Mevlüt Erdinc macht sein erstes Tor für EA Guingamp

Für die Roten hat Mevlüt Erdinc in seinen elf Bundesligaspielen nicht ein Tor erzielt. In seiner Heimat in Frankreich läuft es für den türkischen Nationalspieler dagegen deutlich besser. Hier hat der an EA Guingamp verliehene Stürmer nun nach fünf Einsätzen zum ersten Mal für seinen neuen Club aus der Bretagne getroffen.

Erdinc markierte in der fünften Minute den Führungstreffer für den Tabellen 13. aus der Ligue 1 gegen den Tabellenletzten aus Troyes. Guingamp gewann das Match mit 4:0 und vergrößerte damit den Abstand auf sechs Punkte bis zum Abstiegsplatz 16. Ebenfalls an diesem Abend erfolgreich war Ex-96er Jimmy Briand, welcher zwar nicht selbst traff, aber an der Seite von Erdinc die drei weiteren Treffer für EA vorbereitete.

Noch nicht richtig angekommen und schon wieder weg? – Verlässt Mevlüt Erdinc die Roten im Winter?

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Alle Anzeichen stehen auf vorzeitigen Abschied! Es verdichtet sich, dass der türkische Nationalspieler Mevlüt Erdinc die Roten schon wieder im Winter verlassen wird. Erdinc wechselte vor nicht einmal fünf Monaten vom französischen Traditionsclub AS Saint-Étienne an die Leine. Der 28-jährige Stürmer galt mit der Ablöse von etwa 3,3 Millionen € als Stareinkauf in diesem Sommer und sollte die vakante Position in der Offensive vom zuvor nach England abgewanderten Joselu übernehmen.


Wenig Einsätze und keine Tore – Erdinc bleibt unter den gesteckten Erwartungen

Doch die neue Nummer 39 im Dress von Hannover 96 konnte die in Ihn gesetzten Erwartungen bisher überhaupt nicht erfüllen. Elf Spiele wettbewerbsübgreifend und kein Tor sind eine absolut enttäuschende Bilanz. Unglücklich verlief für ihn schon der Einstand bei 96. Im ersten Bundesligamatch in Darmstadt vorbereitete er zwar den ersten Treffer von Charlison Benchop durchaus gekonnt, scheiterte aber nur zehn Minuten später ziemlich kläglich bei der Ausführung eines Foulelfmeters gegen Darmstadts Keeper Christian Mathenia.

Seitdem läuft bei Erdinc nicht mehr viel zusammen. Es scheint, als ob ihn dieser verpatzte Elfmeter komplett aus dem Rhythmus gebracht hat. Vergleiche zu Joselu werden laut, welcher in der Rückrunde bei der Auswärtspartie in Hamburg ebenfalls vom Punkt vergab und danach in den restlichen Spielen nie mehr richtig in Tritt kam. Das Ende bei 96 ist auch bei ihm bekannt, so drängte die ehemalige Nummer 11 den Verein im Sommer in Richtung Stoke City zu verlassen.

Hinzu kommt, dass eine Wadenverletzung Erdinc vor seinem vierten Einsatz im Dress der Roten in Mainz stoppte. Dadurch verlor er seinen Stammplatz. Seitdem ist er nicht mehr über den Zustand des Kurzarbeiters hinweg gekommen. Sieben Mal wechselte Michael Frontzeck den türkischen Nationalspieler für die verbleibenden Schlußminuten ein. Nachhaltige Empfehlungen für weitere Einsätze oder einen Stammplatz konnte der 28-jährige dabei nicht liefern. Zuletzt stoppten ihn zudem muskuläre Probleme vor einem Kaderplatz für die Partien gegen Gladbach und Ingolstadt. Für das Spiel auf Schalke wurde er gar nicht mehr in den Kader berufen. Ist dies bereits ein Anzeichen für eine vorzeitige Trennung im Winter?

