Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

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Fußball ist ein Glücksspiel ähnlich wie Roulette! Mal gewinnt man, mal verlieren die anderen. Oder um es im Jargon der Roten treffend auszudrücken: „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“!

Dabei hat man in der Winterpause bereits alles auf vollen Einsatz gefahren: Ein neues Trainerteam um Thomas Schaaf installiert, sechs Neuzugänge präsentiert und spielerische und taktische Änderungen an der Mannschaft vorgenommen. Der Einsatz schien gemacht, um das Spiel „Abstiegskampf“ erfolgreich und hoffnungsvoll anzugehen. Doch nach vier gespielten Partien ist Hannover 96 weit davon entfernt, das „Spiel zu machen“. Es stehen keine Punkte auf der Habenseite, das Trainerteam wirkt ratlos und die Mannschaft komplett verunsichert. Rien ne va plus 96? – Nichts geht mehr im Abstiegskampf?

Trainereffekt bereits nach vier Spieltagen verblasst?

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Ein neuer Coach an der Seitenlinie kann ungeahnte Kräfte freisetzen, bringt neuen Schwung in die Mannschaft und motiviert die Spieler von Neuem, belebt den Konkurrenzkampf um die erste Elf, wendet andere spielerische und taktische Konzepte an, um das Maximum aus seinen Mannen herauszuholen. All dies ist Thomas Schaaf nach vier Spieltagen als Cheftrainer von Hannover 96 bisher nicht gelungen.

Der Wechsel des Spielsystems vom 4-2-3-1 auf das 4-4-2 mit Raute ist fehlgeschlagen. Die Roten besitzen keine Spieler für das favorisierte Spielsystem des Trainers. Manuel Schmiedebach ist kein offensiver Mittelfeldspieler, welcher die Fäden im Zentrum zieht, sondern eher ein klassischer, defensiver 6er. Er wirkt auf der Position des „Zehners“ unbeholfen und kann nicht die gewünschte Belebung des Offensivspiels umsetzen.

Ähnlich sieht es auch mit Hotaru Yamaguchi und Salif Sane aus. Beide sind auf der rechten Seite der Raute komplett deplatziert. Der Japaner wirkte in der Partie gegen Mainz 05 von der ersten Minute an absolut überfordert und musste folgerichtig für Salif Sane nach 35 Minuten weichen. Doch auch dem Senegalesen ist trotz hohem und bemühten Einsatz der Frust anzuerkennen. Muss er auf der ungewohnten Position ein sehr hohes Laufpensum abrufen und kann seine defensiven Qualitäten im Zweikampf auf dieser Position nur selten erfolgreich ausspielen.

Das Ergebnis der Anwendung eines Spielsystems für welches nicht die geeigneten Akteure zur Verfügung stehen, konnte man gegen Mainz 05 sehr gut bestaunen. Weder spielerisch, noch taktisch gelang Hannover 96 überhaupt irgendetwas! Schlimmer noch, wirkte das Team weitaus verunsicherter als in der Hinrunde. Das absolute Chaos regierte auf dem Platz und zeigte sich nicht nur im völlig verdienten 0:1 durch den Mainzer Jairo, sondern in der absolut bezeichnenden Szene des Spiels, als sich Bech und Yamaguchi nahe des Mittelkreises gegenseitig umrempelten.

Als Konsequenz von diesem Horror-Auftritt müsste der Trainer das Spielsystem unbedingt wieder abändern. Vergleichbare taktische und spielsystematische Fehler unterlagen bereits den Schaaf-Vorgängern Tayfun Korkut und Mirko Slomka. Insbesondere Ersterer wollte seine Elf auf Ballbesitz orientierte Spielweise trimmen, was ihm leider letztendlich den Job kosten sollte. Es geht im Abstiegskampf nicht um spielerische Finesse, sondern um eine grundlegende defensive und offensive Grundordnung, auf deren Stabilität jedes noch so kleine Erfolgsergebnis aufgebaut werden muss.

Sechs neue und nichts hat sich verändert – Die Neuzugänge sind keine Verstärkungen!

Sechs Mal präsentierte sich Geschäftsführer Martin Bader mitsamt Trikot und sechs neuen Akteuren vor der Presse. Bisher konnte sich keiner der verpflichteten Spieler als vollumfängliche Verstärkung erweisen.

Debütant Alexander Milosevic lieferte eine souveräne Premiere in der Innenverteidigung neben Christian Schulz. Er wirkte sicher auf seiner Position und konnte Abgang Marcelo zumindest eins zu eins ersetzen. Ein weiteres Fazit zu seinen Leistungen ist fairerweise noch nicht möglich.

Das Sturmduo um Hugo Almeida und Adam Szalai agiert ineffektiv. Beide wirken zwar stets bemüht, aber die Durchschlagskraft im Sturm fehlt vollkommen. Almeida konnte zwar bereits in seinem ersten Spiel ein Treffer für die Roten erzielen, blieb aber ansonsten blass. Gegen Mainz lieferte er eine ganz schwache Partie, tauchte im Spiel ab und fällte mit dem Ball am Fuß zu viele falsche Entscheidungen. Die wenig guten Torgelegenheiten vergibt er leichtfertig.

Adam Szalai arbeitet viel für die Mannschaft und ruft dabei ein hohes Laufpensum ab. Jedoch wirkt dieses Bemühen wie brotlose Kunst. Auch er konnte bisher kein Tor für 96 erzielen oder vorbereiten. Dem Ungar fehlen die Erfolgserlebnisse, da er auch schon in Hoffenheim seit über einem Jahr ohne Torerfolg blieb.

