Fußball hörend erleben – Wie Blindenreporter sehbinderten Fußballfans das Spiel näher bringen.

Stell dir vor es ist ein Samstag, der aktuelle Bundesligaspieltag steht bevor und du befindest dich im Stadion auf deinem angestammten Steh- oder Sitzplatz. Voller Vorfreude wartest du auf die Verkündung der Mannschaftsaufstellung durch den Stadionsprecher und vor allem blickst du mit Begeisterung durch das Rund, wenn die Fans die Schals zur Vereinshymmne in die Höhe recken und mitsingen. Erstaunter blickst du sicherlich noch mehr, wenn zur Vereinshymne eine großartige Choreografie umgesetzt wird und diese ein einmaliges bzw. unvergessliches Bild für die Ewigkeit schafft. Danach blickst du auf den Einzug der beiden Mannschaften auf das Spielfeld. Du winkst den Spielern vielleicht zu und klatscht dabei. Gleich kann es losgehen! Schnelle Pässe und aufregende Spielsituationen dominieren das Geschehen auf dem Feld von Beginn an. Es geht zügig von Tor zu Tor ohne Pause. Aufregende Szenen auf und neben dem Spielfeld fallen dir sofort auf und sorgen unmissverständlich für positive oder negative Emotionen. Du hast alles jederzeit im Blick und verfolgst das Geschehen auf dem Rasen gespannt.

Doch halt stopp, du nimmst von diesen geschilderten Eindrücken so gut wie nichts wahr, da du sehbehindert bist und deswegen Fußball nur hörend erleben kannst. Um blinden Menschen die oben geschilderte Wahrnehmung zu ermöglichen, wurde von vielen Vereinen der Bundesliga die sogenannte Blindenreportage eingeführt. Seit der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland wird dieses Projekt kontinuierlich ausgebaut, um Blinden Menschen möglichst dasselbe Stadionerlebnis wie sehenden Fans zu ermöglichen.

Auch Hannover 96 beteiligt sich an solch einem Projekt für sehbehinderte Menschen und stellt einen ehrenamtlichen Service zur Verfügung. Betreut wurde dieses Projekt zuletzt von zwei Studenten der Hochschule Magdeburg, welche gemeinsam die Spiele der Roten für die blinden Zuschauer reportierten. Ja, reportieren heisst hier das Stichwort. Dabei geht es in der Blindenreportage zunächst keineswegs um den Kommentar eines Spiels, sondern eher um die genaue Beschreibung aller Spielsituationen und Vorkommnisse auf dem Platz. Jeder Pass und jede Ballbewegung muss dem Zuhörer der Reportage genaustens beschrieben werden, damit dieser sich das Spiel auch ohne Bild vor Augen vorstellen kann.

Mitte November schrieb Hannover 96 auf ihrer Homepage aus, dass sie Blindenreporter suchen um das ehrenamtliche Projekt mit neuen Hilfskräften auszubauen. Durch zufälliges herumsurfen auf der 96-Homepage bin ich also auf dieses Inserat gestoßen. Ich fand das Projekt auf Anhieb sehr interessant und habe mich sofort entschlossen hierbei mitwirken zu wollen. Die Motivation war einerseits ehrenamtlich ein gutes Werk für blinde Menschen zu leisten und ein interessantes Projekt mitzuentwickeln, aber auch andererseits sich journalistisch zu betätigen und Berufserfahrungen in diese Richtung zu sammeln. Nach wenigen Tagen hatte ich also meine Bewerbungsunterlagen zusammengestellt und diese an den Behindertenbeauftragten von Hannover 96, Herrn Detlev Kühne zugesandt. Dieser meldete sich sofort am nächsten Tag telefonisch und erklärte mir sehr freundlich das ganze Projekt und sagte mir meine Teilnahme zu. Am Ende des netten Gesprächs ladete er mich zudem zu einer entsprechenden Schulung für die Blindenreportage ein, um das Handwerk zu erlernen und zu prüfen ob die Aufgabe für einen selbst auch leistbar ist. Da sich der Beauftragte der DFL für die Blindenreportage am Spieltag gegen den FC Augsburg ankündigte, war dies entsprechend ein guter Zeitpunkt für solch eine Schulung durch den Verantwortlichen der DFL. Hierfür sollte ich mich also am Montag den 15.12. um 17.00 Uhr in der HDI-Arena einfinden. Zusätzlich sollte ich auch noch den nächsten Tag ab 17.00 Uhr einplanen, da hier nicht nur die Schulung fortgesetzt werden sollte, sondern anschließend auch gleich der erste Einsatz als Blindenreporter im Heimspiel gegen den FC Augsburg erfolgen sollte.