Angesichts der enttäuschenden Bilanz des Stürmers und dem eher unglücklichen Verlauf bei den Roten äußerte sich nun auch 96-Geschäftsführer Martin Bader , welcher Erdinc in der BILD Druck machte:

„Er möchte zur EM, wir brauchen die Punkte. Wir haben keine Zeit und er auch nicht. Sicherlich brauchen Laufwege und Integration Zeit, aber mittlerweile ist Dezember“

Bader fordert vom türkischen Mittelstürmer mehr Engagement im Trainingsbetrieb, wie es zuletzt auch Uffe Bech und Allan Saint-Maximin demonstriert haben:

„Die beiden haben sich reingehauen und durchgebissen. Man muss in der Trainingswoche das Gefühl haben, dass da einer den Kopf rausstreckt und sagt ‚Ich bin da, dafür habt ihr mich geholt.'“


Wechsel im Winter in die Türkei?

Gerüchte über einen möglichen Abgang von Mevlüt Erdinc in die Türkei sind bereits im Umlauf. Torku Konyaspor und sogar der türkische Meister Galatasaray Istanbul sollen nach Angaben türkischer Medien Interesse zeigen.

Pech, Verletzungen und das falsche Spielsystem verhindern den Durchbruch des ehemaligen Spitzenstürmers aus Frankreich

Es wäre sehr schade, wenn der erst neuverpflichtete Mann aus Saint-Étienne schon wieder gehen müsste. In Frankreich hat Erdinc als Profi 82 Treffer in 256 Erstligaspielen erzielt. Damit belegt er immer noch Platz zehn der ewigen Torschützenliste der Ligue 1. Für die türkische Nationalelf zeigte er sich ebenfalls treffsicher, indem er acht Treffer in 33 Länderspielen markierte. Der gebürtige Franzose mit türkischen Wurzeln weiss also sehr genau wo das Tor steht und galt jahrelang als einer der stärksten Mittelstürmer Frankreichs.

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In der Vor-Ibrahimovic-Zeit blätterte Paris St. Germain im Jahr 2009 8,50 Millionen € für Erdinc hin. Dieser zahlte diese Summe mit 15 Treffern in 31 Pflichtspielen zurück. Auch bei Stade Rennes und dem letzten Arbeitgeber aus Saint-Étienne offenbarte der 1,81m große Mittelstürmer sein Gespür für wichtige Tore.

Eigentlich – so müsste man meinen – ist es großes Glück für 96 einen solchen Spieler für sich gewonnen zu haben. Doch leider ist dies momentan überhaupt nicht der Fall.

Das liegt einerseits daran, dass die Nummer 39 seit Anbeginn seines Engagements an der Leine äußerst viel Pech zu haben scheint. Erdinc agiert unglücklich in seinen Einsätzen und oft fehlt ihm das nötige Glück und Selbstvertrauen in seinen gezeigten Aktionen. Am Ball hat er keine so schlechten Ansätze, so ist technisches Vermögen erkennbar, wie er es auch nach seiner Einwechslung in der Partie gegen den SV Werder Bremen aufblitzen ließ. Doch unglückliche Aktionen wie der verschossene Elfmeter in Darmstadt überwiegen in der Gunst der Zuschauer leider mehr und nagen an jenem Selbstvertrauen des Stürmers. Es scheint, als ob er in einer undurchdringbaren Negativspirale hängt.

Hatte er sonst schon keinen solch guten Start in Hannover, kommt noch das Verletzungspech hinzu. Seine Wadenprobleme kosteten ihm den Stammplatz und warfen ihn weiter zurück. Die muskulären Probleme vor wenigen Tagen taten hierbei ihr übriges und erleichterten die Situation für ihn keineswegs.

Die aktuell sportlich düftige Situation der Roten in der Liga, die wenig herausgespielten Torchancen und das aktuelle Spielsystem des Teams bieten ebenfalls Angriffsfläche für Kritik am türkischen Neuzugang. Wäre der Erfolg der Mannschaft vorhanden, so wäre die Kritik an Erdinc vermutlich nicht so groß, wie sie eben jetzt zu sein scheint. Man würde ihm langfristiger eine Chance einräumen. Aber wie es so oft ist, läuft es schlecht, dann sucht man sich immer schnell einen Sündenbock. Und dieser ist mit dem torlosen und teuren Stürmereinkauf schnell gefunden.

Erdinc benötigt passende Anspiele zum Torerfolg

Der 28-jährige lebt als Offensivakteur von passenden Anspielen in die Spitze bzw. offensive Schnittstelle zwischen Abwehr und gegnerischem Torhüter. In diesen Spielsituationen blüht er auf und kann sowohl seine Schnelligkeit als auch seine gute Technik auspielen. Trotz seiner nur 1,81 m ist Erdinc ein erfolgreicher Kopfballspieler. 20 seiner Treffer in der höchsten französischen Spielklasse erzielte er per Kopf.