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Für den japanischen Nationalspieler Hotaru Yamaguchi scheint die Bundesliga noch zu groß zu sein. Der Neuzugang von Cerezo Osaka konnte in seinen bisherigen Bundesligaminuten kein Argument lieferen, warum Hannover 96 etwa 1,5 Millionen € für ihn nach Japan überwiesen hat. Er ist nicht gedankensschnell genug in seinen Aktionen und die Defensivarbeit in der Rückwärtsbewegung lässt zu wünschen übrig. Dies musste auch sein Nationalmannschaftskammerad Hiroki Sakai am Samstag leidlich erfahren, welchen er bezüglich der Defensivarbeit auf der rechten Seite sträflich alleine ließ. Negativer Höhepunkt seines desaströsen Heimdebüts war der Zusammenprall mit Uffe Bech Nahe des Mittelkreises. Kurz danach war für den 24-fachen Nationalspieler bereits schluss. Yamaguchi ist ursprünglich im defensiven Mittelfeld zu Hause, sodass man sein eher unglückliches Auftreten damit entschuldigen könnte, dass er nicht auf seiner angestammten Position gespielt hat. Doch weit gefehlt, Yamaguchi hat alternativ schon 44 Spiele auf der rechten Seite absolviert. Dies verrät auch die Statistik von transfermarkt.de. Mag der erfahrende Japaner noch so motiviert und bemüht im Training agieren, sind seine bisherigen Pflichtspieleindrücke doch sehr enttäuschend und bundesligauntauglich.

Aufgrund von Verletzungen konnte sich der junge Neuzugang Marius Wolf vom TSV 1860 München noch nicht präsentieren. Von einem erst 20-Jährigen Spieler aus der zweiten Liga kann man natürlich nicht sofort irgendwelche Wunderdinge erwarten. Dennoch sind die Hoffnungen auf den Linksaussen aufgrund der zuletzt schwachen Leistungen der verbliebenden Mittelfeldkräfte äußerst groß. Man wird sehen, wie sich der Bundesligadebütant in den verbleibenden Wochen in Szene setzen wird.

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Die größte Enttäuschung und das zugleich größte Fragezeichen steht hinter der Verpflichtung von Iver Fossum. Das 19-Jährige Talent aus Norwegen wechselte mit herausragenden Kritiken vieler Fachmänner und sensationellen statistischen Werten in die Bundesliga. Doch von all den Lobeshymnen ist bisher wenig zu sehen. Fossum spielte nicht eine Minute für Hannover 96 und schaffte es überhaupt erst ein Mal  in den Spieltagskader bei der Partie gegen Bayer 04 Leverkusen. Obwohl er als Kiyotake Ersatz eingekauft wurde, spielt er trotz der Verletzung der Nummer Zehn keine Rolle. Thomas Schaaf berücksichtigt für ihn lieber den positionsfremden Manuel Schmiedebach, was einem zu denken gibt.

Ist Fossum in aktueller Verfassung zu schwach für die erste Elf oder hinterlässt Schmiedebach doch deutlich bessere Eindrücke im Training? Warum verpflichtet man dann ein junges Talent im Abstiegskampf, wenn man eigentlich berücksichtigen müsste, dass dieser sich erst an die neue Umgebung und das höhere, spielerische Niveau gewöhnen muss? Ein absolut fragwürdiger Transfer zu diesem Zeitpunkt, da Hannover 96 durch eben den Ausfall von Kiyotake eine sofortige Hilfe im offensiven Mittelfeld benötigt und die Verpflichtung mit einer Ablösesumme von gut 2.000.000€ auch relativ hoch ist. Für diese Summe hätte man doch besser einkaufen können! Was bleibt ist aktuell ein sehr talentierter Kicker im Kader, der allerdings Frust schiebt und den Roten bei der Mission Klassenerhalt nicht weiterhelfen kann. Eine absolute lose-lose-situation für beide Seiten!

Die Konkurrenz spielt nicht mit! – Darmstadt, Ingolstadt & Co. punkten

Die Roten verlieren Spiel um Spiel und die Konkurrenz in der Nähe der Abstiegsregion lässt gleichzeitig nichts liegen! Konnte man sich in der letzten Saison noch darauf verlassen, dass die Mitkonkurrenten VFB Stuttgart, Hamburger SV und der SC Paderborn im Tabellenkeller auch regelmäßig Punkte lassen und sich damit der Punkteabstand etweder gar nicht oder nur marginal ändert, ist dies aktuell nicht mehr der Fall.

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Der VFB Stuttgart hat sich mit fünf Siegen aus sechs Partien unter der Verantwortung von Jürgen Kramny aus der Abstiegsregion verabschiedet. Aufsteiger SV Darmstadt hat bereits zehn Punkte Abstand auf 96 und in beiden Partien gegen Hannover gepunktet. Leicht besser sieht es sogar bei den Oberbayern vom FC Ingolstadt aus, welche mit 26 Punkten in Richtung Klassenerhalt marschieren.

Alle genannten Mannschaften werden nicht mehr allzu viele Punkte bis zum 34. Spieltag liegen lassen bzw. muss 96 den bisherigen Abstand zu den Konkurrenten erst einmal aufholen, was Stand 21. Spieltag schon zum Ding der Unmöglichkeit avanciert. Verbleiben nur die unmittelbaren Konkurrenten Hoffenheim und Bremen, sowie die noch punktetechnisch erreichbaren Frankurter und Augsburger! Gegen diese Konkurrenten muss Hannover 96 gewinnen, damit eine Aufholjagd noch im Rahmen des möglichen verbleibt. Aber letztlich kann man sich nie darauf verlassen, dass eines der Kellerkinder nicht doch noch überraschend bei den Teams im oberen Tabellengefilde Zähler mitnimmt und damit jeden Versuch einer Aufholjagd zunichte macht. Die Konkurrenz wird also nicht immer mitspielen bei der Mission Ligaverbleib, aber wird es dann trotzdem noch reichen?

Rien ne va plus 96 – Nichts geht mehr im Abstiegskampf

Es scheint als ob alle Einsätze am Roulettetisch bereits frühzeitig getätigt worden sind und dabei kein Erfolg am Spieltisch zu erwarten ist. Der Trainereffekt ist sehr schnell verblasst. Die Spieler wirken aufgrund einer neuen spielerischen und taktischen Marschroute komplett verunsichert. Die Neuzugänge verbessern das Team nicht nachhaltig. Entweder sind sie zu schwach, zu unerfahren oder verletzt. Wenn nichts mehr hilft, dann hilft wenigstens die Konkurrenz? Weit gefehlt! Stuttgart, Darmstadt und Ingolstadt punkten. Augsburg und Frankfurt sind bereits auf sieben Punkte enteilt und gegen diese Mannschaften muss die Truppe von Trainer Thomas Schaaf erst selbst erfolgreich sein, um an das rettende Ufer Platz 15 überhaupt heran zu kommen. Dabei lässt sich nie ganz ausschließen, dass die genannten Clubs auch selbst überraschend gegen stärke Teams überzeugen und Zähler einsammeln.