Tag 1 – Was ist eine Blindenreportage und wie soll diese umgesetzt werden?

Ohne große Vorahnung was mich bei der Schulung erwarten sollte, aber mit großer Spannung ausgestattet, machte ich mich also am 15.12 auf den Weg in die HDI-Arena. Angemeldet bei den Ordnern an der Schranke ging es die Treppe herunter Richtung Presseraum, wo schon einige Interessenten des Projekts und Herr Kühne auf uns warteten. Eine kurze Vorstellungsrunde und ein netter Plausch unter aller Anwesenden lockerte die bevorstehende Runde sofort auf. Insgesamt fanden sich elf Interessenten ein, welche ehrenamtlich an der Blindenreportage mitwirken wollten.

Björn Naß, selbst jahrelanger Blindenreporter bei Bayer 04 Leverkusen und von der DFL gewählter Ansprechpartner für dieses Tätigkeitsfeld leitete die danach stattfindende Schulung. Zu Beginn erläuterte Herr Naß viel über die bevorstehende Aufgabe und erzählte dabei auch vermehrt aus eigener Erfahrung als Blindenreporter. Er wies auf viele kleine Details hin, welche aber letztlich den Unterschied von einer guten oder schlechten Reportage machen. So sei der Blindenreport wenig bis gar nicht mit dem Kommentar eines Fußballspiels im Radio oder Fernsehen zu vergleichen. Wichtig sei es, dies betonte er immer wieder, das Spielgeschehen für den sehbehinderten Menschen sprachlich eins zu eins abzubilden. Statistiken, besondere Anekdoten über einzelne Spieler oder andere komplexere Details können zwar je nach Situation immer eingebracht werden, spielen allerdings bei der Reportage nur eine untergeordnete Rolle und sind somit eher sparsam einzusetzen. Dagegen muss jedes Passspiel und jederzeit eine möglichst genaue Verortung des Balls und Spielgeschehens erfolgen. Somit sind Meterangaben, Ballwechsel von links nach rechts und anders herum anzugeben und besondere Geschehnisse wie Tätlichkeiten, Fanchoreografien und Ereignisse in der Coachingzone detailreich für den nicht sehenden Zuhörer zu beschreiben. Als ungewohnt und mitunter komplex erweist sich diese Perspektive und Aufgabe für den sehenden Reporter. Deshalb legte Herr Naß auch sofort großen Wert darauf, dass wir uns an diese Sicht der Dinge und Art der Reportage gewöhnten. Er verteilte uns eine Abbildung des Spielfeldes und wies uns auf darauf hin, uns zukünftig hieran zu orientieren. Die offizielle Fifamähung des Rasens sei jederzeit ein guter Orientierungspunkt, um eine optimale Verortung des Spielgeschehens leisten zu können. Es ist wichtig anzugeben, ob sich der Ball auf Höhe des Mittelkreises befindet oder eher ein langer Ball auf die linke Außenbahn gespielt wird. Sowohl zur kurzen Auflockerung, aber auch ideal zur praktischen Verdeutlichung machten wir uns auf in das weite Rund der Arena. Hier erklärte uns Herr Naß noch einmal direkt vor Augen die Bedeutung der einzelnen Spielfeldmarkierungen. Natürlich nutzten wir diese einmalige Gelegenheit im Stadion auch, um das ein oder andere Erinnerungsfoto zu schießen.