Doch genau zu solch erfolgsversprechenden Situationen verhilft ihm das Team nicht. Hannover 96 kreiiert zu wenig Torchancen, um einen Vollstrecker Marke Erdinc zur Geltung zu bringen. Die Roten belegen mit 59 Torchancen zwar nicht das Ende der Tabelle innerhalb dieser Statistik in der Bundesliga. Aber das Team von Trainer Michael Frontzeck feuerte mit Abstand die wenigsten Torschüsse auf das gegnerische Tor ab (89 Versuche).

Es krankt also am Mittelfeld und Spielsystem der Roten, um nicht nur Erdinc sondern generell alle Stürmer mit passenden Zuspielen zu versorgen. Gerade in dieser Situation würde ein Szabolcs Huszti mit seinen gefährlichen Flanken in den Sechzehnmeterraum helfen, um den türkischen Nationalspieler in verwertbare Positionen zu bringen.

Ein zweiter Stürmer in hängender Position könnte ebenfalls die benötigten Anspiele in den freien Raum zwischen der Abwehr und Erdinc leisten. Hierzu müsste aber eine taktische Anpassung in das 4-4-2 Spielsystem erfolgen, was unter Trainer Michael Frontzeck bisher nie der Fall gewesen ist. Unter seiner Verantwortung agiert 96 stets im 4-5-1, wodurch Erdinc aber auch zuletzt Artur Sobiech als alleinige Spitze fungieren und dadurch auch oft ohne Bindung zum Spiel in der Luft hängen.

Und so ist es auch nicht groß verwunderlich, dass der Mann aus der Ligue 1 und Hannover 96 bisher nicht richtig zusammengefunden haben, da die taktische Marschroute des Teams mit einem Stürmer wie Erdinc nicht zu funktionieren scheint.

Sollte Mevlüt Erdinc 96 im Januar wieder verlassen, so ist er nicht schon wieder gegangen, sondern leider aufgrund der aktuellen Umstände niemals so richtig bei Hannover 96 angekommen…

Die Jugend bringt den Erfolg! – Bech und St. Maximin lösen die Probleme auf den Außenbahnpositionen

Mit der Einwechslung von Uffe Bech und Allan Saint-Maximin für Felix Klaus und Manuel Schmiedebach wechselte Trainer Michael Frontzeck nicht nur den späteren Sieg beim Hamburger SV ein, sondern fand womöglich auch seine bisher beste Spielformation. Im zweiten Spielabschnitt lieferte 96 nicht nur seinen besten Saisonauftritt ab, sondern konnte zum ersten Mal auch erfolgreiche Ansätze für eine funktionierende, offensive Spielkultur nachweisen.

Die Außenbahnpositionen, ein Problemfall und die verpasste Chance Offensivpotential erfolgreich zu nutzen 

Die beiden jungen Neuzugänge aus Dänemark und Frankreich verdeutlichten und lösten zugleich das aktuelle 96-Problem im 4-2-3-1 Spielsystem, an dem bisher alle Auftritte des Teams in der Saison krankten: das nicht vorhandene Offensivspiel über die Außenbahnen.

Folglich konnte sich das Team bisher wenig Torchancen erarbeiten und damit auch die Stürmer nie erfolgreich in Szene setzen. Insbesondere ein Stürmertyp wie Mevlüt Erdinc braucht starke Außenbahnspieler, welche ihn mit Flanken und klugen Pässen in die Tiefe füttern. Erst dann kann der türkische Nationalspieler seinen schon in der französischen Ligue 1 erprobten Torriecher unter Beweis stellen.