Und so würde ein Croupier am Roulettetisch in dieser Situation zu den Verantwortlichen von Hannover 96 sagen: „Rien ne va plus – Nichts geht mehr im Abstiegskampf“

Eine komplette Halbserie ohne Sieg? – In Augsburg kann dies bittere Realität werden

Nach dem 1:1 gegen den SV Werder Bremen sind es bereits schon 16 Partien ohne einen Dreier. Im schwäbischen Augsburg könnte mit der 17. Partie in Folge ohne Sieg, die Negativbilanz einer kompletten Halbserie ohne Sieg erreicht werden. Das hat schon fast tasmanische Züge, welche 31 Partien am Stück ohne Sieg blieben und damit wohl den Negativrekord in der Bundesliga nahezu für immer gepachtet haben dürften. Hinter Tasmania Berlin rangieren noch BW 90 Berlin (1986/87), Dynamo Dresden (1994/95) und der 1. FC Kaiserslautern (2011/12) mit 21 Partien ohne Erfolg. Ganz so schlimm ist es und wird es bei den Roten dann letztendlich dann doch nicht sein, da sie entweder in den kommenden zwei Wochen einen Sieg einfahren oder eben den bitteren Gang in Liga zwei antreten werden müssen. Der persönliche Negativrekord kann sich also maximal auf „nur 18 Partien ohne Sieg“ erstrecken. Und trotzdem kann auch ohne Sieg in den zwei verbleibenden Spielen der Klassenerhalt erreicht werden, ja wenn…

Sieglos zum Klassenerhalt – Wenn die Konkurrenz hilft ohne helfen zu wollen

18 Spiele ohne Sieg am Stück und trotzdem noch Erstklassig? Ja, Hannover 96 könnte in dieser Saison dieses Kunststück gelingen, wenn die Konkurrenz im Tabellenkeller ordentlich mithilft. Gewinnt der SC Paderborn seine zwei schweren Spiele gegen Schalke und Stuttgart nicht, so steigen sie nach aktueller Tabelle ganz sicher ab, ohne dass 96 in den kommenden zwei Wochen etwas zählbares einfahren müsste. Rechnet man dann jedoch weiter, so fällt auf, dass die Truppe von Trainer Michael Frontzeck mindestens zwei Unentschieden aus den zwei verbleibenden Begegnungen benötigt, um nicht direkt abzusteigen. Verliert Stuttgart gegen Hamburg und holt nur ein Unentschieden gegen Paderborn, so ist mit zwei Remis der Klassenerhalt oder zumindest die Relegation für die Roten möglich. Die Frage Relegation oder direkter Ligaverbleib hängt dann vom Hamburger SV und dem SC Freiburg ab. Gewinnen oder holen die Breisgauer nicht mindestens ein Unentschieden gegen den Rekordmeister aus München, so reicht 96 eine Punkteteilung gegen die Freiburger am letzten Spieltag daheim, um den Verbleib in der ersten Liga zu sichern. Also auch zwei Unentschieden und damit die Sieglosigkeit bis zum Ende der Spielzeit muss nicht unbedingt im Abstieg münden. Dennoch macht ein Sieg aus den zwei Partien alles deutlich einfacher ohne mögliche Rechenkonstellationen durchspielen zu müssen. Es geht ja als nächstes nach Augsburg. Augsburg? Hm…da war doch was?

Ausgerechnet Augsburg! – Historiker rekonstruieren den letzten 96-Sieg

Wann war eigentlich der letzte Sieg von Hannover 96, mag sich der ein oder andere aktuell fragen. Gefühlt liegt dieser scheinbar schon eine halbe Ewigkeit zurück, sodass der ein oder andere schon einen Historiker einschalten wollte, um mit Hilfe von Archivaren und Zeitzeugen den letzten Erfolg der Roten zu rekonstruieren. Blättert man die Statistik und Datenbanken der aktuellen Spielzeit durch, so wird man am 16. Dezember 2014 fündig. An diesen kalten Dienstagabend traf Hannover 96 auf den FC Augsburg im eigenen Stadion und gewann ungefährdet mit 2:0 durch ein Kopfballtreffer von Salif Sané in der 20. Minute und einen verwandelten Foulelfmeter von Joselu in der 55. Minute. An diese Partie erinnere ich mich persönlich sehr gut, da dieser Tag als mein Debut als Blindenreporter bei Hannover 96 in die Geschichte eingehen sollte. Doch weder ich, noch Ex-Trainer Tayfun Korkut, die Mannschaft oder sonstwer hätten zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass dies der letzte Dreier für eine lange Zeit sein würde. Damals stand das Team noch auf dem achten Tabellenplatz, Hoffnungen auf die Europa League Plätze wurden laut kommuniziert und niemand hätte jemals das Wort Abstiegskampf oder gar Abstieg in den Mund genommen. Ironie des Schicksals trifft man genau fünf Monate später am 16.05.2015, surprise, surprise auf den FC Augsburg im Schwabenländle. Schließt sich hier auf den Tag genau der Kreis des Schicksals? Ein scheinbar passenderer Zeitpunkt diese Negativserie abzulegen hätte sich ein Drehbuchautor auch nicht besser ausdenken können. Und die Zeichen stehen nicht schlecht, da Hannover 96 noch nie gegen Augsburg verloren hat! Vier Siege und drei Remis stehen bei den bisher sieben ausgetragenen Duellen zu Buche. Das letzte Spiel gewannen die Roten ja bekanntlich und auch die letzte Begegnung in Augsburg ging immerhin 1:1 aus. Somit dürfte zumindest die Hoffnung auf etwas zählbares aus Nordbayern vorhanden sein. Egal, wie es ausgeht viele Möglichkeiten zum Klassenerhalt verbleiben wohl noch bis zum letzten Spieltag gegen den SC Freiburg, wo es zum alles entscheidenden Showdown kommen könnte. Die Roten packen das! Aber meiner Meinung nicht rechnerisch erst am 34. Spieltag, sondern bereits eine Woche zuvor, am 33. Spieltag in Augsburg. Die Negativserie reißt auf den Tag genau nach fünf Monaten und wieder einmal heißt der Gegner FC Augsburg!