Nach diesem kurzen Exkurs ging es dann auch sofort ins Eingemachte. In drei Gruppen aufgeteilt sollten wir nun beginnen Spielsituationen aus dem DFL Supercup 2013 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund zu reportieren. Jeweils eine Person sollte eine bestimmte Szene etwa 90 Sekunden reportieren und die anderen Gruppenmitglieder sollten ohne Blick auf das Spielgeschehen darauf achten, ob eine genaue detailreiche Reportage erfolgt und schließlich angeben können, wo zuletzt der Ball gewesen ist. Die Übung zeigte mir – aber auch meinen Mitbewerbern – wie schwer es doch ist immer genauste Angaben zu machen und nicht den Faden im Spielgeschehen zu verlieren. Mir wurde recht schnell deutlich, dass dies doch etwas anders sei als ein bloßer Kommentar des Spiels. Dennoch machte mir diese Übung großen Spaß, da ich mit großer Motivation und hoher Lernbereitschaft an diese Aufgabe herangetreten bin. Das gegenseitige Feedback untereinander half eigene Schwächen im ersten Reportageversuch zu erkennen und von meinen Mitbewerbern zu lernen, da jeder seine besondere und eigene Art zu reportieren besitzt.

Dann aber erstmal Pause! Nach gut zweieinhalb Stunden war diese dann auch nötig und von uns allen erwünscht. Hannover 96 war so nett und hat uns nicht nur eine große Anzahl an nicht alkoholischen Getränken zur Verfügung gestellt, sondern auch ein leckeres Mahl angerichtet. Currywurst mit Brötchen und Kartoffelsalat. Hat richtig gut geschmeckt!

Nach der Pause trafen wir uns wieder gemeinsam in der Gruppe. Zuerst sammelten wir unsere Eindrücke und Erfahrungen aus der Reportierübung. Danach ging es aber erst richtig los! Jetzt sollten wir vor der gesamten Gruppe reportieren! Diese sah die zu reportierende Spielszene natürlich nicht, sondern sollte anhand der Schilderung des Reporters genau beschreiben können, wo der Ball in der Spielszene verläuft und wo er sich letztlich am Ende der Spielszene befindet. Alle bekamen nun die Chance vor versammelter Gruppe zu reportieren. Danach entstand sofort eine Diskussion zur Reportage des Einzelnen an sich, aber auch die beschriebene Verortung von Ball und Spielgeschehen nahm hier eine Schlüsselrolle ein. Auf dem Flipchart sollten wir den beschriebenen Spielverlauf einzeichnen und erläutern. Spät wurde es bereits schon während dieser Übung. Nachdem wir gegen 22:30 alle mit dieser Übung fertig waren, gab es für den morgigen Tag noch eine Hausaufgabe! Ja, ein Blindenreporter muss sich auf seine bevorstehende Partie vorbereiten, deswegen hatten wir die Aufgabe uns für das Spiel gegen Augsburg dementsprechend vorzubereiten. Danach ging dieser erste ereignisreiche Tag der Schulung schon zu Ende.

Der erste Eindruck: Interessantes Projekt, sehr nette Leute, die Chance gehabt im 96-Presseraum zu gastieren, viel neues und interessantes innerhalb der Schulung von Herrn Naß gelernt und das Essen und die Getränke waren auch eine nette Geste von Hannover 96. Allerdings verblieb auch bei mir die Vorstellung, dass Reportieren eben nicht kommentieren ist! Mit Journalismus oder dem Kommentar im Fernsehen oder Radio hat das nur äußerst wenig zu tun. Und es ist echt schwer und anstrengend eine genaue und qualitativ hochwertige Reportage zu liefern. Allerdings freute ich mich auf den nächsten Tag und war auch zugleich gespannt, was alles noch folgen sollte und wie der eigene Reportageeinsatz in der morgigen Partie aussehen sollte.

