofort seine Chance dem Trainer zu signalisieren, dass er zukünftig eher für diese Position geeignet ist als Andreasen. Nach seinem schwachen Auftritt in Mainz und seiner danach folgenden Suspendierung und Nichtberücksichtigung, folgte ein starkes Comeback des 22-jährigen U21-Nationalspielers. Bech spielte dynamisch, schnell, technisch versiert, behauptete Bälle und verteilte diese zügig und ballsicher – Eigenschaften, welche den Roten in dieser Spielzeit bisher komplett abhanden kamen. Clever holte er den Strafstoß gegen Emir Spahic aus und sprühte auch den Rest der verbleibenden Spielzeit immer Spielfreude und Erfolgshunger aus. Damit müsste sich der Neuzugang vom FC Nordsjaelland nachhaltig für die Stammelf in der Partie gegen die Hertha aus Berlin empfohlen haben. Zu eben solchen Vorteilen auch für Andreasen, welcher auch in Hamburg deutlich besser auf der Sechser Position aufgehoben gewesen ist und dadurch wieder langfristig auf diese Position rücken könnte.

Neben Bech strahlte auch der erst 18-jährige Allan Saint-Maximin deutlich mehr offensivere Impulse aus, als zuletzt Karamann, Prib oder Klaus auf der linken Außenbahn. Der talentierte Franzose wies sein ihm nachgesagtes Potenzial auf, indem er seine starke Technik, Dribbelstärke und Schnelligkeit aufblitzen ließ. Auch er wirkte entschlossen, spielte kluge Pässe und brachte Ideen in das zuvor nicht vorhandene Offensivspiel der Roten. Zwar unterliefen ihm teils noch gravierende Fehlpässe, dribbelte er sich auch oft am Gegner fest und arbeitete noch nicht optimal defensiv mit. Dennoch, der Neuzugang vom AS Monaco machte in der kurzen Spielzeit viel Wirbel über seine Seite, war immer Anspielbereit und macht darüber hinaus viel Hoffnung für die weiteren Auftritte von Hannover 96. St. Maximin muss nach diesem gelungenen Auftritt seine Chance in der Startelf gegen die Berliner bekommen.

Mit der Jugend zum Erfolg? – Hat Michael Frontzeck die optimale Elf nun endgültig gefunden?

Der Auftritt der beiden jungen Männer auf den Flügeln macht zumindest erst einmal Mut für die kommende, wichtige Partie gegen die Alte Dame aus Berlin. Wie nachhaltig dieser positive Impuls aus dem Match gegen Hamburg ist, wird sich dann schnell in den nächsten Wochen zeigen, ob Bech und St. Maximin die defizitäre Spielkultur auf den Außenbahnen beheben können. Sollte sich dies nachweislich zumindest als kleiner Erfolg erweisen, so kann man dem Spruch von Michael Frontzeck doch etwas abgewinnen, dass die Mannschaft Zeit brauche. Mit eben dieser hätte sie sich zwar spät, aber letztlich dennoch und vor allem noch rechtzeitig gefunden. Ist der positive Impuls aus der zweiten Halbzeit in Hamburg nur ein kleiner Hoffnungsschimmer gewesen, dann muss 96 spätestens in der Winterpause handeln und neue Spieler verpflichten, welche die Offensivspielkultur auf den Flügeln beleben und die Stürmer in verwertbare Positionen bringen. Denn nur so kann Hannover 96 Spiele gewinnen und dem Abstiegsgespenst frühzeitig von der Schippe springen.