Tayfun wirbelt weiter – Warum auf der Bank von Hannover 96 kein neuer Wind wehen sollte

Zehn Spiele ohne Sieg und nur drei Punkte in der Rückrunde durch drei magere Unentschieden erreicht. Eine negative Tordifferenz von -8 (8:16) und damit zugleich auch der letzte Platz in der Rückrundentabelle. Schwache Auftritte Auswärts in Köln und Gladbach und noch viel schlimmer die Heimpartien gegen Stuttgart und insbesondere Paderborn, also den direkten Konkurrenten im Tabellenkeller. Ja, alle statistischen und auch subjektiven Eindrücke sprechen sich wohl mittlerweile deutlich für eine Entlassung von Trainer Tayfun Korkut aus. Doch 96-Präsident Martin Kind und Sportdirektor Dirk Dufner sprechen dem jungen Trainerneuling trotz dieser Negativserie weiterhin das Vertrauen aus und glauben daran, dass der 41-jährige Coach mit dem Team die sportliche Wende schafft. Und hierfür gibt es trotz vieler Zweifler auch durchaus einige Argumente, warum eine Entlassung des Trainers aktuell kein Thema sein sollte.

1. Der Trainereffekt, mehr Mythos als Realität

Die Hoffnung mit einem neuen Übungsleiter den sportlichen Erfolg sofort wieder herzustellen ist statistisch gesehen nicht nachweisbar. Wissenschaftliche Studien von Beck und Meyer, sowie Juan de Dios Tena und David Forrest haben den Trainereffekt vor Jahren schon genauer untersucht. Beck (Uni Erfurt) und Meyer (Uni Gießen) konnten keine nachhaltige sportliche Verbesserung von Teams beobachten, welche ihren Coach innerhalb der Saison austauschten. Erhebungszeitraum waren dabei die Jahre von 1992 bis 2004. Auf ein ähnliches Ergebnis kamen auch Juan de Dios Tena und Davis Forrest bei ihrer Untersuchung in der spanischen Primera Division. Sie entdeckten lediglich, dass die Stimmung bei den Fans durch einen Austausch des Trainers verbessert werden kann. Dadurch seien prinzipiell bessere Ergebnisse in Heimspielen zu beobachten, auf Auswärtsspiele und die langfristige sportliche Entwicklung der Mannschaft habe dies jedoch keinen langfristigen Einfluss.

Psychologisch kann sich ein Trainerwechsel positiv auf einzelne Spieler auswirken. Unzufriedene oder vom vorherigen Coach ausgemusterte Profis bekommen dank des neuen sportlichen Chefs eine zweite Chance. Dies wirkt sich auf den Konkurrenzkampf in der Mannschaft aus. Die Leistung steigert sich, da jeder sich dem neuen Übungsleiter empfehlen möchte. Doch im Gesamtbild hat dieser Effekt wohl nur Einfluss auf einzelne Profis und nicht der Mannschaft im kollektiven Verbund. Denn denkbar ist durchaus auch das blanke Gegenteil dieser Intention. Der neu entfachte Konkurrenzkampf sorgt für schlechte Stimmung und zusätzlichen Leistungsdruck im Team. Es kommt hier also tatsächlich auf den Trainer und seine Führungs- und Menschenkompetenz an, denn die falschen Ansätze zum falschen Zeitpunkt können die sportliche Misere nachhaltig sogar noch verschlimmern.

Der Austausch des Fußballlehrers wird subjektiv von Fans immer als Handlung in eine positive Richtung gedeutet, da die erfolgreichen Trainerwechsel hier immer als Beispiel angeführt werden. Klar, erfolgreiche „Feuerwehrmänner“ wie Hans Meyer, Huub Stevens oder ja auch Mirko Slomka sind einem aufgrund ihrer erfolgreichen „Rettungstaten“ immer im Gedächtnis. Aber es gibt auch viele Gegenbeispiele wie zuletzt Christoph Daum bei der Eintracht aus Frankfurt, Otto Rehagel in Berlin oder Jörg Berger einst am letzten Spieltag in Bielefeld geholt, welche den sportlichen Absturz in die Zweitklassigkeit nicht mehr verhindern konnten. Dank der Medien und ihrer Glorifizierung von „Rettern“ sind uns aber nur diese ständig im Gedächtnis verblieben.

2. Ist der Trainer wirklich Schuld an der sportlichen Misere oder wird er nur als öffentlicher Sündenbock benutzt?

Verknüpft mit dem Trainereffekt ist immer die Ansicht von Fans, dass der entlassene Trainer wirklich Schuld an der sportlichen Talfahrt hat. Aber ist dies wirklich so? Kann man in diesem Fall Tayfun Korkut  die Schuld am aktuellen Misserfolg geben oder wird er hier lediglich als öffentlicher Sündenbock für die negative sportliche Entwicklung von Hannover 96 benutzt? Dieser Frage wäre interessanter Weise einmal nachzugehen. Ob man hier jedoch zu einer subjektiven und fundierten Analyse kommen könnte, ist mehr als fraglich, da man die vielen Gründe für oder gegen einen sportlichen Übungsleiter nur schwer aufwiegen kann. Vor allem uns Fans und Beobachtern fehlt hier der Einblick in die internen Abläufe des Vereins, wodurch sicherlich eine bessere Bewertung des Trainers und seines gemachten Jobs geäußert werden kann.

Pro Argumente für das Bild des Coaches als Sündenbock wird seitens vieler Fans immer genannt, dass der Trainer ja schließlich für die sportliche Entwicklung seiner Mannschaft verantwortlich ist. Er stellt die Elf jede Woche auf und trainiert sie ja täglich. Wer, wenn nicht er hat Schuld daran, dass die balltretenden Akteure nicht die gewünschten Ergebnisse liefern? In gewisser Weise kann man sich die Welt des runden Leders so ganz einfach erklären, doch wie wäre es einmal die Rolle des Managers bzw. Sportdirektors zu hinterfragen. Welche Rolle spielt dieser im Zusammenhang für den drohenden Abstieg? Hat er die richtigen Spieler verpflichtet? Wurden die falschen Kicker verkauft? Welche Entscheidungen trägt er gemeinsam mit dem Trainer und ist somit gewissermassen gleich schuldig für die laufende Misere? Doch nicht nur die Verantwortlichen an der Seitenlinie und Tribüne sind in diesem Zusammenhang kritisch zu betrachten, sondern vor allem auch die Akteure auf dem Rasen.