Tag 2 – Hausaufgabenkontrolle und Einsatz als Blindenreporter!

Neuer Tag, neues Glück! Aber heute so richtig, da nicht nur der zweite Teil der Schulung wartete, sondern auch der anschließende Einsatz im Spiel gegen den FC Augsburg. Gleich zu Beginn des zweiten Schulungstages hieß es Hefte raus, Hausaufgabenkontrolle! Ja wir sollten jeder einzeln berichten, wie wir uns vorbereitet haben, welche Informationsquellen wir genutzt und welche Fragen uns selber noch offen blieben. Herr Naß sammelte die Informationen und genannten Quellen am Flipchart und erläuterte die einzelnen notierten Punkte. Er wies uns dabei vor allem darauf hin, dass wir die Spieler am Aussehen und deren Namen unbedingt kennen sollten. Es sei laut Naß auch wichtig zu wissen, ob Spielerwechsel Positionsgetreu erfolgen oder ob der eingewechselte Spieler taktisch eine vollkommen neue Position bekleidet. Dabei erzählte er auch aus eigener Erfahrung, die eine oder andere nette Anekdote, dass er selbst schon Spieler nannte oder beschrieb, welche nicht auf dem Platz waren. Dem aufmerksamen Hörer einer Blindenreportage fallen aber solche kleinen Fauxpas erstaunlicherweise oftmals auf. Auch die korrekte Aussprache von Spielernamen sei ein wichtiger Punkt, an welchem schon der ein oder andere Reporter gescheitert ist. Hierbei gab Herr Naß als goldene Formel die Bezeichnung der Spieler in der Sportschau aus. „Die Sportschau hat im Zweifel bei den Namen immer recht“. Am zweiten Tag fanden sich auch die beiden Studenten der Hochschule Magdeburg ein, welche ja bereits umfassende Reportiererfahrung gesammelt hatten. Beide konnten die Runde immer recht gut ergänzen, da sie aus ihren bisherigen eigenen Erfahrungen berichten konnten.

Nachdem jeder brav seine Hausaufgabe erfüllt hatte, gingen wir nun zur Spielvorbereitung über. Björn Naß gab uns für diese, aber auch alle weiteren Einsätze als Blindenreporter eine Art Sieben-Punkte-Plan an die Hand.

Dieser sah wie folgt aus:

  1. Informationen zum jeweiligen Einsatz sammeln (Aufstellungen, Schiedsrichter, Verletzte, Statistiken)
  2. Stimme etwa eine Stunde vor dem Einsatz aufwärmen
  3. Arbeitsplatz einrichten, Technik holen und den Soundcheck durchführen
  4. offizielle Aufstellung einholen
  5. Aufstellung auf persönliche Unterlagen übertragen
  6. Als Ansprechpartner für Nutzer der Blindenreportage zur Verfügung stehen und Technik dementsprechend ausgeben
  7. Restliche Zeit vor dem Anpfiff individuell für sich nutzen.

Da wir Punkt eins im Rahmen der Hausaufgabe bereits abgearbeitet hatten, ließ Punkt zwei natürlich nicht lange auf sich warten. Ja, wir durften unsere Stimmen ölen, indem wir gemeinsam den Alltimeklassiker Badewannentango von Peter Alexander sangen. Durch die einzelnen Stimmhöhen sei dieser als Aufwarmübung zur Reportage hervorragend geeignet. Als gröllten wir gemeinsam im Presseraum von Hannover 96 einen alten Volksmusikklassiker! Gott bewahre, hoffentlich hat das keiner gehört 🙂

