Kann er, darf er oder muss er sogar spielen? – Das Mysterium um den italienischen Pass bei Felipe

Das Mysterium um den italienischen Pass – hat er ihn oder hat er ihn nicht? Das ist seit Montag die Frage, als Trainer Tayfun Korkut sich entschloß Felipe bis auf weiteres zum Trainingsbetrieb der zweiten Mannschaft zu schicken.

Das Dokument ist entscheidend dafür, ob Felipe auch Pflichtspiele für die U23 der Roten bestreiten kann. Nur EU-Bürger dürfen laut DFB-Satzung in der Regionalliga eingesetzt werden. Der mögliche Besitz des italienischen Passes wird also zum wichtigen Kriterium für weitere Spielpraxis und darüber hinaus auch für die Möglichkeit sich für 96 oder andere Vereine langfristig zu empfehlen.

Im Transfermarkt.de Profil von Felipe wird unter dem Punkt Nationalität die brasilianische und die italienische Staatsbürgerschaft aufgeführt. Bei Hannover 96 weiss man allerdings nichts von einem italienischen Pass. Dieser liegt der Vereinsführung angeblich nicht vor, wodurch eine Anmeldung für den Spielbetrieb beim Niedersächsischen Fußballverband nicht möglich ist. Auf Anfrage von NP Redakteur Andreas Willeke in der gestrigen Pressekonferenz antwortete Sportdirektor Dirk Dufner: „“Wir haben den Pass nicht vorliegen“. „Wir können ihn nicht spielberechtigt machen “ (Zitat Dufner ab Minute 14:58).

In der BILD Ausgabe von Gestern kommt Felipes Berater Thomas Solomon zu Wort, welcher nochmal bekräftigt das der brasilianische Profi auch einen italienischen Pass besitzt. Dabei wundert er sich, das Hannover 96 selbst keine Kenntnis davon hat, obwohl Sie ihn ja verpflichtet haben. Generell gibt Solomon der BILD zu verstehen, dass er nächste Woche nach Hannover kommen will, um den Vorfall mit seinem Klienten Felipe zu besprechen. Selbst eine Klage gegen die Versetzung in die U23 sei demnach nicht mehr auszuschließen.

In der heutigen BILD Ausgabe bemühen sich die BILD Redakteure Lars Beinke und Tobias Manzke Licht in das Mysterium um den italienischen Pass von Felipe zu bringen. Nach ihrer Recherche besitzt Felipe zwar einen italienischen Pass, dieser sei aber abgelaufen und damit ungültig. Dies sei auch der Grund, warum 96 ein Visum für den Verteidiger für das Wintertrainingslager in der Türkei beantragen musste.

Eine Anmeldung beim NFV ist erst durch einen erneuerten italienischen Pass möglich. Diesen muss Felipe oder sein Berater zunächst beantragen. Bis dahin wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen, sodass nicht mehr mit vielen Einsätzen bei Hannover II zu rechnen ist.

Ja, er dürfte also auch generell in der zweiten Mannschaft auflaufen. Kann dies momentan aufgrund der Passproblematik aber nicht tun. Und ob er überhaupt spielen soll oder vielleicht sogar muss, bleibt wiederum eine andere ungeklärte Frage.

Zeit für unpopuläre Maßnahmen – Korkut feuert Felipe!

Es sieht so aus, also ob Trainer Korkut die ersten unpopulären Maßnahmen nach der grauenhaften Heimniederlage gegen den SC Paderborn trifft. Felipe wird aufgrund zuletzt schlechter Trainingsleistungen in die zweite Mannschaft versetzt. Damit setzt Korkut ein Ausrufezeichen und Signal, dass er durchaus bereit ist weitere unbequeme Maßnahmen zu treffen.

Immerhin hat Korkut mit solch einer unpopulären Methode bereits Erfolg gehabt. Ende Juni 2014 versetzte er Salif Sané in die zweite Mannschaft von Hannover 96. Dieser konnte sich immerhin innerhalb von nur fünf Monaten leistungstechnisch wieder in die erste Mannschaft und gar Stammelf zurückkämpfen. Eine Versetzung in die zweite Reihe muss also nicht gleich das Aus bei 96 bedeuten.

Wobei es für Felipe wohl insgesamt um seine Zukunft in Hannover nicht gut bestellt sein dürfte. Von vielen Verletzungen geplagt und in den bisher sehr wenigen Auftritten gerade nicht mit überzeugenden Leistungen aufgetreten, dürfte sich spätestens nach diesem Durchgriff ein Abgang des brasilianischen Verteidigers zum Sommer 2015 andeuten. Schade für ihn und schade für die Roten, da er damals für ca. 2,5 Millionen als designierter Pogatetz Nachfolger verpflichtet wurde, welcher parallel für 2,3 Millionen zum VFL Wolfsburg wechselte. Diese gesteckten Erwartungen in ihn konnte er leider nie erfüllen.

Bei fünf weiteren Innenverteidigern im Kader (Marcelo, Schulz, Sané, Hoffmann und Stankevicius) ist der Konkurrenzkampf um die zwei Positionen in der Stammelf äußerst groß, was mögliche Motivationsprobleme und Unzufriedenheit seitens Felipe erklären könnte. Durch den gelb gesperrten Ausfall von Christian Schulz am kommenden Wochenende wäre Felipe wieder eine Alternative für die erste Elf oder zumindest Ersatzbank gewesen.

Problematisch ist zudem, das Felipe in der Regionalliga nicht spielberechtigt ist, da er kein EU-Bürger ist und keine der Sonderregelungen des DFB auf ihn zutreffen. Damit kann sich der 27 Jahre alte Innenverteidiger keine weitere Spielpraxis aneignen, um sich nachträglich für die erste Mannschaft empfehlen zu können.

Interessant wird nun zu beobachten sein, wie die Mannschaft auf die Versetzung Felipes reagiert. Hat dies Auswirkungen auf die Trainingsleistungen der Akteure oder aber reagieren einzelne Profis gar nicht oder nahezu unberührt auf die disziplinarischen Handlungen des Trainers? Werden gar weitere Versetzungen in die zweite Mannschaft folgen?

Wir werden es in den nächsten Tagen erfahren. Auf jeden Fall lässt sich die Reaktion Korkuts als mutige Entscheidung charakterisieren. Hoffentlich trifft er hier die richtige(n) Entscheidung(en), denn sonst könnten sich gar solche unpopulären Maßnahmen als kontraproduktiv für den Teamgeist und die mannschaftliche Geschlossenheit auswirken. Gerade jetzt in der Krisensituation und dem bevorstehenden Abstiegskampf kommt es gerade auf diese besonderen Tugenden an.