Der Chefcoach kann einen noch so hervorragenden Job machen und alle ihm dargebotenen Möglichkeiten voll ausschöpfen, doch wenn seine Spieler dies nicht umsetzen können oder gar wollen, sind ihm sprichwörtlich die Hände gebunden. Er verliert seinen Job und wird zum Sündenbock degradiert, obwohl es sich hier anbieten würde, die Rolle der Spieler und ihrer Handlungen am Misserfolg genauer zu untersuchen. Doch spätestens an diesem Punkt sind wir wieder da angelangt, nur schwer eine fundierte Analyse und Bewertung der Situation durchführen zu können. Wie sich also offensichtlich darstellt ist es äußerst schwer jemanden die Schuld für aufkommenden sportlichen Misserfolg zu geben. Somit kann hier weder der Trainer, der Manager, noch die Spieler als Schuldige für irgendetwas herangeführt werden. Fußball ist ein Mannschaftssport (3€ ins Phrasenschwein) und dementsprechend gibt es keinen einzelnen Sündenbock, sondern wenn überhaupt ist die Verantwortung bei allen beteiligten Personen zu suchen. Das Kollektiv steht und fällt gemeinsam. Trotzdem machen es sich es die Medien und Fans immer einfach einen Schuldigen für den Abwärtstrend zu ersuchen und das ist in den meisten Fällen immer der Trainer. Zu Unrecht, wie die Betrachtung an dieser Stelle hoffentlich verdeutlichen konnte.

3. Neuer Trainer? – Doch wer soll und will es überhaupt machen?

Nun gut, also soll der Trainer trotz aller Unkenrufe dennoch gefeuert werden? Ok, aber wer soll der Nachfolger werden? Bei dieser Frage muss man den Trainermarkt sondieren und fragen, wer ist überhaupt verfügbar und wer möchte die Mission antreten? Bei aller Romantik, aber kein verfügbarer Coach wird die Roten aus Liebe zum Verein und seiner tollen Tradition und Fans übernehmen. Es geht wie immer um Ca$h, vertragliche Privilegien und die Perspektive und Macht im Verein. Die Verpflichtung eines neuen sportlichen Übungsleiters kann sich als äußerst kostspielig erweisen. Vor allem in der jetzigen Drucksituation vor dem Ende der Saison sind die designierten „Feuerwehrmänner“ in einer optimalen Verhandlungsposition. 96 und andere Vereine sind der Situation ausgeliefert, den Forderungen der zukünftigen Trainer nachzukommen. Niemand braucht sich also hinterher wundern, warum dieser oder jener Trainer mit exorbitanten Abfindungszahlungen bei der nächsten Entlassung vergütet wird oder wieso der aktuelle Chef an der Seitenlinie dank einer ausgehandelten Ausstiegsklausel nun sofort den Abgang zu höheren sportlichen Herausforderungen antreten kann.

Aber nun Butter bei die Fische! Wer würde als Nachfolger in Frage kommen? Keine Ahnung, schauen Sie doch mal selbst den Kreis der üblichen Verdächtigen an und fragen sie sich dann, ob einer der gelisteten oder genannten Kandidaten aus welchen Gründen auch immer eine bessere Alternative als Tayfun Korkut darstellen würde. Mir persönlich würde zunächst nicht in den Sinn kommen, den einen oder anderen Namen verpflichten zu wollen. Ich sehe keine potentiellen Kandidaten, welche einen deutlich besseren Job als Korkut machen könnten. Fernab davon, ob der Auserwählte dieses Amt auch übernehmen möchte und natürlich wiederum zu welchen Konditionen…

Die Sport Bild schreibt, dass Jos Luhukay der Favorit auf eine Nachfolge Korkuts sei. Verliert er das Spiel am Samstag in Frankfurt, so sei seine Entlassung obsolet und Luhukay stünde quasi in den Startlöchern zu übernehmen. Ob er eine deutlich bessere Lösung für die Aufgaben an der Seitenlinie wäre? Nun ja, Luhukay ist ein erfahrener Trainer und hat mit Augsburg das Thema Abstiegskampf bereits erfolgreich gemeistert. Zudem kennt er sich mit dem Aufstieg in die Bundesliga bestens aus, da er bereits Gladbach, Augsburg und die Hertha aus Berlin erfolgreich ins Oberhaus gebracht hat. Für Hannover 96 wollen wir aber hoffen, dass diese Kernkompetenz von ihm nicht zum Einsatz kommt. Doch wenn es denn auf den 51-jährigen Niederländer oder einen doch einen anderen Fußballlehrer hinauslaufen sollte, was sollte dieser großartig verändern können. Damit sind wir auch schon bei Argument Nummer vier gegen eine Ablösung Korkuts gelandet…

4. Ein neuer Trainer steht in den Startlöchern – Doch was soll anders werden?

Vorausgesetzt ein neuer Fußballlehrer tritt sein Amt bei den Roten an. Was soll dieser sprungartig verändern können im Vergleich zu Tayfun Korkut? Bei dann noch acht zu absolvierenden Begegnungen kann ein neuer Trainer nicht mehr allzu viel Einfluss auf das bereits eingespielte und taktisch ausgerichtete Team nehmen. Natürlich kann ein Coach jederzeit die Aufstellung und Taktik nach seiner Vorstellung ändern und anpassen. Doch hat er hierfür auch die geeigneten Spieler? Können sich die Profis auf eine andere taktische Ausrichtung auch schnell anpassen? Dies sind die entscheidenden Fragen, an welchen der ein oder andere neue Mann an der Seitenlinie bereits schnell wieder gescheitert ist. Es nützt nichts ein anderes taktisches System einführen zu wollen, wenn die Qualität an Spielern zur Umsetzung fehlt oder die Spieler die taktischen Vorstellungen nicht umsetzen können. Bedenkt man, dass jedes Team bereits eingespielte Systeme beherrscht und die Laufwege auch bereits einstudiert und abgestimmt sind, macht es nur wenig Sinn an diesen Automatismen wenige Wochen vor Saisonschluss herumzudoktern. Mögliche konditionelle Rückstände einiger Spieler können zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr umfassend behoben werden. Im Gegenteil, könnte sich das intensive Erarbeiten von Kondition und Fitness zu Lasten von körperlicher Frische im Saisonentspurt gehen. An was könnte ein neuer Übungsleiter nun also arbeiten, um eine Verbesserung der Elf im Vergleich zu seinem Vorgänger zu kommen?