Die Zeit verging am zweiten Tag sehr schnell und so mussten wir uns kurz nach 19:00 schon auf den Weg ins Stadion machen, um gemäß Punkt drei unsere Technik zu holen, aufzubauen und den Soundcheck frühestmöglich durchzuführen. Nichts ist ärgerlicher, wenn alle Vorbereitungen getroffen worden sind, einen aber die Technik im wichtigen Moment im Stich lässt – Stichwort: Vorführeffekt 🙂

Zuvor bekamen wir jedoch freundlicherweise von Hannover 96 ein Lunchpaket gestellt, um uns für den bevorstehenden Einsatz dementsprechend zu stärken. Also Lunchpaket in die Hand und ab nach draußen in die schmuddelige Dezemberkälte. Unsere beiden erfahrenen Reporter kümmerten sich um die Beschaffung der Technik, da diese hier ja bereits umfassend im Bilde waren. Ohne sie machten wir uns mit Herrn Naß auf den Weg in Block O8, welcher speziell für die Blindenreportage vorgesehen war. Mit der notwendigen Technik ebenfalls im Block angekommen, erklärten uns beide Studenten die technische Ausrüstung für den gleich stattfindenden Einsatz als Blindenreporter. Diese war recht simpel zu bedienen und bestand aus Funkempfängern und dazugehörigen Kopfhörern. Für die Reporter gab es dementsprechend ein Headset, wohl gemerkt nur ein Headset!

Bereits 30 Minuten vor Anpfiff fanden sich die ersten Zuhörer im Block ein. Nach freundlicher Anfrage verteilten wir Ihnen den Empfänger samt Kopfhörer. Viel erklären mussten wir zur ausgegebenen Technik auch nicht, da diese ja nahezu selbsterklärend war und die Nutzer als Stammgäste mit dieser schon vertraut waren. Zeitgleich besorgten wir uns die Mannschaftsaufstellung für die gleich stattfindende Partie. Nun hieß wie in Punkt fünf angemerkt, diese Informationen auf die eigenen Notizen zu übertragen. Dies ging für uns alle recht fix, da die Aufstellungen von 96 und Augsburg sich nicht großartig von der bereits auf Kicker.de geposteten Aufstellung unterschied. Herr Naß nutzte derweil die noch verbleibende Zeit um mit den Zuhörern eine kurze Unterhaltung zu führen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass heute mehrere Reporter in kurzen Abständen zum Einsatz kommen. Die insgesamt sechs Zuhörer im Block zeigten sich damit einverstanden und lobten uns für unser freiwilliges Engagement. Währenddessen nutzten wir die Zeit, um uns vor unserem großen Einsatz zu stärken. Lunchpaket auf und futtern! Etwa 10 Minuten vor Beginn legte Herr Naß das weitere Vorgehen für die nun gleich kommende Blindenreportage fest. Die beiden bereits erfahrenden Reporter sollten beginnen und uns somit erst mal ein Beispiel geben, wie das ganze Prozedere auszusehen hat. Nach jeweils fünf bis sieben Minuten sollte es dann einen schnellen und möglichst unterbrechungsfreien Wechsel zum rechts sitzenden Nachbar geben, damit jeder seine Chance zum reportieren erhalten sollte.

Auf geht’s“! Der Anstoß zwischen Hannover 96 und dem FC Augsburg erfolgte pünktlich um Punkt 20:00. Wir schnappten uns die noch ausreichend vorhandenen Transponder und lauschten der Reportierung jedes einzelnen mit. Die fliegenden Wechsel von einem Reporter zum nächsten liefen ganz gut und meistens reibungslos ab, jedoch zeigte sich die Technik an diesem Tage nicht von der besten Seite. Headsetausfälle und Tonprobleme begleiteten leider die gesamte Reportage und beeinflussten tragischerweise die bemühte Leistung aller hoch motivierten, angehenden Blindenreporter. Hoffentlich rüstet Hannover 96 hier in Zukunft auf, damit die Qualität der Reportage und des bemühten Projekts verbessert werden kann.