Bisher nur Fehl- und Falschbesetzungen auf den Außenbahnpositionen

Versuche mit Kenan Karamann, Felix Klaus, Edgar Prib und Leon Andreasen über diese Positionen zu agieren brachte innerhalb der bisherigen Elf Partien wenig Erfolg ein, unter anderem auch deswegen weil ein Spieler wie Andreasen keine Anlagen für ein erfolgreiches Spiel über die rechte Außenbahn besitzt. Der 32-jährige ist dafür weder dynamisch, noch schnell genug, um offensive Aktionen über die rechte Seite einzuleiten. Seine Qualitäten liegen eindeutig im eher defensiven Part, wie er sie bis dato am häufigsten auch im defensiven Mittelfeld erfolgreich ausgeführt hat. Auch dem dänischen Nationaltrainer Morten Olson, welcher Andreasen jüngst wieder für die dänische Nationalmannschaft nominiert hat, ist dieser ungeeignete Einsatz der Nummer zwei von Hannover 96 sofort aufgefallen:

„Leon spielt in Hannover nicht auf seiner besten Position. Die beste ist das defensive Mittelfeld – wie zuletzt nach der Umstellung in Hamburg gesehen. Leon ist kein Außenspieler.“

Bech und St. Maximin nutzen ihre Chance und empfehlen sich als Stammpersonal auf den Außenbahnen

Uffe Bech nutzte nach seiner Einwechslung sofort seine Chance dem Trainer zu signalisieren, dass er zukünftig eher für diese Position geeignet ist als Andreasen. Nach seinem schwachen Auftritt in Mainz und seiner danach folgenden Suspendierung und Nichtberücksichtigung, folgte ein starkes Comeback des 22-jährigen U21-Nationalspielers. Bech spielte dynamisch, schnell, technisch versiert, behauptete Bälle und verteilte diese zügig und ballsicher – Eigenschaften, welche den Roten in dieser Spielzeit bisher komplett abhanden kamen. Clever holte er den Strafstoß gegen Emir Spahic aus und sprühte auch den Rest der verbleibenden Spielzeit immer Spielfreude und Erfolgshunger aus. Damit müsste sich der Neuzugang vom FC Nordsjaelland nachhaltig für die Stammelf in der Partie gegen die Hertha aus Berlin empfohlen haben. Zu eben solchen Vorteilen auch für Andreasen, welcher auch in Hamburg deutlich besser auf der Sechser Position aufgehoben gewesen ist und dadurch wieder langfristig auf diese Position rücken könnte.

Neben Bech strahlte auch der erst 18-jährige Allan Saint-Maximin deutlich mehr offensivere Impulse aus, als zuletzt Karamann, Prib oder Klaus auf der linken Außenbahn. Der talentierte Franzose wies sein ihm nachgesagtes Potenzial auf, indem er seine starke Technik, Dribbelstärke und Schnelligkeit aufblitzen ließ. Auch er wirkte entschlossen, spielte kluge Pässe und brachte Ideen in das zuvor nicht vorhandene Offensivspiel der Roten. Zwar unterliefen ihm teils noch gravierende Fehlpässe, dribbelte er sich auch oft am Gegner fest und arbeitete noch nicht optimal defensiv mit. Dennoch, der Neuzugang vom AS Monaco machte in der kurzen Spielzeit viel Wirbel über seine Seite, war immer Anspielbereit und macht darüber hinaus viel Hoffnung für die weiteren Auftritte von Hannover 96. St. Maximin muss nach diesem gelungenen Auftritt seine Chance in der Startelf gegen die Berliner bekommen.

Mit der Jugend zum Erfolg? – Hat Michael Frontzeck die optimale Elf nun endgültig gefunden?

Der Auftritt der beiden jungen Männer auf den Flügeln macht zumindest erst einmal Mut für die kommende, wichtige Partie gegen die Alte Dame aus Berlin. Wie nachhaltig dieser positive Impuls aus dem Match gegen Hamburg ist, wird sich dann schnell in den nächsten Wochen zeigen, ob Bech und St. Maximin die defizitäre Spielkultur auf den Außenbahnen beheben können. Sollte sich dies nachweislich zumindest als kleiner Erfolg erweisen, so kann man dem Spruch von Michael Frontzeck doch etwas abgewinnen, dass die Mannschaft Zeit brauche. Mit eben dieser hätte sie sich zwar spät, aber letztlich dennoch und vor allem noch rechtzeitig gefunden. Ist der positive Impuls aus der zweiten Halbzeit in Hamburg nur ein kleiner Hoffnungsschimmer gewesen, dann muss 96 spätestens in der Winterpause handeln und neue Spieler verpflichten, welche die Offensivspielkultur auf den Flügeln beleben und die Stürmer in verwertbare Positionen bringen. Denn nur so kann Hannover 96 Spiele gewinnen und dem Abstiegsgespenst frühzeitig von der Schippe springen.