Nun, er könnte seine Mannschaft eventuell besser motivieren und seine psychologischen und menschlichen Fähigkeiten nutzen, um die letzten mentalen Reserven seiner Mannen zu mobilisieren. Vor allem ältere und erfahrene Trainer sowie ehemalige erfolgreiche Spielerpersönlichkeiten dürften für diese Methodik am besten geeignet sein. Können sie auf die bereits selbst gemachten Erfahrungen in kritischen Phasen als Profisportler zurückgreifen und somit das richtige Rezept zur richtigen Zeit zur Hand haben. Authentizität ist gefragt, da der verkehrte Einsatz von Küchenpsychologie zum falschen Zeitpunkt wohl auch an dieser Stelle eher zu gegenteiligen Ergebnissen führt.

Ansonsten aber existieren keine Patentrezepte für den klassischen Neucoach, wonach dieser seine Handlungen und Ziele mit der Mannschaft anpassen könnte. Möchte er die spielerische und taktische Ausrichtung komplett umwälzen, so muss er das Risiko in Kauf nehmen mit diesem Anspruch zu scheitern oder erst nach längerer Zeit die Früchte seiner Arbeit ernten zu können. Doch diese Zeit gibt es nicht für den neuen Cheftrainer. Dieser muss erstmal kurzfristige Erfolge liefern. Seine langfristigen Investitionen in seine Elf sind zu aktuellen Zeitpunkt komplett irrelevant. Dementsprechend verbleibt einem neuen Fußballlehrer also meistens auch nicht viel mehr als an den bereits vom Vorgänger angesetzten Schwachpunkten der Mannschaft zu arbeiten. Das heißt im Klartext: Standards üben und das Verhalten bei gegnerischen Standards verbessern, Zweikampfverhalten trainieren, Abseitsfalle optimieren, Konter- und schnelles Umschaltspiel intensivieren…und so weiter…und so weiter.

Ist vielleicht der vorherige Trainer schon an diesen eher grundlegendern Ansprüchen gescheitert? Möglicherweise, dies muss im Einzelfall immer genauer betrachtet werden. Bei der von Tayfun Korkut trainierten 96-Elf sind allerdings Schwächen in den aufgezählten Trainingsbereichen im großen Umfang eher nicht zu erkennen. Also was soll ein neuer verantwortlicher Cheftrainer in so kurzer Zeit viel ändern können, als es Korkut wohl schon bereits selbst getan hat?

5. Kontinuität statt Rotation – langfristige Arbeit schafft Erfolg

Jahrelang schwärmte Martin Kind in vielen Interviews vom sogenannten „Bremer Modell“. Die Kontinuität auf dem Manager- und Trainerposten mit damals Klaus Allofs und Thomas Schaaf wurde vom 96-Präsident immer lobend hervorgehoben und als Schlüssel für die erfolgreichen Jahre der Bremer von 1999 – 2008 genannt. Mit Hannover 96 wollte er sich ein Beispiel an Strukturen der Werderaner nehmen und ebenfalls die Posten des Trainers und Sportdirektiors langfristig besetzen. Fast hätte dies mit dem Duo Slomka und Schmadtke ja auch bestens geklappt.

Möchte man Tayfun Korkut die Chance bieten langfristig eine Mannschaft mit Perspektive aufzubauen, so muss man jetzt auch in der kritischen Phase zu ihm stehen und Ruhe bewahren. Korkut besitzt als Cheftrainer noch nicht allzu viel Erfahrung und dies ist erst seine erste Saison in umfassender Verantwortung. Zuvor hatte er ja bereits das Team ein halbes Jahr trainiert, dieses aber von Mirko Slomka übernommen. Möchte man langfristig von der Arbeit Korkuts profitieren, so muss man ihm die Chance einräumen der Mannschaft seine Handschrift verleihen. Dies klappt scheinbar noch nicht, aber Korkut lernt innerhalb dieser kritischen Phase als Trainer ja auch und wird dadurch auch Anpassungen am Team und seinen Zielen mit seiner Mannschaft durchführen. Das er fähig ist mit Druck umzugehen und die sportliche Talfahrt zu stoppen, hat er ja bereits im letzten Jahr beweisen können. Nach der 0:3 Auswärtsklatsche im Derby gegen Braunschweig hat Korkut auch die richtigen Maßnahmen gefunden, um den Klassenerhalt zu sichern. Warum sollte ihm dies nicht noch einmal gelingen? Also Ruhe bewahren und auf Kontinuität auf der Trainerbank setzen. Nur so stellt sich langfristiger Erfolg ein, welcher letztlich nachhaltiger und gewünschter sein sollte.

Fazit:

Tayfun sollte weiter Wirbeln auf dem Posten des Teamcoaches! Ein frischer Wind auf der Trainerbank bringt nachhaltig keinen längerfristigen Erfolg. Der Trainereffekt ist statistisch nicht nachweisbar und kann sich im ungünstigsten Falle sogar als sportlicher Bumerang erweisen. Beispiele von Daum, Rehagel & Co gibt es zur Genüge. Der Trainermarkt gibt aktuell nur wenig interessante Alternativen her und ob diese auch sofort einsteigen wollen und zu welchen Konditionen ist ein unbeschriebenes Blatt. Zudem: Was kann ein neuer Trainer in den verbleibenden acht Wochen noch großartig am Auftreten der Mannschaft ändern?  Liegen in den möglichen Änderungen des neuen Trainers tatsächlich die Fehler und Defizite des alten Coaches? Und ist der aktuelle Fußballlehrer Korkut tatsächlich schuld an der sportlichen Talfahrt Richtung Abstiegsränge oder dient er nur als einfacher Sündenbock für Medien und Fans in der sportlich präkeren Situation? Sicherlich keine leicht zu beantwortenden Fragen. Doch möchte man Kontinuität auf der Trainerposition etablieren und diesem ermöglichen langfristig eine Mannschaft aufzubauen, so muss man dem Trainerneuling Korkut auch in dieser kritischen Phase das Vertrauen aussprechen und ihm ermöglichen seinem Team eine Handschrift zu verpassen. Möge er dabei Erfolg haben, sonst steht der nächste Feuerwehrmann zum Löschzug schon bereit…

