Eine komplette Halbserie ohne Sieg? – In Augsburg kann dies bittere Realität werden

Nach dem 1:1 gegen den SV Werder Bremen sind es bereits schon 16 Partien ohne einen Dreier. Im schwäbischen Augsburg könnte mit der 17. Partie in Folge ohne Sieg, die Negativbilanz einer kompletten Halbserie ohne Sieg erreicht werden. Das hat schon fast tasmanische Züge, welche 31 Partien am Stück ohne Sieg blieben und damit wohl den Negativrekord in der Bundesliga nahezu für immer gepachtet haben dürften. Hinter Tasmania Berlin rangieren noch BW 90 Berlin (1986/87), Dynamo Dresden (1994/95) und der 1. FC Kaiserslautern (2011/12) mit 21 Partien ohne Erfolg. Ganz so schlimm ist es und wird es bei den Roten dann letztendlich dann doch nicht sein, da sie entweder in den kommenden zwei Wochen einen Sieg einfahren oder eben den bitteren Gang in Liga zwei antreten werden müssen. Der persönliche Negativrekord kann sich also maximal auf „nur 18 Partien ohne Sieg“ erstrecken. Und trotzdem kann auch ohne Sieg in den zwei verbleibenden Spielen der Klassenerhalt erreicht werden, ja wenn…

Sieglos zum Klassenerhalt – Wenn die Konkurrenz hilft ohne helfen zu wollen

18 Spiele ohne Sieg am Stück und trotzdem noch Erstklassig? Ja, Hannover 96 könnte in dieser Saison dieses Kunststück gelingen, wenn die Konkurrenz im Tabellenkeller ordentlich mithilft. Gewinnt der SC Paderborn seine zwei schweren Spiele gegen Schalke und Stuttgart nicht, so steigen sie nach aktueller Tabelle ganz sicher ab, ohne dass 96 in den kommenden zwei Wochen etwas zählbares einfahren müsste. Rechnet man dann jedoch weiter, so fällt auf, dass die Truppe von Trainer Michael Frontzeck mindestens zwei Unentschieden aus den zwei verbleibenden Begegnungen benötigt, um nicht direkt abzusteigen. Verliert Stuttgart gegen Hamburg und holt nur ein Unentschieden gegen Paderborn, so ist mit zwei Remis der Klassenerhalt oder zumindest die Relegation für die Roten möglich. Die Frage Relegation oder direkter Ligaverbleib hängt dann vom Hamburger SV und dem SC Freiburg ab. Gewinnen oder holen die Breisgauer nicht mindestens ein Unentschieden gegen den Rekordmeister aus München, so reicht 96 eine Punkteteilung gegen die Freiburger am letzten Spieltag daheim, um den Verbleib in der ersten Liga zu sichern. Also auch zwei Unentschieden und damit die Sieglosigkeit bis zum Ende der Spielzeit muss nicht unbedingt im Abstieg münden. Dennoch macht ein Sieg aus den zwei Partien alles deutlich einfacher ohne mögliche Rechenkonstellationen durchspielen zu müssen. Es geht ja als nächstes nach Augsburg. Augsburg? Hm…da war doch was?

