1. FC Köln – Hannover 96 oder Heim- gegen Auswärtsschlafis

Der Karneval ist seit Mitte dieser Woche zu Ende und auch in der Karnevalshochburg Köln kehrt langsam der spröde Alltag ein. Auf dem Platz hatten die Kölner zum Ende der Karnevalszeit aber nur wenig zu feiern. Etwas verkatert stehen sie wohl immer noch da, nach der Niederlage im Rheinderby gegen die Gladbacher Borussia und dem Platzsturm der eigenen Fans im Borussia-Park. Die Woche war im Zeichen des FC also mit wenig erfreulichen Nachrichten gespickt. Nun also wollen die Kölner im Heimspiel gegen die Roten wieder anfangen positive Schlagzeilen zu schreiben.

Doch es sieht nicht gut aus in der Heimat des Geißbocks. Nur einen Sieg konnten die Kölner bisher im eigenen Rund einfahren (8. Spieltag: 2:1 gegen Borussia Dortmund). Zuletzt gelang der Truppe um Trainer Peter Stöger immerhin in den letzten drei Heimspielen jeweils einen Zähler zu holen. Doch die 0:0 Spiele im Dreierpack sind natürlich zu wenig, um vorzeitig die entscheidenden Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln.

Beste Chancen also für Hannover 96 bei den Heimschwachen Kölnern endlich mal Auswärts zu punkten. Doch die Roten bestechen diese Saison auch nicht gerade mit euphorischer Spielweise in fremden Spielstätten. Erst zwei Auswärtssiege (!) und damit zugleich nur sechs Punkte konnten in der Fremde mitgenommen werden.

Das 18:30 Topsiel am Samstagabend ist somit das Duell der Heim- gegen Auswärtsschlafis. Hört sich nicht gerade nach einem sehenswerten Duell an und wenn beide Teams wie zuletzt auftreten, wird dies wohl möglich erneut ein 0:0 im Rhein Energie Stadion. Was aber dagegen spricht, ist der Wille beider Mannschaften ihre sieglose Zeit endlich hinter sich zu bringen, Punkte im Abstiegskampf gut zu machen und den Konkurrenten nach unten hinein zu reißen.

Taktisch wird sich bei 96 nicht viel ändern. Tayfun Korkut schwört weiterhin auf das 4-5-1 Spielsystem. Joselu also weiterhin nur als Alleinunterhalter im Sturmzentrum. Die Hoffnung mit zwei Stürmern offensiver zu agieren und mehr Druck auf die Kölner Betonabwehr auszuüben, ist somit erst einmal vergebens. Lars Stindl verbleibt auf der Zehner Position. Mögliche Wechsel könnten auf den Außenbahnen stattfinden, wo Briand und Kiyotake zuletzt eher durchwachsene Auftritte gehabt hatten. Bittencourt wäre eine Alternative für eine der beiden Außenpositionen. Interessant wäre eine taktische Lösung mit Hiroki Sakai auf der rechten Außenbahn. Dieser könnte seine offensiven Qualitäten endlich mal zur Geltung bringen und mit guten Flanken Joselu oder einen später eingewechselten Artur Sobiech in Szene setzen. Ein Einsatz von Edgar Prib von Beginn an kommt noch nicht in Frage. Genauso wenig für den ebenfalls wieder genesenen Leon Andreasen. Beide sind nur Optionen für die letzten 20. Minuten. Umstellungen wird es aber ganz sicher im defensiven Mittelfeld geben. Durch die Gelb-Sperre von Christian Schulz wird Salif Sané für ihn die Position in der Innenverteidigung bekleiden. Neben Manuel Schmiedebach wird wohl somit Ceyhun Gülselam zum Einsatz kommen. Maurice Hirsch wäre ebenfalls eine denkbare Alternative. Taktisch passt Gülselam aber besser, da er seine Größe und Kopfballstärke sowie seine defensiven und kämpferischen Qualitäten in diesem Spiel besser zur Geltung bringen kann. Dadurch entlastet er Manuel Schmiedebach, welcher heute eher den offensiveren Part wird einnehmen können. Auf der Position des rechten Verteidigers verbleibt Joao Perreira, welcher somit zunächst einmal Hiroki Sakai verdrängt haben dürfte.

Peter Stöger stellt seine Kölner Mannschaft von einem 4-5-1 Spielsystem auf ein offensivereres 4-4-2 Spielsystem um. Mit Osako als zweiten Stürmer möchte man mehr Druck auf die Innenverteidigung der Roten ausüben und diese zu Fehlern zwingen. Ujah verbleibt trotz schwacher Leistungen im Sturmzentrum. Der Nigerianer hatte zuletzt am 15. Spieltag getroffen, ist aber mit sechs Saisontreffern der erfolgreichste Kölner Akteur. Im Mittelfeld hat Stöger keine Änderungen in Sicht, da die vierer Achse aus Halfar, Vogt, Lehmann und Risse bereits optimal eingespielt ist. Die Spezialität der Kölner dürfte ihr schnelles Konterspiel über die Außenbahnen sein.