Europa League ade – Herzlich Wilkommen im Abstiegskampf

Herzlich Willkommen im Abstiegskampf Hannover 96! Das muss man leider nach dem gestrigen, schwachen Auftritt gegen den SC Paderborn titulieren. Nach zuletzt eher guten Auftritten und viel Pech, war das gestrige Heimspiel das absolute Gegenteil davon. Zu harmlos offensiv, ideenlos im Spiel nach vorne und mit vielen katastrophalen Fehlern hat man den taktisch disziplinierten Paderbornern den ersten Saisonsieg im Jahr 2015 beschert. Und diese haben spielerisch bei weitem nicht viel zustande gebracht, aber dafür defensiv auch nicht viel zugelassen. Die Roten haben die Paderborner Defensive aber auch kaum auf die Probe gestellt.

Was nützt es wenn man ca. 63 % Ballbesitz im Spiel hat, aber mit dem Ball in den eigenen Reihen nicht viel anzufangen hat. Der Ballbesitz orientierte Fußball von Trainer Tayfun Korkut zeigt keine Wirkung, da sowohl die Kreativität im Mittelfeld als auch die Schnelligkeit im Angriff fehlt, um aus diesem Vorteil Kapital zu schlagen. Hinzu kommen dann noch viele kleine, individuelle Fehler, welche der Mannschaft endgültig den Rest geben. So lässt der Neuzugang Joao Perreira in der 71. Minute Florian Hartherz unebedrängt über die rechte Seite Flanken und Miiko Albornoz nimmt den Zweikampf gegen den erst eingewechselten Srdjan Lakic nicht an. Nicht nur der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt unnötig und eigentlich aus dem nichts heraus, viel ärgerlicher ist eher der Fehler von Ron-Robert Zieler beim 1:2 durch Alban Meha. Der Freistoß aus 25 Metern kommt genau auf Zieler und war eigentlich nicht so platziert getreten, welcher den Ball wegfausten oder mit einer Hand übergreifen könnte. Durch den Patzer Zielers geriet das Team 10 Minuten vor Schluss auf die Verliererstraße. Ohne Zieler diesen Torwartfehler groß ankreiden zu wollen, aber leider muss man anmerken, dass er zuletzt bei Freistößen oftmals nicht gut aussah. Mit viel Hektik und ohne Plan ließ sich in den verbleibenden zehn Minuten nicht mehr viel erreichen.

Paderborn gelingt ein kleiner Befreiungsschlag und zieht damit 96 in den Abstiegskampf. Vier Punkte Abstand sind es noch auf Platz 16. In den nächsten zwei Partien gegen Köln und Stuttgart ist die Mannschaft unter Zugzwang unbedingt zu punkten, da sonst ungemütliche Wochen für die Verantwortlichen bevor stehen. Die ersten Stimmen gegen den Trainer werden schon im Stadion und Fanforen laut. So ist leider das Geschäft des Fußballs, wenn Erfolge ausblieben, ist der Trainer sofort in der Schusslinie.

Die aktuelle Situation erinnert sehr an die Saison 2008/2009. Auch damals hatte der damalige Sportdirektor Christian Hochstätter mit großen Investitionen wie heute Dirk Dufner die Mannschaft mit Namen wie Jan Schlaudraff, Mario Eggimann und Mikkael Forsell verstärkt. Heraus kam in diesem Jahr nur ein enttäuschender elfter Platz und zeitweise geriet das Team von Trainer Dieter Hecking gar in Abstiegsnöte. Auch in diesem Jahr wird gemessen an den Investitionen der sportliche Erfolg deutlich unter den Erwartungen bleiben.

Hoffentlich nicht so deutlich, dass am Ende gar der Abstieg droht. Denn wer es bisher noch nicht verstanden hat, Hannover 96 befindet sich jetzt im Abstiegskampf! Und hoffentlich wissen dies nicht nur die Fans und die Verantwortlichen, sondern vor allem die Spieler, welche jetzt den besagten Kampf im Wort Abstiegskampf annehmen müssen.

Hannover 96 – SC Paderborn – Das Spiel der Saison? – Aber ja!

Spiele gegen Hamburg, Bremen oder namhafte Mannschaften wie Bayern, Dortmund oder Schalke werden von Fans und Medienvertretern gerne als besonders wichtige Spiele oder Saisonhighlights gesehen. Selbstverständlich haben großartige Spiele und insbesondere Siege gegen die Bayern oder lokale Konkurrenten immer einen besonderen Reiz und machen uns Fans unglaublich viel Spaß. Dies wird sich in der Wahrnehmung zukünftig auch nicht großartig ändern. Muss es natürlich auch überhaupt nicht, obwohl diese Partien wie jedes andere Spiel im optimalen Fall auch nur drei Punkte einbringen.

Anders ist es beim morgigen Duell gegen die Ostwestfalen aus Paderborn auch nicht. Auch dieses Bundesligaspiel ist lediglich ein Match um drei Punkte gegen einen vermeintlich auf dem Papier etwas unattraktiv wirkenden Aufsteiger. Bei allem Respekt vor der bisherigen Leistung des Teams um Trainer André Breitenreiter, aber natürlich ist das Interesse um den Gegner Paderborn bei weitem nicht so groß, wie es bei den oben genannten Konkurrenten in der Bundesliga ist. Dieses Aufeinandertreffen also als potentiell wichtigstes Spiel des Jahres zu titulieren ist äußerst gewagt und aus der Sicht vieler Fußballinteressenten wohl vollkommen übertrieben.

Aber ja! Ein Blick auf die heutige Bundesligatabelle verrät uns für beide Teams, dass es in dieser Begegnung um sehr viel, vielleicht schon um alles geht! Die morgige Partie zeigt einen Trend für den weiteren Verlauf der Saison für beide Mannschaften und offenbart, ob die zu Beginn der Saison gesteckten Ziele erreicht werden können.

Klartext: Abstiegskampf oder Befreiungsschlag!

