Absteigen, aber wie? – Verliert Hannover 96 die Gunst der Zuschauer?

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Nach der siebten Niederlage in Folge und dem fünften sieglosen Spiel in der Rückrunde unter der Regie von Trainer Thomas Schaaf dürfte der Abstieg in die Zweitklassigkeit wohl realistisch betrachtet nicht mehr zu verhindern sein. Der grusselige Auftritt der Mannschaft beim 0:1 gegen den FC Augsburg gibt dabei wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich noch etwas zum Positiven wendet, obwohl rechnerisch immer noch der Klassenerhalt möglich ist.

Auch wenn ein Abstieg sportlich gesehen eine ziemliche Katastrophe darstellt und niemals irgendetwas positives beeinhaltet, so ist der sich andeutende Gang in die Zweitklassigkeit weit weniger schlimm als der Umstand, wie sich dieser Abstieg schrittweise abgezeichnet und vor allem wie sich die Mannschaft von Hannover 96 dabei präsentiert hat. Verlieren die Roten die Gunst ihrer Fans und Zuschauer aufgrund desolater Leistungen?

Sang und klangloser Abstieg ohne Kampf und Gegenwehr – Hannover 96 droht die treuesten Anhänger zu vergraulen

Ein Abstieg in die zweite Bundesliga kann schon mal passieren. Mannschaften wie Eintracht Frankfurt, Hertha BSC Berlin, der 1. FC Nürnberg, der SC Freiburg oder auch dem 1.FC Köln ist in den vergangenen Jahren der Gang ins Fußballunterhaus nicht erspart geblieben. Frankfurt, die Hertha oder auch der SC Freiburg – in der letzten Saison – stellten dabei sogar ein durchaus gutes Team und spielten auch größtenteils ansehnlichen Fußball in ihrer Abstiegssaison.

Neben dem sportlichen Unvermögen oder Missmanagement bei der Kaderplanung gehört also auch immer eine Prise Glück oder Pech dazu, ob ein eigentlich gut funktionierendes Team aufgrund von z.B. Verletzungspech, Abschlussschwäche, Schiedsrichterfehlentscheidungen oder Pech bei der Ansetzung der Spieltage, den bitteren Gang ins Montagprogramm von Sport 1 wählen muss.

So vielschichtig also die Gründe für einen Abstieg sein können, so ist doch eher die Frage relevant, wie sich die jeweilige Mannschaft bis zum 34. Spieltag präsentiert hat. Hat man von Vereinsseite alles unternommen, um den Abstieg zu vermeiden? Haben die Spieler Gegenwehr gezeigt, bis zum Apfiff alles gegeben und für den Verein gekämpft?

Kann man als Fan oder Zuschauer diese Fragen eindeutig mit Ja beantworten, so hält sich die vorhandene Enttäuschung und Wut über den Abstieg zumindest etwas in Grenzen. Die Mannschaft hat ja alles getan, gekämpft und gerackert und es hat schlußendlich doch nicht gereicht. Dennoch hat man den Glauben auf den Klassenerhalt bis zum Schluss oder zumindest fast zum Schluss der Spielzeit aufrecht erhalten können. Die Zuschauer kammen bis zum bitteren Ende motiviert ins Rund und pushten ihren Club nach vorn.

Psychologisch ist es dabei auch wichtig dem Fan und Zuschauer zu signalisieren, dass auf dem Platz eine „Mannschaft mit Charakter“ stehe. Dadurch beschleicht sich trotz Misserfolg das Gefühl, dass man mit diesen Mannen trotz Abstieg im nächsten Jahr sofort das Ziel Wiederaufstieg anpeilen kann. Die Eintracht aus Frankfurt oder der SC Freiburg in diesem Jahr konnten genau diesem Ansatz folgen und stellten im Zweitligajahr eine wenig veränderte Mannschaft auf, welche gleich wieder vom ersten Spieltag um den Aufstieg in die Bundesliga mitspielen konnte.

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Bei Hannover 96 hat der Fan und Zuseher dieses beschriebene Gefühl schon nach dem 22. Spieltag nicht mehr. Die Mannschaft spielt nicht nur sehr schlecht, sondern kämpft auch nicht gegen den sportlichen Untergang. Der geneigte Zuschauer hat jegliche Hoffnung zum Ligaverbleib schon am 22. Spieltag verloren, sodass dieser im Prinzip nicht mehr ins Stadion zu kommen braucht. Die verbleibenden Partien erhalten das Prädikat „besser bezahlter Freundschaftsspiele“ oder einer „Abschiedstour“ aus der Bundesliga. Keine gute Werbung für die noch verbleibenden Partien und die im August startende Zweitligasaison. Der Fan und Zuschauer dürfte angesichts dieses sang- und klanglosen Untergangs wenig motiviert sein, die Dauerkarte zu verlängern. Man traut dem eigenen Team nicht den sofortigen „turn around“ zu.

Großteil der aktuellen Mannschaft besitzt auch Verträge für die zweite Liga

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Sportdirektor Martin Bader hat es bereits angekündigt, dass der Großteil der Spieler auch einen Kontrakt für die zweithöchste Spielklasse besitzt. Wir werden also den Großteil der aktuellen Mannschaft in der nächsten Saison wiedersehen. Doch möchte der treue Zuschauer im Stadion das wirklich? Möchte jemand seine Dauerkarte verlängern oder ein Einzelticket lösen, wenn er weiss, dass die im letzten Jahr nicht funktionierende Mannschaft ohne große Veränderungen weiterspielt?

Wohl eher kaum! Die Euphorie für einen sofortigen Wiederaufstieg, wie bei der Frankurter Eintracht oder den Freiburgern dürfte es bei 96 eher nicht geben. Niemand traut der selben Mannschaft einen sofortigen Wiederaufstieg zu. Erst recht nicht, wenn Leistungsträger wie Ron-Robert Zieler, Salif Sané, Hiroki Sakai oder Hiroshi Kiyotake den Verein noch verlassen werden.

Den Roten droht also ohne größere Veränderungen der Mannschaft und auch schnellen Erfolgserlebnissen gleich zu Beginn der neuen Saison im Fußballunterhaus, eine zuschauerarme Spielzeit. Nur frische Gesichter auf dem Platz und ein guter Start können die sofortige Euphorie wieder entfachen und einige enttäuschte Unterstützer wieder zurückholen.

Ansonsten droht der Umstand, dass die HDI-Arena nur beim Derby gegen Braunschweig, dem Norduell gegen St.Pauli und den zuschauerstarken und brisanten Match gegen Dynamo Dreseden gut gefüllt sein wird.

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