Um endlich einen Auswärtsdreier und damit auch den ersten Sieg im neuen Jahr einzufahren, muss das Team von Trainer Tayfun Korkut durch schnelles und direktes Spiel in die Spitze auffallen. Nur so lässt sich das Kölner Defensivbollwerk aushebeln. Zudem besteht die Möglichkeit verstärkt über die Außenbahnen anzugreifen. Insbesondere die rechte Außenbahn erweist sich mit Pawel Olkowski als verwundbar. Aufpassen müssen die Roten auf die schnellen Konter der Domstädter. Hierfür eignet sich Ceyhun Gülselam optimal als defensive Absicherung. Gülselams Aufgabe dürfte es sein, die Konter der Kölner zu unterbinden und das Zentrum mit kontinuierlichem Pressing zu entlasten. So könnte ein erfolgreiches taktisches Konzept am heutigen Abend aussehen.

Hoffen wir, dass es kein langweiliges und schlaffes Spiel des Heim- gegen Auswärtschlafis gibt. Im Gegenteil, es wird Zeit für unsere Truppe endlich mal das Attribut des Auswärtsschlafis abzulegen und den Turn around einzuleiten. Die Kölner haben zuletzt viel gefeiert, es wird jetzt mal Zeit, dass die Roten endlich wieder mal feieren.

Europa League ade – Herzlich Wilkommen im Abstiegskampf

Herzlich Willkommen im Abstiegskampf Hannover 96! Das muss man leider nach dem gestrigen, schwachen Auftritt gegen den SC Paderborn titulieren. Nach zuletzt eher guten Auftritten und viel Pech, war das gestrige Heimspiel das absolute Gegenteil davon. Zu harmlos offensiv, ideenlos im Spiel nach vorne und mit vielen katastrophalen Fehlern hat man den taktisch disziplinierten Paderbornern den ersten Saisonsieg im Jahr 2015 beschert. Und diese haben spielerisch bei weitem nicht viel zustande gebracht, aber dafür defensiv auch nicht viel zugelassen. Die Roten haben die Paderborner Defensive aber auch kaum auf die Probe gestellt.

Was nützt es wenn man ca. 63 % Ballbesitz im Spiel hat, aber mit dem Ball in den eigenen Reihen nicht viel anzufangen hat. Der Ballbesitz orientierte Fußball von Trainer Tayfun Korkut zeigt keine Wirkung, da sowohl die Kreativität im Mittelfeld als auch die Schnelligkeit im Angriff fehlt, um aus diesem Vorteil Kapital zu schlagen. Hinzu kommen dann noch viele kleine, individuelle Fehler, welche der Mannschaft endgültig den Rest geben. So lässt der Neuzugang Joao Perreira in der 71. Minute Florian Hartherz unebedrängt über die rechte Seite Flanken und Miiko Albornoz nimmt den Zweikampf gegen den erst eingewechselten Srdjan Lakic nicht an. Nicht nur der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt unnötig und eigentlich aus dem nichts heraus, viel ärgerlicher ist eher der Fehler von Ron-Robert Zieler beim 1:2 durch Alban Meha. Der Freistoß aus 25 Metern kommt genau auf Zieler und war eigentlich nicht so platziert getreten, welcher den Ball wegfausten oder mit einer Hand übergreifen könnte. Durch den Patzer Zielers geriet das Team 10 Minuten vor Schluss auf die Verliererstraße. Ohne Zieler diesen Torwartfehler groß ankreiden zu wollen, aber leider muss man anmerken, dass er zuletzt bei Freistößen oftmals nicht gut aussah. Mit viel Hektik und ohne Plan ließ sich in den verbleibenden zehn Minuten nicht mehr viel erreichen.

Paderborn gelingt ein kleiner Befreiungsschlag und zieht damit 96 in den Abstiegskampf. Vier Punkte Abstand sind es noch auf Platz 16. In den nächsten zwei Partien gegen Köln und Stuttgart ist die Mannschaft unter Zugzwang unbedingt zu punkten, da sonst ungemütliche Wochen für die Verantwortlichen bevor stehen. Die ersten Stimmen gegen den Trainer werden schon im Stadion und Fanforen laut. So ist leider das Geschäft des Fußballs, wenn Erfolge ausblieben, ist der Trainer sofort in der Schusslinie.

Die aktuelle Situation erinnert sehr an die Saison 2008/2009. Auch damals hatte der damalige Sportdirektor Christian Hochstätter mit großen Investitionen wie heute Dirk Dufner die Mannschaft mit Namen wie Jan Schlaudraff, Mario Eggimann und Mikkael Forsell verstärkt. Heraus kam in diesem Jahr nur ein enttäuschender elfter Platz und zeitweise geriet das Team von Trainer Dieter Hecking gar in Abstiegsnöte. Auch in diesem Jahr wird gemessen an den Investitionen der sportliche Erfolg deutlich unter den Erwartungen bleiben.

Hoffentlich nicht so deutlich, dass am Ende gar der Abstieg droht. Denn wer es bisher noch nicht verstanden hat, Hannover 96 befindet sich jetzt im Abstiegskampf! Und hoffentlich wissen dies nicht nur die Fans und die Verantwortlichen, sondern vor allem die Spieler, welche jetzt den besagten Kampf im Wort Abstiegskampf annehmen müssen.