Aus Sicht der Roten sichert ein Sieg gegen die Paderborner einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Liga. Platz zehn um genau zu sein, wird es wohl auch nach diesem Spieltag sein. Aber dann mit vier Punkten Abstand auf den elften Rang mit dem 1.FC Köln. Wichtiger ist aber natürlich das dann entstandene sieben bis acht Punkte (abhängig ebenfalls von der Partie Hertha BSC Berlin vs. SC Freiburg am morgigen Sonntag) Polster auf den Relegationsplatz. Zwar ist es noch etwas voreilig dies zu sagen, aber bei noch 14 zu spielenden Runden dürfte dies dann bereits der große Schritt zum Klassenerhalt sein. Mehr noch würde ein Sieg das Team um Trainer Tayfun Korkut mit vier Punkten Abstand sofort wieder in eine realistische Schlagdistanz zu Platz sechs und damit Bayer 04 Leverkusen bringen. Der Traum von der Europa League wäre wieder greifbar nahe und aus eigener Kraft umsetzbar. Eine Niederlage dagegen wäre absolut Fatal und würde den Abstand zum Relegationsplatz 16 auf zwei bis drei Punkte verringern. 96 wäre im Abstiegskampf angekommen und wäre nahezu angehalten in den gleich zwei darauffolgenden Spielen gegen direkte Konkurrenten im Tabellenkeller wie Köln oder Stuttgart zu punkten. Da hiernach ein Hammerprogramm mit Bayern, Mönchengladbach und Borussia Dortmund wartet – also die obligatorischen Saisonhighlights :).

Auf die Gäste aus der Region Ostwestfalen-Lippe trifft eine ähnliche Prognose zu. Mit 0:8 Gegentoren und lediglich einem Punkt in die Rückrunde gestartet, muss der Aufsteiger langsam beginnen Tore zu schießen und zu Punkten. Denn die folgenden drei Partien des SC lassen nicht gerade viel Hoffnung auf viele Punkte aufkeimen. Mit Spielen gegen Bayern, Gladbach und Leverkusen wartet eine große sportliche Herausforderung auf die blau-schwarzen. Wollen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlagen da stehen, so müssen sie wohl vor allem erst einmal alles daran setzen Morgen gegen 96 zählbares einzufahren. Dementsprechend offensiv und agressiv müssten sie Morgen eigentlich auftreten. Ein Sieg würde ihnen 23 Punkte bescheren und sie zunächst auf Platz 13 hieven. Damit wäre für die Mannen von André Breitenreiter noch nicht viel erreicht, aber sie könnten ja damit 96 unten mit hinein reißen. Jeden einzelnen Punkt zu erkämpfen und es bis zum Schluss spannend zu halten, dürfte hier wohl das primäre Ziel des Aufsteigers sein.

Ein Unentschieden wird es aller Wahrscheinlichkeit wohl nicht geben, da beiden Teams ein Punkt tabellarisch nichts einbringt. Demnach müsste ein offensives und zielstrebiges Spiel zu erwarten sein. Beide Mannschaften stecken in einer kleinen Krise und wollen sich möglichst schnell aus dieser heraus arbeiten, da sich sonst schnell ein kleiner Negativtrend zu einer wirklich echten Krise entwickeln kann. Welche Dynamiken dies schnell auf die Position eines Trainers hat, brauche ich wohl an dieser Stelle kaum zu verdeutlichen.

Wie sich abschließend resümieren lässt, erwartet uns Morgen also gemäß aller genannten Faktoren das Spiel des Jahres für beide Mannschaften, da der Ausgang des Matches richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Saison und die gesteckten Ziele beider Teams sein wird. Die Lücke und Distanz zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte wird Morgen ausgespielt. Nutzen die Roten die Chance den Abstand zum Relegationsplatz auszubauen und die Europa League wieder langsam anzuvisieren oder erwartet uns in den nächsten Wochen das Abstiegsgespenst?

Hopp oder top! Wir werden es Morgen erfahren, hoffentlich mit einem positiven Ausgang für unser Team aus Hannover.

Pleiten, Pech und Pannen in Hamburg – Als säße Max Schautzer in der Regie eines kuriosen Fußballabends

Wieder gut gespielt, den Gegner weitestgehend im Griff gehabt und trotzdem keine Punkte mitgenommen! Dabei die große Chance zur frühen Führung durch einen kläglich verschossenen Elfmeter nicht genutzt und als wäre dies nicht bereits genug, hat man sich durch ein kurioses Eigentor selbst auf die Verliererstraße gebracht.

Ja, das Spiel der Roten am Samstagabend in Hamburg verdient die Bezeichnung Pleiten, Pech und Pannen. Man glaubte als Zuschauer seinen Augen nicht, was da 90 Minuten auf dem Rasen abging. Der Hamburger SV profitierte von einer 96-Elf, die sich durch eigenartige individuelle Fehler selbst schlug. Am liebsten wäre einem, wenn Max Schautzer höchst persönlich auf den Rasen treten und uns allen erklären würde, dass es sich hier um eine weitere Ausgabe der ehemaligen ARD Show handelt. Genügend Stoff für ein Revival oder Bundesligaspezial bot die Partie allemal. Auch wenn das Sky-Topspiel für den neutralen Zuschauer durchaus einiges an Unterhaltung bot, dürfte sich die Freude der 96-Fans und Vereinsverantwortlichen dennoch in Grenzen halten.

Es wird langsam eng in Richtung der unteren Tabellenhälfte und von Europa League mag zunächst auch keiner mehr sprechen. Jetzt zählen zunächst nur noch dreckige Arbeitssiege und weniger spielerische Elemente, welche die Mannschaft insbesondere in der zweiten Spielhälfte an den Tag legen konnte. Nächsten Sonntag kommt es zum bereits wichtigen S-Bahn Derby gegen den SC Paderborn. Hier müssen nun die wichtigen Punkte eingefahren werden, um nicht doch noch mit den unteren Rängen der Bundesligatabelle in Berührung zu kommen. Trainer Tayfun Korkut zeigte sich im Interview nach der Partie auch ohne Punkte sehr zuversichtlich und betonte, dass er auch die nächsten Spiele mit der selben taktischen Ausrichtung beginnen wird. Hoffen wir, dass sich die Mannschaft dann endlich für Ihren Einsatz und Ihre offensiv betonte Spielweise belohnt. Aber solch einen Pleiten, Pech und Pannen Abend wie in Hamburg wiederholt sich wohl so schnell auch nicht wieder.