In der 37. Minute war es dann auch für mich soweit. Ich bekam das Headset überreicht und los ging es. Keine Zeit groß zu überlegen oder Nervosität zu signalisieren. Headset auf und reportieren! Das absolute Gift beim Reportieren ist stumm zu sein. Man muss die ganze Zeit über reden, da der Zuhörer ja nichts auf dem Spielfeld erkennen kann. Da hat es der Fußballkomentator im TV deutlich einfacher, da er ab und an ja mal kurz schweigen kann. Seine Zuschauer sehen ja schließlich was auf dem Spielfeld vor sich geht und somit muss er nicht jedes Detail kleinlichst beschreiben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten zu Beginn der Reportage hatte ich mich nach ca. ein bis zwei  Minuten auf diese ja durchaus neue und unbekannte Situation eingestellt. Mit viel Enthusiasmus und großer Leidenschaft versuchte ich das Spiel so gut wie möglich zu reportieren. Hierbei versuchte ich die genaue Verortung des Spielgeschehens wie in der Schulung gelernt, durchzuführen. Selbstkritisch muss ich aber zugeben, dass mir dies recht schwer fiel und nicht immer gelang. Ich durfte bis zur Halbzeit ohne Unterbrechung reportieren und mir verlief diese Zeit wie im Flug. Hatte Spaß gemacht, war eine nette Erfahrung, aber doch nicht so einfach wie ich vielleicht anfangs gedacht hatte. In der Halbzeitpause unterhielten wir uns untereinander über diese spannende Erfahrung. Ich bekam dabei auch viel Lob von meinen Mitbewerbern, obwohl ich nicht ganz so zufrieden war mit meiner ersten Performance.

Doch ich hatte sofort die Möglichkeit diese Leistung zu korrigieren, da ich gleich die zweite Halbzeit von Beginn an reportieren sollte. Als die ersten Spieler zur zweiten Halbzeit ins Stadion einliefen, schnappte ich mir das Headset und begann die Reportage. Gut fünf Minuten durfte ich nun reportieren, danach reichte ich das Headset zu meinem linken Nachbar weiter. Jeder hatte somit in der zweiten Spielhälfte die Chance ein zweites Mal seine Fähigkeiten am Headset unter Beweis zu stellen. Für mich persönlich war es das gewesen an diesem Abend. Mit meiner zweiten Performance war ich auch nicht so ganz zufrieden. Natürlich besser als beim ersten Versuch, aber noch nicht so ganz optimal, wie ich es mir gewünscht hätte. Die Qualität der Reportierung aller Bewerber war aber sehr groß. Man merkte, dass einige schon journalistische Erfahrungen gesammelt hatten und von dieser zehren konnten.

Um ca. 21.50 pfiff Schiedsrichter Christian Dingert die Partie ab. Einsatz beendet für uns alle angehenden Blindenreporter. Technik abbauen, einsammeln und wegbringen stand gleich danach auf dem Plan. Nachdem sich die Hektik nach dem Abpfiff etwas verflogen hatte, trafen wir uns oben vor dem Block O4 nochmal alle gemeinsam. Herr Naß sagte noch ein paar Takte zur Reportierung am heutigen Abend. Danach gab er jedem von uns einzeln ein Feedback zu seiner Leistung. Bei mir merkte er unter anderem an, dass die Verortung und Beschreibung des Spielgeschehens nicht so gut geklappt hat. Daran sollte ich zukünftig arbeiten. Zeitgleich während dieser kurzen und prägnanten Feedbackrunde kam Herr Kühne hinzu, um sich nochmal bei uns zu bedanken für den heutigen Einsatz und das Interesse an diesem Projekt. Er werde sich bei uns schnellstens melden, wer zukünftig regelmäßig für die Einsätze als Blindenreporter bei Heimspielen von Hannover 96 in Frage kommt. Danach verabschiedete er sich bei uns und wünschte uns allen weiterhin alles Gute. Der Abend war also danach kurz nach 22:00 zu Ende und wir machten uns alle mit einer tollen Erfahrung reicher auf den Weg nach Hause.