Ausgerechnet Augsburg! – Historiker rekonstruieren den letzten 96-Sieg

Wann war eigentlich der letzte Sieg von Hannover 96, mag sich der ein oder andere aktuell fragen. Gefühlt liegt dieser scheinbar schon eine halbe Ewigkeit zurück, sodass der ein oder andere schon einen Historiker einschalten wollte, um mit Hilfe von Archivaren und Zeitzeugen den letzten Erfolg der Roten zu rekonstruieren. Blättert man die Statistik und Datenbanken der aktuellen Spielzeit durch, so wird man am 16. Dezember 2014 fündig. An diesen kalten Dienstagabend traf Hannover 96 auf den FC Augsburg im eigenen Stadion und gewann ungefährdet mit 2:0 durch ein Kopfballtreffer von Salif Sané in der 20. Minute und einen verwandelten Foulelfmeter von Joselu in der 55. Minute. An diese Partie erinnere ich mich persönlich sehr gut, da dieser Tag als mein Debut als Blindenreporter bei Hannover 96 in die Geschichte eingehen sollte. Doch weder ich, noch Ex-Trainer Tayfun Korkut, die Mannschaft oder sonstwer hätten zu diesem Zeitpunkt geglaubt, dass dies der letzte Dreier für eine lange Zeit sein würde. Damals stand das Team noch auf dem achten Tabellenplatz, Hoffnungen auf die Europa League Plätze wurden laut kommuniziert und niemand hätte jemals das Wort Abstiegskampf oder gar Abstieg in den Mund genommen. Ironie des Schicksals trifft man genau fünf Monate später am 16.05.2015, surprise, surprise auf den FC Augsburg im Schwabenländle. Schließt sich hier auf den Tag genau der Kreis des Schicksals? Ein scheinbar passenderer Zeitpunkt diese Negativserie abzulegen hätte sich ein Drehbuchautor auch nicht besser ausdenken können. Und die Zeichen stehen nicht schlecht, da Hannover 96 noch nie gegen Augsburg verloren hat! Vier Siege und drei Remis stehen bei den bisher sieben ausgetragenen Duellen zu Buche. Das letzte Spiel gewannen die Roten ja bekanntlich und auch die letzte Begegnung in Augsburg ging immerhin 1:1 aus. Somit dürfte zumindest die Hoffnung auf etwas zählbares aus Nordbayern vorhanden sein. Egal, wie es ausgeht viele Möglichkeiten zum Klassenerhalt verbleiben wohl noch bis zum letzten Spieltag gegen den SC Freiburg, wo es zum alles entscheidenden Showdown kommen könnte. Die Roten packen das! Aber meiner Meinung nicht rechnerisch erst am 34. Spieltag, sondern bereits eine Woche zuvor, am 33. Spieltag in Augsburg. Die Negativserie reißt auf den Tag genau nach fünf Monaten und wieder einmal heißt der Gegner FC Augsburg!

Hannover 96 – SC Paderborn – Das Spiel der Saison? – Aber ja!

Spiele gegen Hamburg, Bremen oder namhafte Mannschaften wie Bayern, Dortmund oder Schalke werden von Fans und Medienvertretern gerne als besonders wichtige Spiele oder Saisonhighlights gesehen. Selbstverständlich haben großartige Spiele und insbesondere Siege gegen die Bayern oder lokale Konkurrenten immer einen besonderen Reiz und machen uns Fans unglaublich viel Spaß. Dies wird sich in der Wahrnehmung zukünftig auch nicht großartig ändern. Muss es natürlich auch überhaupt nicht, obwohl diese Partien wie jedes andere Spiel im optimalen Fall auch nur drei Punkte einbringen.

Anders ist es beim morgigen Duell gegen die Ostwestfalen aus Paderborn auch nicht. Auch dieses Bundesligaspiel ist lediglich ein Match um drei Punkte gegen einen vermeintlich auf dem Papier etwas unattraktiv wirkenden Aufsteiger. Bei allem Respekt vor der bisherigen Leistung des Teams um Trainer André Breitenreiter, aber natürlich ist das Interesse um den Gegner Paderborn bei weitem nicht so groß, wie es bei den oben genannten Konkurrenten in der Bundesliga ist. Dieses Aufeinandertreffen also als potentiell wichtigstes Spiel des Jahres zu titulieren ist äußerst gewagt und aus der Sicht vieler Fußballinteressenten wohl vollkommen übertrieben.

Aber ja! Ein Blick auf die heutige Bundesligatabelle verrät uns für beide Teams, dass es in dieser Begegnung um sehr viel, vielleicht schon um alles geht! Die morgige Partie zeigt einen Trend für den weiteren Verlauf der Saison für beide Mannschaften und offenbart, ob die zu Beginn der Saison gesteckten Ziele erreicht werden können.

Klartext: Abstiegskampf oder Befreiungsschlag!