Fazit – Blindenreportage – Ein großartiges Projekt, welches jede Unterstützung und Förderung verdient hat

Ziemlich müde und durchgefroren kam ich gegen 23.00 nach Hause, aber es hatte sich die ganze Mühe gelohnt. Die zwei Tage waren genauso interessant und aufschlussreich, wie ich es mir erhofft hatte. Zwar hatte ich zunächst keine so richtige Idee was auf mich zukommt, aber letztlich habe ich viel aus der Schulung bei Herrn Naß mitgenommen und jede Menge neue Inhalte und Kenntnisse erfahren, welche ich auch hier an dieser Stelle ausführlich teilen wollte.

Recht schnell meldete sich Herr Kühne per Mail bei uns und verkündete, dass die Wahl auf drei der elf Teilnehmer gefallen ist. Diese werden ab der Rückrunde nun regelmäßig die Heimspiele von Hannover 96 für blinde Zuschauer reportieren. Die Wahl der drei zukünftigen Blindenreporter ist meiner Meinung auch die richtige Auswahl gewesen, da die drei Bewerber schon sehr gut und professionell reportiert haben. Auf jeden Fall eine richtige und gute Entscheidung, die da getroffen wurde. Ich persönlich hätte ebenfalls dieselbe Auswahl getroffen.

Hoffentlich wird dieses großartige ehrenamtliche Projekt weiterhin mit so viel Liebe und Interesse verfolgt wie bisher. Aber bei Herrn Detlev Kühne bin ich mir sicher, dass dieses Projekt weiterhin mit so viel Zielstrebigkeit und Interesse weiterentwickelt wird, da er seit Jahren eine hervorragende Betreuung für Menschen mit Behinderung bei Hannover 96 leistet. Einiges tun muss sich noch bei der Technik, da diese gemäß aktueller technischer Standards etwas veraltet ist und während der Reportage immer wieder mit Verbindungsabrüchen Probleme bereitete. Hoffentlich findet sich da ein netter und hilfsbereiter Sponsor oder Helfer, um hier zukünftig optimale technische Bedingungen für die Reportagen zu schaffen. Wäre schade wenn es lediglich an der Technik scheitern sollte und den fleissigen und motivierten Reportern Frustrationserlebnisse bereiten sollte.

Blindenreportage ist ein toller Service für die blinden Fans von Hannover 96 und ein wichtiger Schritt blinde Fußballfans am Geschehen Fußball teilhaben zu lassen. Denn egal ob wir sehen oder nicht sehen, egal welche Hautfarbe wir haben oder welcher Nationalität wir angehören, wir alle lieben den Fußballsport und deswegen sollten wir auch alles daran setzen, dass jeder die Möglichkeit bekommt diese Leidenschaft mit anderen Menschen ohne Barrieren oder Einschränkungen zu teilen. Dafür sollten wir uns alle gemeinsam einsetzen.

Mit diesem doch recht langen Artikel wollte ich einerseits meine Eindrücke und Erlebnisse zur Schulung der Blindenreportage veröffentlichen. Anderseits aber auch Werbung für das großartige Projekt machen, welches nicht nur bei den Roten sondern auch bei anderen Vereinen eine tolle und lobenswerte Sache ist. Also liebe Leser, biete machen Sie auch Werbung für die Blindenreportage und verbreiten Sie die herausragende Arbeit vieler ehrenamtlicher Helfer, welche mit viel Liebe, Einsatz und ohne finanzielle Vergütung solch ein großartiges Projekt auf die Beine stellen.

… und ah ja! Hannover 96 hat natürlich das Heimspiel gegen den FC Augsburg souverän mit 2:0 gewonnen :).

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