Aus Sicht der Roten sichert ein Sieg gegen die Paderborner einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Liga. Platz zehn um genau zu sein, wird es wohl auch nach diesem Spieltag sein. Aber dann mit vier Punkten Abstand auf den elften Rang mit dem 1.FC Köln. Wichtiger ist aber natürlich das dann entstandene sieben bis acht Punkte (abhängig ebenfalls von der Partie Hertha BSC Berlin vs. SC Freiburg am morgigen Sonntag) Polster auf den Relegationsplatz. Zwar ist es noch etwas voreilig dies zu sagen, aber bei noch 14 zu spielenden Runden dürfte dies dann bereits der große Schritt zum Klassenerhalt sein. Mehr noch würde ein Sieg das Team um Trainer Tayfun Korkut mit vier Punkten Abstand sofort wieder in eine realistische Schlagdistanz zu Platz sechs und damit Bayer 04 Leverkusen bringen. Der Traum von der Europa League wäre wieder greifbar nahe und aus eigener Kraft umsetzbar. Eine Niederlage dagegen wäre absolut Fatal und würde den Abstand zum Relegationsplatz 16 auf zwei bis drei Punkte verringern. 96 wäre im Abstiegskampf angekommen und wäre nahezu angehalten in den gleich zwei darauffolgenden Spielen gegen direkte Konkurrenten im Tabellenkeller wie Köln oder Stuttgart zu punkten. Da hiernach ein Hammerprogramm mit Bayern, Mönchengladbach und Borussia Dortmund wartet – also die obligatorischen Saisonhighlights :).

Auf die Gäste aus der Region Ostwestfalen-Lippe trifft eine ähnliche Prognose zu. Mit 0:8 Gegentoren und lediglich einem Punkt in die Rückrunde gestartet, muss der Aufsteiger langsam beginnen Tore zu schießen und zu Punkten. Denn die folgenden drei Partien des SC lassen nicht gerade viel Hoffnung auf viele Punkte aufkeimen. Mit Spielen gegen Bayern, Gladbach und Leverkusen wartet eine große sportliche Herausforderung auf die blau-schwarzen. Wollen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlagen da stehen, so müssen sie wohl vor allem erst einmal alles daran setzen Morgen gegen 96 zählbares einzufahren. Dementsprechend offensiv und agressiv müssten sie Morgen eigentlich auftreten. Ein Sieg würde ihnen 23 Punkte bescheren und sie zunächst auf Platz 13 hieven. Damit wäre für die Mannen von André Breitenreiter noch nicht viel erreicht, aber sie könnten ja damit 96 unten mit hinein reißen. Jeden einzelnen Punkt zu erkämpfen und es bis zum Schluss spannend zu halten, dürfte hier wohl das primäre Ziel des Aufsteigers sein.

Ein Unentschieden wird es aller Wahrscheinlichkeit wohl nicht geben, da beiden Teams ein Punkt tabellarisch nichts einbringt. Demnach müsste ein offensives und zielstrebiges Spiel zu erwarten sein. Beide Mannschaften stecken in einer kleinen Krise und wollen sich möglichst schnell aus dieser heraus arbeiten, da sich sonst schnell ein kleiner Negativtrend zu einer wirklich echten Krise entwickeln kann. Welche Dynamiken dies schnell auf die Position eines Trainers hat, brauche ich wohl an dieser Stelle kaum zu verdeutlichen.

Wie sich abschließend resümieren lässt, erwartet uns Morgen also gemäß aller genannten Faktoren das Spiel des Jahres für beide Mannschaften, da der Ausgang des Matches richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Saison und die gesteckten Ziele beider Teams sein wird. Die Lücke und Distanz zwischen oberer und unterer Tabellenhälfte wird Morgen ausgespielt. Nutzen die Roten die Chance den Abstand zum Relegationsplatz auszubauen und die Europa League wieder langsam anzuvisieren oder erwartet uns in den nächsten Wochen das Abstiegsgespenst?

Hopp oder top! Wir werden es Morgen erfahren, hoffentlich mit einem positiven Ausgang für unser Team aus Hannover.